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Seit ihrer Gründung 1972 ist die Bayerische Landesbank (hier die Zentrale in München) vor allem an einem Ziel orientiert: Profit. So wollten es beide Eigentümer – Freistaat und Sparkassen – stets. Doch mit dem Wegfall der Staatsgarantien hat das Institut seine Geschäftsgrundlage verloren. Die neue Ausrichtung sieht unter anderem den Abbau tausender Arbeitsplätze vor.

125 Jahre BayernLB: Die Geschichte einer Staatsbank

Hätte sie nicht gerade andere Sorgen, könnte die Bayerische Landesbank Jubiläum feiern: Ihre Wurzeln reichen nun 125 Jahre zurück. Die Geschichte einer Staatsbank mit königlicher Vergangenheit und ungewisser Zukunft.

Seine Majestät unterzeichnete in riesigen Buchstaben, bogenreich geschwungen, aber denkbar kurz: „Ludwig“. So setzte Bayerns „Märchenkönig“ Ludwig II. am 21. April 1884 das „Gesetz, die Landeskultur-Rentenanstalt betreffend“ in Kraft. Und so beginnt die Geschichte der Bayerischen Landesbank, die heute ihren Platz in der Finanzwelt nach der historischen Wirtschaftskrise sucht – zwischen öffentlichem Auftrag und Gewinnstreben, zwischen regionaler Verankerung und globalem Geschäft, stets auch ein Spielball der Politik: hart umkämpft, manchmal getreten.

Die Landeskultur-Rentenanstalt sollte vor allem Bayerns Bauern nützen. Moore waren trockenzulegen, um Ackerfläche zu gewinnen. Wasseranschlüsse waren einzurichten, um die Lebensqualität der Menschen zu erhöhen. Die Anstalt ermöglichte dies mit staatlich subventionierten Krediten an ländliche Gemeinden und Kleinbauern – bis in die 1920er-Jahre. Dann lässt die „galoppierende Inflation“ in der Folge des Ersten Weltkriegs die Preise in absurde Höhen schießen.

Nur noch Geld für zwei Standard-Briefe

Im Oktober 1923 kann die Bank mit dem Ertrag sämtlicher Zins- und Tilgungszahlungen ihrer Schuldner gerade noch das Porto für zwei Standardbriefe bezahlen. An langfristige Kredite ist nicht mehr zu denken. Als die Weltwirtschaftskrise zu Beginn der 1930er-Jahre heraufzieht, muss die Landeskultur-Rentenanstalt grundlegend reformiert werden. Lange kann sie sich jedoch nicht erholen. Denn während der nationalsozialistischen Diktatur, die der Finanzierung der Aufrüstung alle anderen Ziele unterordnet, werden die Aktivitäten der Rentenanstalt praktisch eingestellt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, der in vielen Städten Trümmer hinterlässt, entwickelt sich die Finanzierung von Wohnraum zum Schwerpunkt der Bank, die dementsprechend in Bayerische Landesbodenkreditanstalt umfirmiert. Sie dehnt ihre Aktivitäten ab 1970 auf ganz Deutschland aus. In dieser Zeit findet eine Konzentrationsbewegung in der Bankenlandschaft statt. Viele Institute fusionieren, Größe wird wichtiger. Auch die Landesbodenkreditanstalt sieht sich nach einem Partner um – und wird bei der Bayerischen Gemeindebank fündig.

Diese war 1914 als Girozentrale von mehreren Sparkassen gegründet worden, um bargeldlosen Zahlungsverkehr (Giro-Scheckverkehr) einzuführen. Schnell entwickelte sie sich zu einem Spitzeninstitut der Sparkassen, das sich in der Finanzierung von Kommunen engagierte. Doch auch ihr Geschäft rentierte sich in der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg nicht mehr. Sie vergab deshalb verstärkt Kredite an Unternehmen. Diese boten höhere Zinsen – allerdings um den Preis höherer Risiken, wie sich insbesondere zeigte, als die Bank viel Geld, das sie dem Lehrer-Siemens-Konzern geliehen hatte, verlor. Nur mit Hilfe der Sparkassen und des Staates wurde sie gerettet. Obwohl sie sich zunächst als „NS-Musterbetrieb“ gerierte, landete sie während des Zweiten Weltkriegs im Abseits und erblühte erst in der Folgezeit. Die Gemeindebank stieg in das Geschäft mit Privatkunden ein und weitete ihren Aktionsradius nicht nur auf die ganze Bundesrepublik, sondern mit der Exportfinanzierung auch auf das Ausland aus.

Gemeinsam werden die staatlich kontrollierte Landesbodenkreditanstalt und die von den Sparkassen gesteuerte Gemeindebank 1972 zur Bayerischen Landesbank und einer festen Größe der heimischen Finanzwirtschaft. Die Landesbank ist damals das fünftgrößte Geldhaus Deutschlands – mit globaler Vision. London, New York, Paris, Tokio, Johannesburg – rund um den Erdball werden Zweigstellen eröffnet. Selbst vor dem Steuerparadies Grand Cayman Islands macht das Institut, das damals je zur Hälfte dem Freistaat und den Sparkassen gehört, nicht Halt.

