278 Jahres-Löhne für einen Chef: "Ethisch nicht begründbar"

- München - Ein durchschnittlicher deutscher Arbeitnehmer muss zwischen 193 und 278 Jahre arbeiten, um das Geld zu verdienen, das Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp - je nach Schätzung - im vergangenen Jahr kassiert hat. Als "ethisch nicht begründbar" kritisiert der ehemalige Daimler-Benz-Chef Edzard Reuter solche Größenordnungen. Nicht nur er fordert eine Grenze für Vorstandsbezüge oder Abzüge bei Misserfolg der Manager. Viele Unternehmen verweisen stattdessen auf erfolgsabhängige Gehaltskomponenten.

<P>Das Verhalten der Manager müsse auf eine vernünftige Ebene zurückgeführt werden, forderte Reuter. Wenn es nicht über eine Selbstverpflichtung der Unternehmenslenker funktioniere, müsse "der Gesetzgeber irgendwann eingreifen, indem er Höchstgrenzen festlegt". Münchens Alt-Oberbürgermeister und ehemaliger SPD-Vorsitzender Hans-Jochen Vogel plädierte ebenfalls für ein Gehaltslimit. Vorstände sollten nicht mehr als das 100fache eines Facharbeiters verdienen. Derzeit würde in Chefetagen bis zu 370 Mal so viel kassiert wie an Werkbänken. Das sei maßlos, sagte er der "Berliner Zeitung".<BR><BR>Für eine gesetzliche Regelung sieht Bundesjustizministerin Brigitte Zypries keine Handhabe. Ein staatlich verordneter Höchstlohn sei verfassungsrechtlich nicht denkbar. Allerdings erneuerte sie ihre Forderung, dass die Bezüge von Vorständen einzeln ausgewiesen werden sollen. Das empfiehlt zwar der "Corporate Governance Kodex" für verantwortungsvolle Unternehmensführung. Nicht einmal ein Drittel der 30 Gesellschaften im Deutschen Aktienindex hält sich aber daran. Immerhin nehmen einige Unternehmen ihre Führungsebene bei Gehaltskürzungen nicht aus.<BR><BR>Bei Siemens etwa wurden die Vorstandsbezüge zu Jahresbeginn um zehn Prozent gekappt. VW will 30 Prozent der Personalkosten sparen, Abstriche bei Managern inklusive. Bei der Gewerkschaft Verdi verzichtet die Spitzenebene auf zehn Prozent Gehalt - allerdings haben sich die Gewerkschaftsführer ihre Bezüge erst 2001 um 60 Prozent aufgestockt. Verdi-Chef Bsirske etwa kommt nun auf 11 700 Euro im Monat.<BR><BR>Gehaltsreduzierungen für die Chefs lehnen die meisten Unternehmen ab. Bei der Allianz seien die Managergehälter schon über variable Bestandteile vom Erfolg des Unternehmens abhängig, erklärt eine Sprecherin. Auch die HypoVereinsbank setzt nach Angabe eines Sprechers auf ein "flexibles Gehaltssystem, das erfolgsabhängig ist". So wirkten sich niedrigere Bonuszahlungen seit ein bis zwei Jahren nicht nur auf Tarifangestellte, sondern auch auf die Führungsebene aus. Bei MAN betrug der variable Anteil der Vorstandsbezüge im vergangenen Jahr etwa ein Drittel, sagte ein Sprecher. In Konzernteilen mit schlechten Ergebnissen - etwa bei MAN Roland - hätte es Nullrunden für die Chefs gegeben. So wären dort über einen Zeitraum von zwei Jahren etwa zehn Prozent weniger in der Führungsebene bezahlt worden.<BR><BR>Bei BMW kann man die Diskussion gelassen verfolgen. Das Unternehmen macht Gewinn und stellt Mitarbeiter ein. Sie partizipieren über eine Bonuszahlung am Erfolg. Die Vorstände erhalten variable Gehaltsanteile, die sich nach der Höhe des Unternehmensgewinns und der Dividende richten. Trotz aller Erfolge sind die Vorstandsbezüge bei BMW aber nach oben begrenzt.<BR><BR></P>

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