Japaner wollen Epcos kaufen

München - Epcos beendet den langen Marsch nach Asien mit letzter Konsequenz und lässt sich von Japans TDK kaufen. Neuen Stellenabbau hierzulande soll das nicht auslösen.

Die frühere Siemens-Tochter Epcos kommt an das Ende ihres Weges als eigenständiges Unternehmen. Der Münchner Bauelementehersteller, der seit Jahren Geschäft nach Asien verlagert, will sich vom japanischen Elektronikkonzern TDK für 1,2 Milliarden Euro übernehmen lassen, kündigten Epcos-Chef Gerhard Pegam und TDK-Boss Takehiro Kamigama gemeinsam in Tokio an.

TDK bietet 17,85 Euro je Epcos-Aktie und will gut die Hälfte davon einsammeln. Die Epcos-Aktie stieg daraufhin gestern um fast 30 Prozent auf eben dieses Niveau. Die Gefahr von Stellenabbau sei gegenüber anderen Übernahmen "auf ein Minimum verringert", da es kaum Überlappungen gebe, beruhigte Pegam das eigene Personal. Bei Forschung und Entwicklung sowie dem Einkauf sehen TDK und Epcos allerdings "erhebliche Synergieeffekte". Für die Deutschen arbeiten global 18 300 Beschäftigte, ein Zehntel davon hierzulande. Wichtigster deutscher Standort ist München mit rund 1500 Beschäftigten.

Epcos drängt wie die gesamte Mikroelektronik seit langem stetig in asiatische Billiglohnstandorte. Vorigen November hat Pegam klargestellt, dass in den nächsten Jahren erneut einige hundert Stellen nach Asien verlagert würden.

Die Vereinbarung, die er und Kamigama nun unterzeichnet haben, sieht die Bildung eines neuen Bauelementeriesen namens TDK EP Components KK vor. TDK macht mit elektronischen Bauteilen zwei Milliarden Euro Umsatz und will dieses Geschäft demnächst ausgliedern. Der TDK-Gesamtkonzern setzt mit 60 000 Beschäftigten rund 5,4 Milliarden Euro um. Epcos kommt auf rund 1,5 Milliarden Euro Erlös.

Auch in der künftigen Geschäftsführung von TDK EP sollen die Japaner mit drei Managern gegenüber zwei Deutschen dominieren. Letztere haben ein Veto gegen "wesentliche Veränderungen innerhalb von Epcos", heißt es. Alle Zentralen und Geschäftsbereiche von Epcos blieben wie auch die beiden Marken TDK und Epcos erhalten. Das neue Unternehmen soll zwar aus zwei Zentralen in Tokio und München geführt werden, erklärte ein Epcos-Sprecher. Offizieller Sitz wird allerdings die japanische Hauptstadt.

Auf welche Zeit diese Konstruktion und damit die Vetorechte zum Schutz von Epcos-Standorten befristet sind, wollten beide Partner nicht verraten. Man schließe sich im Geiste einer gleichberechtigten Partnerschaft zusammen, versicherte Kamigama. Die japanische Dominanz bei allen Eckpunkten des neuen Konzerns spricht allerdings eine andere Sprache.

"Durch den Zusammenschluss wird eines der weltweit führenden Unternehmen auf dem Gebiet elektronischer Bauelemente entstehen", warb Pegam für die Übernahme seines Unternehmens. Er hatte jahrelang einen Partner in Asien gesucht. Geschäftlich ergänzen sich beide Konzerne ideal, bestätigen auch Branchenkenner. Während Epcos in Europa stark ist sowie in der Kfz- und Industrieelektronik, dominieren die Japaner in den Epcos bislang vielfach verschlossenen Boommärkten Asiens sowie bei Konsumelektronik. Vereinigt kommt das Duo dem weltweiten Branchenführer in der Bauelementeindustrie Murata aus Japan sehr nahe und peilt auf Sicht gemeinsam 3,8 bis 4,4 Milliarden Euro Umsatz an.

Finanziell bedeutet das Barangebot von TDK an die Epcos-Aktionäre einen Aufschlag von gut der Hälfte auf den Durchschnittskurs der letzten drei Monate. Inklusive Schulden und Penisonsverpflichtungen von Epcos hat die Offerte einen Wert von 1,4 Milliarden Euro. Aufsichtsrat und Vorstand von Epcos unterstützen die Offerte einmütig. "TDK ist für uns ein ausgezeichneter Partner", betonte Epcos-Aufsichtsratschef Klaus Ziegler.

Unabhängig vom Umfang der Epcos-Aktien, der TDK zufließt, bleibe der Münchner Konzern börsennotiert, ergänzte ein Sprecher. TDK geht davon aus, dass die Transaktion bis Oktober abgeschlossen ist. Bis das neue Unternehmen tatsächlich den Betrieb aufnimmt, dürfte aber noch etwa ein Jahr vergehen.

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