Seit der Bildung der Landesbank sei das Gemeinwohl für die Strategie des Unternehmens nicht mehr nennenswert ins Gewicht gefallen, urteilen die Historiker Johannes Bähr, Axel Drecoll und Bernhard Gotto vom Institut für Zeitgeschichte München-Berlin, die die Vergangenheit der Bank in deren Auftrag untersucht und ein Buch darüber verfasst haben. Leitlinien seien stattdessen Wettbewerbsfähigkeit und Rendite gewesen. Die Sparkassen hätten in erster Linie ihr Interesse als Anteilseigner vertreten, der Staat ebenso – allerdings nicht ausschließlich. Die Hausbankfunktion der Landesbank dokumentiert der Milliardenkredit an die DDR, den der damalige Bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß 1983 einfädelt.

Dieser wird unter Federführung der Bayerischen Landesbank abgewickelt und in ihrer Vorstandsetage besiegelt. Doch der Einfluss der Politik geht weiter, wie die Historiker in ihrer Untersuchung feststellen: „Mehr als einmal intervenierten Minister und Spitzenbeamte aus den Ministerien zugunsten kriselnder bayerischer Unternehmen und nutzten die Hausbank des Freistaates als wirtschafts- und strukturpolitisches Korrektiv.“ Mal wird die Bank von der Politik in Abenteuer getrieben, mal trudelt sie von selbst hinein.

1981 wird der Skandal um die Firma Mega Petrol ruchbar. Das bayerische Unternehmen verspricht Anlegern Traumrenditen bis zu 25 Prozent mit der Suche nach Öl- und Gasquellen in Amerika. Rund 2000 Anleger investieren etwa 270 Millionen D-Mark – und verlieren viel. Im Wesentlichen handelt es sich bei Mega Petrol um ein Schneeballsystem, bei dem sich die Ausschüttungen an die Beteiligten aus den Einzahlungen neuer Anleger speisen. Zwischenfinanziert wird das System von der Bayerischen Landesbank, die Mega Petrol Millionenkredite gewährt. Zwar erklärt der damalige Bankchef Ludwig Huber, selbst getäuscht worden zu sein, doch nach jahrelangem Hickhack wird das Institut wegen Beihilfe zur sittenwidrigen Schädigung zu Schadensersatz verurteilt.

Auch nicht seriöser geht es bei der Deutschen Anlagen-Leasing zu. Der „Spiegel“ bezeichnet das Unternehmen 1985 als „die größte Geldvernichtungsanlage der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte“. Angetrieben wird diese nicht nur von einem windigen Unternehmer mit falschem Doktortitel, sondern auch von mehreren Landesbanken – darunter die bayerische –, die sich in das Unternehmen eingekauft hatten. Am Ende waren Milliarden in den Sand gesetzt.

Am Ende saß die Bank auf der Formel 1

Rund 800 Millionen D-Mark verliert die Landesbank 1997 in Singapur, wo sie dubiosen malaysischen Kreditnehmern aufsitzt. Und 2002 trifft der Zusammenbruch des Medienimperiums von Leo Kirch das Institut. Es handelt sich um die bis dahin größte Insolvenz eines Unternehmens in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die Bayerische Landesbank ist – getrieben von der Staatsregierung – Kirchs größter Gläubiger. Sie hat zwei Milliarden Euro an den Unternehmer verliehen. Als Pfand fällt ihr eine Beteiligung an der Autorennserie Formel 1 zu, die sie nur mühsam los wird.

Als die EU-Kommission 2001 durchsetzt, dass die Staatsgarantien für die Landesbanken bis 2005 fallen müssen, verliert das Institut sein Geschäftsmodell. Denn das beruhte auf der billigen Finanzierung, die die Rückendeckung durch den Staat ermöglichte. Angesichts dessen nutzt die Bank die Übergangszeit, um sich mit Kapital zu versorgen, das sie auch in strukturierte Wertpapiere investiert, also jene Finanzanlagen, die zum Auslöser der aktuellen Wirtschaftskrise wurden. Nur weil der Freistaat zehn Milliarden Euro in die Bank pumpte, existiert die BayernLB, wie sich das Institut seit 2005 nennt, noch – und das nun fast komplett als Staatsbank. Den Sparkassen gehören etwa fünf Prozent. Doch auf Dauer wird das nicht so bleiben.

Die EU-Kommission und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück drängen die Landesbanken zu Fusionen. Zwischen 2010 und 2015 wird es wohl zu einer radikalen Veränderung kommen. Zur Debatte steht unter anderem eine Südbank aus BayernLB, LBBW (Baden-Württemberg) und Teilen der WestLB (Nordrhein-Westfalen). „Niemand kann eine Prognose wagen, wie die Zukunft der BayernLB aussehen wird“, ließ Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon wissen, als er am Montagabend eine Ausstellung zur Geschichte des Instituts in dessen Zentrale eröffnete. Das 125. könnte das letzte Jubiläum der Bank gewesen sein.

Von Dominik Müller 

Buch und Ausstellung

Das Buch „Die Geschichte der BayernLB“ ist im Piper-Verlag erschienen (ISBN 978- 3-492-05325-9). Die Ausstellung ist bis 20. September täglich von 10 bis 18 Uhr in der BayernLB-Zentrale (Brienner Str. 20) kostenlos zugänglich.

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