Kaum erhöhte Arbeitslosigkeit

IWH: Flüchtlingszuzug wird Konjunktur anregen

Halle - Der Zuzug von Flüchtlingen wird die Arbeitslosenquote in Deutschland nach Einschätzung des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) kaum erhöhen.

"Nach unseren Berechnungen werden kommendes Jahr durch die Flüchtlinge 130 000 oder 140 000 Menschen zusätzlich auf den Arbeitsmarkt kommen", sagte IWH-Präsident Reint E. Gropp der Deutschen Presse-Agentur. Im Vergleich zu den zuletzt 2,6 Millionen Arbeitslosen seien das nicht so viele.

Außerdem werde der Zuzug der Flüchtlinge stimulierend für die Konjunktur sein. "Die Zuwanderung wirkt eindeutig wie ein kleines Konjunkturprogramm", sagte Gropp. Angesichts der guten Haushaltslage des Bundes sei dies auch finanzierbar.

Langfristig sei die Zuwanderung positiv für den Arbeitsmarkt. "Wir haben tatsächlich ein riesiges Demografieproblem", sagte Gropp. "Das kommt absurderweise durch die sehr geburtenstarken Jahrgänge Ende der 50er und in den 60er Jahren, die in 10 bis 20 Jahren in Rente gehen." Dies werde in einigen Jahren die Relation zwischen Arbeitenden und Rentnern und Kindern stark verändern.

"Die demografische Entwicklung ist so negativ, dass noch nicht einmal eine Million Einwanderer pro Jahr das auffangen würden", sagte Gropp. Die Zuwanderung könne aber die Effekte des Wandels abfedern. Die Flüchtlinge von heute stünden in einigen Jahren genau dann für den Arbeitsmarkt bereit, wenn sie dringend gebraucht würden.

Gropp warnte zugleich davor, für Flüchtlinge andere Regelungen im Bereich des Mindestlohns zu schaffen. "Das würde Flüchtlinge und einheimische Arbeitnehmer gegeneinander ausspielen und zu Konflikten führen", sagte Gropp. Auch sozialer Wohnungsbau für Flüchtlinge sei der falsche Weg, weil dies ähnlich wie in Frankreich leicht zu einer Ghettoisierung führen könne.

dpa

Rubriklistenbild: © Martin Gerten

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Deutsche Bank voraussichtlich mit schwarzen Zahlen
Frankfurt/Main (dpa) - Die Deutsche Bank will nach zwei Verlustjahren 2017 wieder schwarze Zahlen schreiben.
Deutsche Bank voraussichtlich mit schwarzen Zahlen
Neuer Chef der Munich Re will Problemtochter Ergo behalten
Bei der Munich Re übernimmt ein neuer Chef das Ruder - und der kämpft mit einem alten Problem. Ärger mit den Aktionären gibt es auch.
Neuer Chef der Munich Re will Problemtochter Ergo behalten
Uber plant Flugtaxis
Dallas/Mountain View - Den Tech-Unternehmern wird es auf dem Boden zu eng. Sie versprechen eine Transport-Revolution mit kompakten Fluggeräten. Die Projekte stecken …
Uber plant Flugtaxis
Bauern bangen wegen Frostschäden ums Geschäft
Ungünstiges Wetter hat die Landwirte in manchen Regionen eiskalt erwischt. Der Bauernverband dringt schon auf staatliche Hilfen.
Bauern bangen wegen Frostschäden ums Geschäft

Kommentare