Das Jahr der konservativen Aktie

- München - Mit einem Signal geht das erste Halbjahr 2004 heute an den Finanzmärkten zu Ende: Der amerikanische Notenbank-Chef Alan Greenspan wird wohl eine Zinserhöhung bekannt geben und damit die Konjunktur-Wende zum Besseren in den USA manifestieren. Für die Anleger an den deutschen Börsen sollte sich nach Einschätzung von Experten bewahrheiten, was sich bislang andeutete: 2004 ist und bleibt das Jahr der konservativen Aktie.

<P>Nach den Kurssprüngen des vergangenen Jahres rechneten die meisten Börsenbeobachter für heuer mit einer Pause zum Durchschnaufen - und behielten bisher Recht. Der Deutsche Aktienindex (Dax), der die Entwicklung der 30 größten börsennotierten Unternehmen des Landes abbildet, steht zur Jahresmitte bei rund 4060 Punkten - gut zwei Prozent höher als zu Jahresbeginn. "Auch wenn sich der Dax insgesamt kaum bewegt hat, gibt es aber sehr große Unterschiede zwischen den Branchen", erklärt Peter Worel von der Bayerischen Landesbank. Und da zeigen sich klare Gewinner.<BR><BR>Gesundheitswesen und Versorger zählt der Experte der BayernLB zu den begünstigten Branchen des ersten Halbjahres. "Im Dax haben nicht so sehr die spekulativen Titel gewonnen, sondern eher die soliden Werte", sagt auch der Münchner Vermögensverwalter Jens Ehrhardt. Die Energieunternehmen Eon (plus 15,1 Prozent) und RWE (plus 22,8 Prozent bei der Stammaktie) sowie den Automobilzulieferer Continental (plus 31,5 Prozent) nennt er als Werte, die den Anlegern in den ersten sechs Monaten des Jahres Freude bereiteten. Und dieser Trend dürfte sich fortsetzen.<BR><BR>"Dieses Jahr werden konservative Titel stark. Das passt auch zu der Idee, dass sich dividendensichere Aktien gut entwickeln", prophezeit Jens Ehrhardt. Wenn schon der breite Markt keine großen Steigerungen erwarten lasse, sei es umso wichtiger, auf die Verzinsung in Form hoher Dividenden zu achten. Generell solle man auf eher defensive Titel setzen, empfiehlt der Vermögensverwalter. Dazu könnten neben den Versorgern etwa MAN, BASF und Thyssen-Krupp zählen. "Was momentan attraktiv ist, sind solide Erträge", meint auch Landesbanker Worel. Allgemein dürften die bei den Unternehmen wachsen, begünstigt durch eine stärkere Konjunktur. Das sollte sich auch durch eine Zinserhöhung nicht ändern.<BR><BR>Zwar werden Kredite in den USA durch steigende Zinsen teurer, was die Kosten bei Unternehmen erhöht. Aber das Potenzial zu größeren Gewinnen bei den Unternehmen sei immer noch gegeben, glaubt Worel. "Der Markt rechnet mit einer Erhöhung um 25 Basispunkte. Bei einem Schritt um 50 Basispunkte gibt es vielleicht einen gewissen Irritations-Rückgang der Börsenkurse. Aber wir erwarten eher einen positiven Trend." Die Bayerische Landesbank rechnet mit einem Stand des Dax am Jahresende bei 4300 Punkten - etwa im Mittel der Schätzungen deutscher Banken (siehe Kasten). Weniger optimistisch zeigt sich Jens Ehrhardt. "Im Juli und August ist eine kleine Sommer-Rallye möglich. Aber dann wird der übliche Herbstabschwung kommen. Wenn wir Pech haben, liegen wir nach dem zweiten Halbjahr im Dax sogar tiefer als jetzt."</P>

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