Ein Jahr als Au-pair im Ausland: So findet man die richtige Stelle

- Nach der Schule oder der Ausbildung für ein Jahr ins Ausland, eine andere Kultur kennen lernen und die Fremdsprache ein wenig aufpolieren. Diesen Traum verwirklichen sich viele junge Menschen als Au-pair in einer Gastfamilie. Damit der Aufenthalt jedoch nicht zum Reinfall wird, muss bei der Suche nach einer geeigneten Stelle einiges beachtet werden.

Auf eigene Faust eine Familie finden, oder eine Agentur in Anspruch nehmen? Diese Frage muss jeder Reiselustige selbst klären, denn es gibt keine Verpflichtung, einen Vermittler in Anspruch zu nehmen. Dennoch rät die Bundesagentur für Arbeit zur professionellen Unterstützung. Dem schließt sich auch Patricia Brunner, zweite Vorsitzende des Bundesverbands Au-pair-Society an: "Im Internet können einem die Leute viel erzählen", die Agenturen hätten eher die Möglichkeit, schwarze Schafe auszusortieren.

Bei der Agenturwahl sollte entscheidend sein, ob eine Partner-Agentur im Ausland existiert, empfiehlt die Bundesagentur für Arbeit. Schließlich sei es wichtig, dass es einen Ansprechpartner vor Ort gibt.

Richtig bewerben

Die Agentur schickt dem Interessenten alle wichtigen Formulare und Infomaterial zu. Neben der Bewerbung, einem Brief an die Familie und Fotos kann auch ein Gesundheitszeugnis oder das polizeiliche Führungszeugnis vom künftigen Au-pair verlangt werden. "Die Unterlagen werden an die Partner-Agentur im Ausland weitergeleitet, die stellt wiederum den Kontakt mit der Familie her", erklärt Brunner das Prozedere. Da die Hauptaufgabe eines Au-pairs meist die Kinderbetreuung ist, ist es zudem notwendig, einen Nachweis zu erbringen, dass man bereits Erfahrung im Umgang mit dem Nachwuchs hat - egal ob Babysitting oder ein Praktikum im Kindergarten.

Altersgrenze

18 bis 27 Jahre sind in der Regel die Altersgrenzen für eine Au-pair-Stelle, doch jedes Land hat hier seine eigenen Vorgaben. Ähnlich sieht es beim Taschengeld sowie der Arbeitszeit aus: Diese variiert im Schnitt zwischen 25 und 30 Stunden in der Woche. Insgesamt sollte der Auslandsaufenthalt zwischen sechs Monaten und einem Jahr dauern: "Es macht keinen Sinn, kürzer als ein halbes Jahr zu bleiben, zudem ist es schwer, Familien für einen solch kurzen Zeitraum zu finden", betont die Expertin. In Australien und den USA müssten die Aufenthalte in der Regel ein Jahr dauern. Zwei Wochen bezahlter Urlaub stehen USA-Au-pairs in dieser Zeit zu. In vielen anderen Ländern sei der Urlaub nicht geregelt, "doch auf Absprache meist kein Problem".

Anfallende Kosten

Neben den Reisekosten muss der Jugendliche, der in der EU bleibt, 150 Euro Vermittlungsgebühr bezahlen. Wer in die USA will, muss zusätzlich zu Verwaltungsgebühren mit 500 Dollar rechnen, die von der Agentur als Kaution verlangt werden. Die Reisekosten werden hier üblicherweise von der Gastfamilie bezahlt - ebenso wie der nötige Einführungskurs. Das USA-Visum kostet 85 Euro und ist nur über die Agenturen erhältlich.

Au-pair-Versicherung

Bereits beim Erstgespräch sollten die Agenturen auf die Versicherung angesprochen werden, denn wer diese abschließen muss, ist von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich geregelt. Nicht in jedem Fall wird der Versicherungsschutz von den Gastfamilien im Ausland getragen. Oft muss noch in Deutschland eine Zusatzversicherung abgeschlossen werden. Einige Versicherer haben für diesen Fall ein spezielles Au-pair-Angebot im Programm.

Für Gastfamilien

Auch wer ein Au-pair-Mädchen oder -Buben bei sich aufnehmen will, sollte sich an eine Agentur wenden, raten die Experten. Die Agentur prüft anhand von Fotos, Formularen, persönlichen Gesprächen oder auch bei einem Besuch, ob man als Gastfamilie geeignet ist. Ein möbliertes Zimmer muss dem "neuen Familienmitglied" zur Verfügung stehen.

In erster Linie geht es um Kulturaustausch

Ausgaben in Höhe von 300 bis 700 Euro kommen auf die Gastgeber für die Vermittlung zu. Die Anreise des Gastes muss nicht gezahlt werden: "Wenn dieser aus einem ärmeren Land kommt, sollte jedoch freiwillig etwas dazugegeben werden", rät Brunner. 260 Euro Taschengeld sind jeden Monat neben den Ausgaben für Essen, Fahrt- oder die Nebenkosten fällig. Die Kranken-, Unfall- und Haftpflichtversicherung übernimmt ebenfalls die Gastfamilie. Auch hier bieten sich die speziellen Au-pair-Versicherungen an. Wichtig sei es, die Anmeldung beim Einwohnermelde-, beim Ausländer- beziehungsweise beim Arbeitsamt nicht zu vergessen, warnt Brunner.

"Vor allem sollten sich die Familien aber im Klaren darüber sein, dass es sich vorrangig um einen Kulturaustausch handelt." Es wäre falsch zu erwarten, dass da ein Profi kommt, der problemlos den Haushalt schmeißt. Vieles muss erst erlernt werden, und da ist etwas Geduld gefragt.

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