80 Jahre Lufthansa: Mit Nebelleuchte nach Königsberg

- Hamburg - "Der Genuss berauschender Getränke oder irgendwelcher Rauschgifte vor dem Fluge und während des Fluges sowie das Rauchen im Führersitz ist streng verboten. Auf Streckenflügen ist das Abweichen vom Kurs, etwa um landschaftlich schöne Punkte den Fluggästen zu zeigen, oder das Umkurven solcher Punkte verboten. Kurven dürfen nicht zu eng geflogen werden, weil der Kompass sonst entweder nicht genügend rasch der Drehung des Flugzeuges folgt oder sogar entgegengesetzt dreht." So stand es in einer Dienstanweisung an die Flugzeugführer in den Gründerjahren der Deutschen Luft Hansa, wie sie sich bis 1933 schrieb. Am 6. Januar wird die Deutsche Lufthansa 80 Jahre alt.

Als von rund 30 miteinander konkurrierenden Luftfahrtunternehmen der Jahre nach dem Ersten Weltkrieg nur die Deutsche Aero Lloyd AG und die Junkers Luftverkehr AG überlebt hatten, das Geld knapp war und die Reichsregierung des ruinösen Wettbewerbs und der unsinnigen Zersplitterung leid war, wurde schließlich nach monatelangen Verhandlungen am 6. Januar 1926 die Deutsche Luft Hansa AG gegründet. Weil Aero Lloyd - ihre Tochter war Aero Hansa gewesen - wirkungsvoll mit dem Kranich als Symbol geworben hatte, blieb der Vogel bis heute das Wappentier. Heimatflughafen wurde zunächst Berlin-Tempelhof.

Schon im April 1926 flogen die Lufthanseaten mit 162 Flugzeugen 57 Ziele im Inland und 15 im Ausland an. Im Gründungsjahr wurden 56 268 Passagiere befördert. Zum Vergleich: Allein im November 2005 zählte die Fluglinie 4,1 Millionen Passagiere. Schon damals wurde nach Venedig, Wien, Oslo, London und Rom geflogen, aber auch nach Breslau, Erfurt, Halle, Stettin, Königsberg, Essen und Freiburg. Ziele, von denen manche längst aus dem Lufthansa-Flugplan verschwunden sind.

Ihre erste Pionierleistung vollbrachten deutsche Piloten nur wenige Monate nach der Gründung des Unternehmens, dessen Name an alte hanseatische Handelstraditionen erinnern sollte. Am 1. Mai 1926 wurde die erste Nachtflugstrecke der Welt mit Passagierbeförderung eröffnet. Gemeinsam mit der Deruluft, einer deutsch-russischen Gesellschaft, wurde die Strecke Berlin-Danzig-Königsberg-Moskau beflogen. Die Strecke von Berlin ins heutige Kaliningrad (Königsberg) wurde für den Nachtflugverkehr mit Lichtsignalen versehen. Alle 30 bis 35 Kilometer glühten orangefarbene Leuchten als "Nebelfeuer". Fliegen war vor acht Jahrzehnten noch ein handfestes Abenteuer.

Bereits 1932 waren dann Instrumentenflüge mit Funkpeilung ohne Sicht möglich, auch wenn das Verfahren noch recht einfach war. 1929 sorgte übrigens erstmals ein Steward für das Wohlbefinden der Passagiere.

Die Piloten, die dem Luftverkehr neue Horizonte gaben, waren Männer wie Johannes Rathje und Wulf-Diether Graf zu Castell, die im Auftrage der Luft Hansa mit Junkers W 33 quer durch China flogen und zu den Pionieren der berühmt gewordenen Eurasia (Europäisch-Asiatische Luftpost-Aktiengesellschaft) gehörten; notfalls wurde auch mal der Treibstoff mit 2000 Kamelen zu Landeplätzen in der Wüste Gobi gebracht. Oder der ehemalige Postflieger Hermann Köhl, der gemeinsam mit dem Iren James Fitzmaurice und Ehrenfried Günther Freiherr von Hünefeld 1928 mit der Ju W 33 "Bremen" als Erster den Nordatlantik in Ost-West-Richtung überquerte; Carl August Freiherr von Gablenz, der 1937 als Erster den Pamir überflog und zu einem Wegbereiter des interkontinentalen Flugverkehrs wurde.

Es war die Sturm-und-Drang-Zeit der Lufthansa, die zwar zu den älteren, aber nicht zu den ältesten Fluggesellschaften gehört. Europas älteste noch heute existierende Fluggesellschaft ist die schon am 7. Oktober 1919 gegründete niederländische KLM, die heute mit Air France verbandelt ist.

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