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Ein Jahr Finanzkrise - Der "Tsunami" wütet weiter

München - Die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Finanzkrise ist dahin. Ein Jahr nach ihrem Ausbruch steht fest: Die Finanzmarkt-Turbulenzen haben weltweit zu drastischen Veränderungen geführt. Und es geht noch weiter.

Frankfurt/New York - Die US-Konjunktur taumelt wohl einer Rezession entgegen. Auch in Europa verdüstern sich die Aussichten. Experten sprechen von der schlimmsten Bankenkrise der Weltwirtschaft seit den 30er-Jahren. Die Krise, die Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mit einem "Tsunami" verglich, hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen.

Banken mussten weltweit über 400 Milliarden Dollar auf riskante Kreditportfolios abschreiben. Die führenden Banken der Welt strichen fast 60 000 Jobs. Der Chef der amerikanischen Citigroup, Charles Prince, musste seine Karriere ebenso abrupt beenden wie Stan O'Neal von der Investmentbank Merrill Lynch und die Chefin der deutschen Förderbank KfW, Ingrid Matthäus-Maier. Die 30 Konzerne im Deutschen Aktienindex verloren binnen eines Jahres 200 Milliarden Euro an Wert. In Deutschland hat die Krise einen Fusionspoker der Banken in Gang gebracht. "Das hat auch sein Gutes: Die Neustrukturierung der Bankenlandschaft macht die Institute wettbewerbsfähiger und teurer, so dass sie weniger leicht übernommen werden können", sagt Bankenprofessor Dirk Schiereck von der European Business School in Oestrich-Winkel.

Die Banken wollen als Konsequenz ihr Risikomanagement verbessern. Konkrete Reformansätze fehlen nach Ansicht von Kritikern aber. Umstritten ist nach wie vor, wie Banken Wertpapiere in den Bilanzen bewerten sollen. Die EU will Investitionen der Banken an den internationalen Kreditmärkten erschweren.

Die weltweite Krise begann bei Hausbesitzern in den USA, die für immer weniger Sicherheiten immer höhere Hypothekendarlehen bekamen. Die Angst, dass sie ihre Kredite nicht mehr zahlen konnten, ließ den Wert der Ramsch-Hypotheken ("Subprime") abstürzen. Die Immobilienfirmen hatten die Papiere aber längst an Investmentbanken weitergereicht, die daraus undurchschaubare Finanzpakete schnürten und an Investoren in aller Welt verkauften. Bundespräsident Horst Köhler wies im Mai den Banken die Schuld für die Krise zu: "Die internationalen Finanzmärkte haben sich zu einem Monster entwickelt, das in die Schranken gewiesen werden muss."

Vor allem die deutschen Landesbanken hatten sich am US-Häusermarkt verzockt. "Es gibt zu viele Landesbanken mit dem Anspruch, ein internationaler Spieler für die Sparkassengruppe sein zu können", sagt Bankenexperte Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim. Die Branche sei unkritisch gewesen: "In den mathematischen Modellen war eine solche Krise einfach nicht vorgesehen."

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