Mit 52 Jahren: Bill Gates geht stiften

München - Das Computergenie, der Sonderling und reichste Mann der Welt: Bill Gates ist einer der prominentesten Unternehmer unserer Zeit und hat den Alltag von Millionen Menschen verändert. Am Freitag zieht er sich endgültig beim Softwaregiganten Microsoft zurück. Ein Rückblick.

Keine Führungspersönlichkeit der IT-Branche hat so früh daran geglaubt wie Bill Gates, dass Computer einmal ganz selbstverständlich von jedermann genutzt werden können. Anfang der 70er-Jahre hatten nur Fachleute in Universitäten, Großunternehmen und beim Militär Zugriff auf die großen Rechenmaschinen. Die Wende kündigte sich an, als 1974 das Magazin "Popuplar Electronics" mit dem Mikrocomputer "Altair 8800" auf dem Titel erschien. Bill Gates und sein Studienfreund Paul Allen waren wie elektrisiert: "Erregt lasen wir von dem ersten echten Personal Computer", schrieb Gates später einmal. "Obwohl wir keine genaue Vorstellung davon hatten, wozu er zu gebrauchen wäre, war uns schon bald klar, dass er uns und die Welt verändern würde."

Gates brach sein Harvard-Studium ab, um mit Allen Microsoft aufzubauen. Eher zufällig erhielt er 1980 den Großauftrag, ein Betriebssystem für den ersten PC von IBM zu liefern - ein System, das er zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht besaß. Gates löste die Situation, indem er von der klammen Firma Seattle Computers Products (SCP) für 50 000 Dollar die Rechte an einem System mit dem Namen "Qdos" kaufte, um IBM zu bedienen. Er benannte das System in MS DOS um und entwickelte es weiter.

Mitte der 80er musste Microsoft nach einem Rechtsstreit eine Million Dollar an SCP bezahlen, da Microsoft den Namen des Großkunden IBM verschwiegen und sich damit das Qdos-System erschlichen habe. Auch später sah Gates sich immer wieder dem Vorwurf ausgesetzt, Innovationen nicht selbst entwickelt, sondern abgekupfert zu haben.

Mit DOS legte Gates den Grundstein für den Erfolg von Microsoft. In den folgenden Jahrzehnten wuchs das Unternehmen mit dem DOS-Nachfolger "Windows" und der Bürosoftware "Office" zu einem übergroßen Software-Imperium. Noch heute erwirtschaftet Microsoft seinen Gewinn fast ausschließlich mit "Office" und "Windows", auch wenn die Produktpalette des Konzerns mittlerweile von Großrechnersystemen bis hin zu Spielekonsolen reicht.

Obwohl Gates stets bereit war, den Erfolg von Microsoft mit Partnern zu teilen, schreckte er nicht davor zurück, die Marktmacht seines Unternehmens brutal einzusetzen. Als Microsoft Anfang der 90er die Bedeutung des Internets verschlafen hatte, zettelte Gates den "Browser-Krieg" gegen Netscape an.

Später wurden massive wettbewerbsrechtliche Vorwürfe gegen das Unternehmen laut. Kurz nach der Jahrtausendwende entging Microsoft nur knapp der Zerschlagung. Gates tat sich in dieser Phase schwer, die Rolle des Konzernführers auszufüllen. Kurz darauf zog er sich als Konzernlenker zurück, um sich auf die Rolle des "Chief Software Architects" zu fokussieren. Jetzt zieht sich der 52-Jährige komplett zurück.

Die Querelen beeinträchtigten aber insbesondere in den USA die öffentliche Wertschätzung für Gates Lebensleistung kaum: Das liegt auch daran, dass viele hunderttausend Aktionäre vom Aufstieg der Gates-Firma profitierten: Wer beim Börsengang am 13. März 1986 hundert Microsoft-Aktien für insgesamt 2800 Dollar gekauft und sie bis heute behalten hätte, besäße nach den verschiedenen Aktiensplitts inzwischen 28 800 Microsoft-Aktien im Gesamtwert von knapp 830 000 Dollar.

Bill Gates wurde vom Wirtschaftsmagazin "Forbes" zwischen 1996 und 2007 dreizehn Mal als reichster Mann der Welt gelistet. In diesem Jahr rutschte er mit einem geschätzten Vermögen von 58 Milliarden Dollar auf Platz drei ab. In den kommenden Jahrzehnten will Gates ein Großteil seines Vermögens in die "Bill & Melinda Gates Foundation" überführen. Damit würde er nicht nur als Pionier der Software-Industrie in die Geschichte eingehen, sondern als einer der größten wohltätigen Stifter.

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