Wie Jahrzehnte in einem Beruf die Generationen trennen

- Stefan Schmidt nutzt zwar den schweren antiken Schreibtisch seines Vaters für Konferenzen und hat auch dessen Job als alleiniger geschäftsführender Gesellschafter der Max Schmidt Gebäudedienstleistung GmbH (früher Max Gramling Gebäudereinigung GmbH) in dritter Generation übernommen. Doch wie die beideMünchen n ihren Beruf ausüb(t)en, da trennen sie Welten. "Mein Vater hat nur drei bis vier Stunden am Tag gearbeitet", sagt Schmidt. Er hatte zwei wichtige Mitarbeiter, an die er fast alles delegierte.

Der Nachwuchs kommt zum Kuchenessen

Das kann sich der Junior, der das Ruder 1991 übernahm und heute für 1400 Mitarbeiter (80 Prozent auf 400-Euro-Basis) verantwortlich ist, nicht mehr erlauben. In den vergangenen 14 Jahren hat sich mehr verändert als in den 85 Jahren zuvor. Auch wenn ihm klar war, dass er sich seine Brötchen würde härter verdienen müssen als sein Vater, stand für ihn immer fest, dass er den Familienbetrieb, den sein Urgroßvater Max Gramling 1909 gründete und direkt an den Sohn seiner Tochter weiterreichte, übernehmen würde. Seinen Beruf hat Schmidt von der Pieke auf gelernt. "Es gab nie eine Zeit in meinem Leben, in der ich gedacht hätte, dass ich die Firma nicht weiterführe." Er habe das Unternehmen schließlich nie als Belastung empfunden.

Zwar hat Schmidt Junior nicht mehr so viele Ferien wie das früher üblich war, dafür hat er aber schon viel bewegt: So hat er in den vergangenen Jahren den Wandel vom Gebäudereiniger zum Gebäudedienstleister vollzogen, es sind Bereiche wie Sicherheit, Hausmeisterservice und Gebäudemanagement dazugekommen. Weil Unternehmen derartige Tätigkeiten nach außen vergeben, boomt dieser von starker Konkurrenz geprägte Wirtschaftszweig. Die Firma mit Hauptsitz in München und Niederlassungen in Augsburg, Kempten - und seit kurzem auch Rosenheim - wächst jährlich, was Umsatz (17 Millionen 2004, 70 Prozent davon Reinigung) und Beschäftigung angeht und arbeitet für Adressen wie BMW und die Deutsche Telekom.

Der 40-Jährige ist aufgeschlossen, neue Wege zu gehen, auch im Interesse seiner Mitarbeiter. So entwickelte der ehemalige Golf-Nationalspieler beispielsweise die Idee, aktive Gesundheitsvorsorge im Betrieb zu betreiben. Sein erster Schritt war bei einigen Angestellten eher unpopulär: Ein Rauchverbot in den Bürogebäuden in München und Augsburg. Im Gegenzug machte er den Betroffenen ein Angebot: Er übernahm die Kosten für ein Nichtraucherseminar im Wert von 350 Euro, lediglich einen Urlaubstag mussten Interessierte opfern.

Die Vorteile eines Familienunternehmens liegen für ihn auf der Hand: "Ich bin persönlich sicherlich mehr engagiert als ein angestellter Manager. Wenn es Probleme bei einem Kunden gibt, erkundige ich mich. Und wenn ich eine Kündigung aussprechen muss, mache ich mir Gedanken, ob der Betroffene Kinder hat oder gerade ein Haus baut. Die Vollzeitbeschäftigten kenne ich ja persönlich."

Seine eigenen Kinder sind mit einem und drei Jahren zwar noch zu klein, um sich für das Geschäft zu interessieren, aber dass sie da nicht mit reinwachsen, ist schwer vorstellbar. Alle zwei Wochen schaut nämlich seine Frau mit den Kindern vorbei, dann wird Kuchen gegessen. Prinzipiell würde er sich zwar wünschen, dass der Nachwuchs einsteigt, "aber wer weiß, was bis dahin ist". Der Druck in der Branche sei so groß, vielleicht müsse man verkaufen oder fusionieren. "Oder ich brauche die Firma als Altersvorsorge für meinen Lebensabend."

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