Jan Böhmermann: Der Satiriker hat Wirecard und den flüchtigen Vorstand Jan Marsalek aufs Korn genommen, „von Jan zu Jan“.
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Jan Böhmermann: Der Satiriker hat Wirecard und den flüchtigen Vorstand Jan Marsalek aufs Korn genommen, „von Jan zu Jan“.

„Von Jan zu Jan“

„Eier aus Stahl“: Böhmermann zieht hemmungslos über Wirecard und flüchtigen Vorstand her – Website bricht zusammen

  • Thomas Schmidtutz
    vonThomas Schmidtutz
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Der Satiriker Jan Böhmermann sorgt in seiner neuen Sendung ZDF Magazin Royale erneut für Aufsehen. Nach VW nimmt er sich diesmal Wirecard vor - und eine Behörde, die den Skandal verschlafen hat.

München - Der Freitagabend im ZDF wird zur führenden deutschen Satire-Bastion. Erst sorgt Oli Welke in der heute Show für Lacher, dann dreht Jan Böhmermann im ZDF Magazin Royale auf. Am Freitag knöpfte sich der Beinhart-Satiriker den insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard vor.

18 Minuten lang raste Böhmermann durch die unfassbaren Details des „wahnsinnigsten Wirtschaftskrimis des Jahrhunderts“. Im Mittelpunkt: Der flüchtige Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek – „ein Mann mit Eiern aus Stahl“. Der Österreicher habe nicht einfach irgendwelche Deals mit Kriminellen weltweit eingetütet oder Geld gewaschen, sondern Milliarden erfunden und „die deutsche Bankenkriminalität auf ein ganz neues Level gebracht“.   

Erst eine Woche zuvor hatte Böhmermann VW ins Visier genommen und dem Autobauer in einem viel beachteten Beitrag ordentlich eingeheizt. Im Parforce-Ritt ging es von der Gründungsgeschichte des Stammwerks in Wolfsburg in der Zeit des Nationalsozialismus über eine legendäre Pressekonferenz des ehemaligen VW-Chefs Ferdinand Piech („Immer wenn es um Krieg geht, gibt es Gewinner und Verlierer. Und ich habe die Absicht, mit unseren Partnern der Sieger zu sein“) bis zum umstrittenen VW-Werk in Xingjiang in China. Im Umkreis von 25 Kilometern um den Standort soll es 25 Gefängnisse und Arbeitslager zur Umerziehung der uigurischen Minderheit geben.

Wirecard: Jan Böhmermann grätscht Bafin ab

Am Freitag war Wirecard fällig. Neben den Wirtschaftsprüfern von EY, die jahrelang brav alle Jahresabschlüsse abnickten, bekamen auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) und Behördenchef Felix Hufeld („trägt hauptberuflich alte Krawatten von Jan Marsalek auf“) ihr Fett weg. Statt Wirecard zu beaufsichtigen, hätten die Bafin-Mitarbeiter „lieber mit Wirecard-Aktien spekuliert, um selber Cash zu machen“, witzelte Böhmermann.

Und als die renommierte britische Finanzzeitung Financial Times auf zahllose Merkwürdigkeiten bei Wirecard hingewiesen hatte, habe die Bafin lieber den FT-Journalisten angezeigt, statt sich um die Vorwürfe zu kümmern. Auch dass sich der frühere CSU-Minister Karl-Theodor zu Guttenberg und Bundeskanzlerin Angela Merkel für Wirecard eingesetzt haben, erwähnte Böhmermann genüsslich.

Wirecard: Böhmermann-Webseite bricht zusammen

In den sozialen Netzwerken sorgte die Sendung über den Zahlungsdienstleister aus Aschheim bei München erneut für Aufsehen. Alleine auf Youtube wurde die Sendung bis Montagmittag (30. November) knapp 500.000 Mal aufgerufen. „Der blasse, dünne Junge rasiert mal wieder komplett durch“, schrieb ein User auf dem Videoportal. „Klasse! Genial! Das müssen alle sehen“, andere. „Mann Böhmi, was wäre die deutsche Medienlandschaft ohne Dich?“.  

Auch eine eigens eingerichtete Webseite (www.janmarsalek007.cash) ging am Freitagabend direkt in die Knie. Dort veröffentliche Böhmermann gemeinsam mit dem Handelsblatt eine geheime Liste von Unternehmen und Freunden, mit denen Marsalek Geld von Wirecard-Konten beiseitegeschafft haben soll.

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