10 Jahre Deutsche Bahn AG: Vom Ziel noch weit entfernt

- Berlin - Der Bahnchef beschwor den "Aufbruch in eine bessere Zukunft" und eine "neue Ära der Eisenbahn". Die Erwartungen waren gewaltig, als vor zehn Jahren die Weichen für eines der größten Sanierungsprojekte der Nachkriegszeit gestellt wurden. Am 1. Januar 1994 verschmolzen die Bundesbahn und die Reichsbahn der früheren DDR zur Bahn AG.

<P>Aus zwei Behörden wurde unter dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Heinz Dürr eine Aktiengesellschaft eingetragen ins Handelsregister Berlin unter der Nummer 50 000. Doch für das Ziel, ein ganz normales Unternehmen zu werden, muss sein heutiger Nachfolger Hartmut Mehdorn noch mit aller Macht kämpfen. "Die letzten Meter fallen wie beim 100-Meter-Lauf am schwersten", sagt Mehdorn.<BR><BR>Zum Jubiläum steht die Bahn vor der Bewährungsprobe. Im neuen Jahr soll der bundeseigene Verkehrskonzern endlich in schwarze Zahlen kommen. Nach dem Vorbild der früheren Staatsunternehmen Lufthansa, Post und Telekom will Mehdorn die Bahn an den Kapitalmarkt bringen - nicht zuletzt, um unabhängig vom politischen Gerangel zu werden.</P><P>Den Steuerzahlern 108 Milliarden gespart</P><P>Auf dem Weg zu diesem Ziel hat sich der Konzern in den vergangenen zehn Jahren gewandelt wie kaum ein anderes Unternehmen. "Die Bahn sieht sich heute wesentlich mehr als marktorientiertes Gebilde", attestiert Gerd Aberle, Professor für Transportmanagement an der Universität Gießen. Doch der Umbau der alten "Behördenbahn" ist noch immer ein beispielloser Kraftakt.<BR><BR>Nachdem Investitionen in die Schiene jahrzehntelang zu Gunsten der Straße vernachlässigt worden waren, flossen seit der Reform 70 Milliarden Euro in die Erneuerung maroder Gleise und Stellwerke, für neue Strecken, ICEs, Regionalzüge und die Renovierung von Bahnhöfen, wofür Mehdorn neue Schulden in Kauf nahm.<BR><BR>Die Zahl der Beschäftigten wurde um etwa 120 000 reduziert, um Kosten zu senken. Insgesamt seien dem Steuerzahler 108 Milliarden Euro erspart geblieben, die ohne Reform angefallen wären, rechnet der Bahnchef gern.<BR><BR>Um den Kollaps zu verhindern, befreite der Bund die neue AG zugleich von 33,3 Milliarden Euro Schulden. Die Versorgungsansprüche der Beamten übernahm ein neues Amt, das Bundeseisenbahnvermögen. Doch die alte Struktur aus aufgeblähter Zentrale und machtbewussten regionalen Direktionen wurde aufgelöst. An ihre Stelle trat eine Holding über den Geschäftsfeldern Personenverkehr, Fracht, Bahnhöfe, und Fahrweg. Ein fünfter Bereich vereint inzwischen Dienstleistungen.</P><P>Fahrräder mit dem Logo der Bahn AG</P><P>Mit dem Kauf des Logistikers Stinnes, der rund 44 000 der derzeit 246 000 Bahner beschäftigt, ist der Konzern auch im Frachtgeschäft auf der Straße, zur See und in der Luft tätig. In Großstädten prangt das DB-Logo auf Leihwagen und -fahrrädern.<BR>Im Stammgeschäft hat die Bahn seit der Reform Konkurrenz bekommen - vor allem im Nahverkehr, den die Länder bei den Verkehrsunternehmen bestellen.<BR><BR>"Dieser Wettbewerb macht der Bahn Dampf und ist entscheidender als der mit dem Lastwagen", sagt Aberle. Problematisch bleibe aber, dass die Gleise eng an den Bahnkonzern gebunden seien.<BR><BR>Mehdorns Vertrag wurde inzwischen bis 2008 ins dann 14. Jahr der Bahnreform verlängert - womöglich gerade lang genug für den ersten Handelstag der Bahn-Aktie an der Börse.</P>

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