Jeder darf ausbilden: Lehrstellen-Plan droht ins Leere zu laufen

- München - Die jüngste Ausbildungsoffensive der Bundesregierung dürfte in Bayern ins Leere laufen. Die Handwerkskammer für München und Oberbayern spricht von einem "Schlag ins Wasser". Der gestrige Kabinettsbeschluss, Betrieben ohne langwierige Eignungstests das Ausbilden zu erlauben, werde im Freistaat kaum neue Lehrstellen schaffen. Auch die Industrie- und Handelskammer ist skeptisch.

<P>Angesichts 160 000 fehlender Lehrstellen beschloss das Kabinett, die Ausbilder-Eignungsverordnung ab 1. August für fünf Jahre auszusetzen. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn verspricht sich davon 20 000 neue Ausbildungsplätze.<BR><BR>Betriebe müssen ihre Fähigkeit, Jugendliche auszubilden, demnach nicht mehr durch die bis zu 800 Euro teuren Prüfungen und Teilnahmen an berufspädagogischen Lehrgängen nachweisen. Es genügt, wenn die Kammer die Eignung bestätigt. Bisher bildet nicht einmal jeder dritte Betrieb aus. "Wer zum neuen Lehrjahr Lehrlinge einstellen will, kann das tun", wirbt nun die SPD-Ministerin.<BR><BR>Viel ändert das für Betriebe in ganz Bayern nicht. Hier haben die Kammern schon bisher großzügig Ausnahmegenehmigungen erteilt. 800 waren es im Jahr 2002 allein in Oberbayern (18 000 deutschlandweit), berichtet der zuständige IHK-Abteilungsleiter Josef Amann: "Das wird überhaupt keinen Effekt haben." Schon bisher sei durch die Ausbilder-Eignungsverordnung keine einzige Lehrstelle verhindert worden. Nützt nichts, schadet nichts: Auch mittelfristig werde die Qualität der Ausbildung in Bayern darunter nicht leiden.<BR><BR>"Eine Fünf in der Theorie, eine Vier in der Praxis - und der wird dann auf die Lehrlinge losgelassen."<BR>Ludwig Stock, Handwerkskammer</P><P>Anders sieht das die Handwerkskammer. "Die Qualifikation wird zugunsten der Masse abgeschrieben", ärgert sich Abteilungsleiter Ludwig Stock. Noch sei das Handwerk nicht stark tangiert - Meister dürfen ohnehin ausbilden. Wird aber auch die Meisterpflicht gelockert, dürfte bald fast jeder Geselle Lehrlinge schulen.<BR><BR>Bulmahn hofft dennoch auf neue Stellen - bisher auf freiwilliger Basis. An einer Zwangsabgabe für Betriebe ohne Lehrling, im Gespräch waren zuletzt 5000 Euro, werde derzeit nicht gearbeitet, sagte die SPD-Ministerin.</P>

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