Jahr für Jahr mehr Kilowatt

Stromverbrauch in Bayern: - Selbst effizientere Elektrogeräte und explodierte Preise können in Bayern den Anstieg des Stromverbrauchs nicht bremsen. Jahr für Jahr ziehen die Abnehmer mehr Energie aus der Steckdose. Sparpotenziale gerade in Privathaushalten bleiben oft ungenutzt.

München - Der steil ansteigende Strombedarf früherer Jahre ist im Freistaat mittlerweile zwar gebremst. Doch noch immer weist der Trend nach oben: Haushalte, Unternehmen und Kommunen nahmen den Versorgern im letzten Jahr knapp 80 Milliarden Kilowattstunden Strom ab, wie der Verband der Bayerischen Elektrizitätswirtschaft (VBEW) in München berichtete. Das waren 0,7 Prozent mehr als 2005 und gut ein Fünftel mehr als 1990. "Es wird auch in den nächsten Jahren einen mäßigen Anstieg geben", sagte VBEW-Vorstand Herbert Dombrowsky.

Für den wachsenden Strombedarf der privaten Haushalte, die für ein Drittel des Verbrauchs verantwortlich sind, gibt es vor allem zwei Gründe. Zum einen leben nach Zahlen des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden immer mehr Menschen allein in immer größeren Räumlichkeiten. Dadurch leuchten automatisch mehr Lampen, kühlen mehr Gefrierschränke. Zum zweiten stehen in den Wohnungen immer mehr Elektro-Geräte: Die Zahl der Computer verdreifachte sich zwischen 1993 und 2003, einen Wäschetrockner besitzen doppelt so viele Leute. Da hilft es auch nicht, dass die Hersteller mittlerweile wesentlich effizientere Geräte bauen als noch vor zehn Jahren.

Doch nicht nur die Privaten, auch die Unternehmen saugen mehr Strom - zumindest derzeit. Weil der Aufschwung die Auftragsbücher füllt, laufen in vielen Industriebetrieben die Maschinen auf Hochtouren. Zwar verbessern die Firmen die Effizienz ihrer Anlagen im Schnitt um jährlich 1,5 Prozent, wie Hubertus Bardt vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln sagt. Doch wächst die Wirtschaft in diesem Jahr wie prognostiziert um 2,5 Prozent, dann wächst nach seiner Berechnung auch der Energiebedarf um ein Prozent.

Umweltexperten sehen den steigenden Stromverbrauch kritisch. "Das ist eines unserer größten Probleme, da die Erzeugung sehr umweltintensiv ist", sagt Stefan Lechtenböhmer vom Wuppertal Institut. Der Verbrauch müsse gedrückt werden, um dem Klimawandel zu begegnen. Das Umweltbundesamt beziffert allein die Leerlaufverluste in den Privathaushalten auf 17 Milliarden Kilowattstunden Strom. Es werde noch immer zu verschwenderisch mit Energie umgegangen.

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