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Jagen, schlachten, verkaufen: Das Geschäft der Mannesmann-Erben

- München - Ein altes Straßenschild und ein neuer Strafprozess sind übrig geblieben von einer der größten deutschen Marken. Vier Jahre nach der Zerschlagung von Mannesmann ist der Name aus der Wirtschaft fast verschwunden. Was wurde aus den Mitarbeitern? Was aus Handys, Panzern und Luxusuhren? Ein Blick auf die Überreste des 110 Jahre alten Konzerns.

<P>Es waren tage- und nächtelange Geheimsitzungen, in denen sich Vodafone nach der spektakulären Übernahme die größten Brocken sicherte und den Rest versilberte. Das Mobilfunkgeschäft landete komplett bei den Briten. Die boomende Sparte hatte den Gemischtwarenladen aus Düsseldorf attraktiv gemacht. Der damalige Vodafone-Chef Chris Gent schnappte sich außerdem das Festnetzgeschäft Arcor, den schärfsten Telekom-Konkurrenten. Arcor fährt noch immer einen dreistelligen Millionenverlust ein, und Gent würde die Abteilung inzwischen gerne wieder los.<BR><BR>Mit der riesigen Mannesmann-Industriesparte Atecs klappte das viel schneller. Nach einem heißen Bieterwettkampf setzten sich im April 2000 Siemens und Bosch gemeinsam als Käufer durch. In letzter Minute hatten sie Gent ein neues Angebot vorgelegt. Rund 9,6 Milliarden Euro kostete das Vergnügen, die 90 000 Mitarbeiter und ihren 12,3-Milliarden-Euro-Umsatz zu übernehmen.<BR>Siemens und Bosch teilten: Der Hydraulik-Weltmarktführer Rexroth, 2,7 Milliarden Euro teuer, wird bis 2005 schrittweise bei Bosch integriert. Die Sparten VDO und Dematic schluckte Siemens.<BR><BR>Ohnehin wurde der Münchner Konzern so eine Art heimlicher Nachlassverwalter für Mannesmann - bis heute. Siemens hatte mehr eingekauft als benötigt. So landete die Plastikmaschinen-Sparte vor eineinhalb Jahren mit 6300 Mitarbeitern bei einem US-Investor, der dafür bis zu 800 Millionen Euro gezahlt haben dürfte und die Sparte aus Steuergründen in eine Luxemburger Holding packte. Mannesmann Sachs mit 18 000 Mitarbeitern wurden die Münchner für 1,5 Milliarden Euro bei der ZF Friedrichshafen los.<BR><BR>Jetzt sitzt Siemens noch auf einem Haufen Panzer. 49 Prozent hält der Konzern als Mannesmann-Erbe an der Panzerschmiede Krauss-Maffei. Dort wird unter anderem der "Leopard" gebaut. Bei seinen Aktionärstreffen winkt Siemens-Chef Heinrich von Pierer gerne mit allen greifbaren Produkten in die Kameras. Weil sich Kampfpanzer dazu nicht eignen, will Siemens die Anteile nun verkaufen. Die Umsetzung läuft allerdings zäh.<BR><BR>Volles Rohr läuft die Röhrensparte "Tubes". In den Schnäppchenwochen des Mannesmann-Ausverkaufs im Sommer 2000 ergeizte sich der Salzgitter-Konzern den defizitären Bereich - für eine Mark. Die Ertragswende gelang. Wenige Salzgitter-Töchter tragen als letzte noch den Namen Mannesmann.<BR><BR>In einer langen Julinacht fiel auch die Entscheidung über das Nobel-Uhren-Geschäft. Der Luxusgüter-Konzern Richemont legte umgerechnet zwei Milliarden Euro auf den Tisch und holte die Mannesmann-Uhren in die Schweiz - zum Ärger von Konkurrent Gucci, der nur ein paar Millionen weniger geboten hatte.<BR><BR>180 Milliarden Euro war Mannesmann für Vodafone einst wert. Wie wertvoll die zahllosen Einzelteile jetzt noch wären, ist kaum seriös zu berechnen. Das betrifft auch die Mitarbeiterzahl: "Kein Personalabbau" hatte Gent einst versprochen. Bis Ende 2003 galt ein Kündigungsverbot für die 130 000 ehemaligen Mannesmänner. Einige, so berichten die Gewerkschaften, kehrten ihren neuen Arbeitgebern dennoch den Rücken oder wurden dazu gedrängt.<BR><BR>An Gents Versprechen ist ohnehin zu zweifeln. Zum Beispiel die Sache mit der Europazentrale, die Gent Düsseldorf versprach: Darauf wartet die Stadt bis heute vergeblich.<BR></P>

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