Jeder dritte Fernzug ist unpünktlich

München - Im Fernverkehr der Deutschen Bahn ist nach einer Studie der Stiftung Warentest mehr als jeder dritte Zug unpünktlich. Auch auf jeder vierten Regionalstrecke kommt der Fahrgast zu spät ans Ziel. Die Bahn nennt die Zahlen "irreführend".

Wie zuverlässig ihr Zug jeden Morgen ist, wissen Millionen Berufspendler schon aus eigener Erfahrung. Zum Ärger von Fahrgastvertretern hält sich die Bahn aber mit Informationen zur generellen Pünktlichkeit ihrer täglich mehr als 27 000 Verbindungen auf dem 34 000 Kilometer langen Netz ziemlich zurück. Neun von zehn Personenzügen seien pünktlich, lautet die offizielle Auskunft des Konzerns. Doch darin sind die stets verlässlichen S-Bahnen ebenso enthalten wie eher verspätungsanfällige Eurocitys. Jetzt hat die Stiftung Warentest 94 000 Züge detailliert überprüft. Die Bahn spricht jedoch von einer Stichprobe, die "nicht repräsentativ" sei, und nannte die Zahlen "irreführend".

Das Fazit der Tester: Gut ein Drittel der Fernzüge und knapp ein Viertel der Regionalzüge waren verspätet.

Das Ausmaß der Verspätungen im Fernverkehr sei besorgniserregend, lautete das Urteil der Tester. Jeder siebte Zug sei sogar mehr als zehn Minuten über Fahrplan gewesen, bei Verspätungen habe dann jeder vierte Zug nicht mehr erreicht werden können.

Für die gestern veröffentlichte Analyse hatte die Stiftung im Herbst Ankunftszeiten an zehn großen Bahnhöfen zwischen Hamburg und München untersucht - und zwar über die bahneigene Informationsseite im Internet. Ihre Beobachtung: Die meisten Züge starten morgens pünktlich in den Tag, im abendlichen Berufsverkehr nimmt das Verspätungsrisiko aber mehr und mehr zu. Dies gelte auch an Freitagen und Sonntagen, wenn viele Züge mit Wochenendpendlern besonders voll besetzt sind.

Dabei machen Verspätungen den Fahrgästen unterschiedlich stark zu schaffen. Auf einer mehrstündigen ICE-Reise quer durch die Republik können einige Minuten über Plan nicht weiter schlimm oder richtig ärgerlich sein - wenn der benötigte Anschlusszug beim Umsteigen schon abgefahren ist. Die Tester stuften Züge schon als unpünktlich ein, wenn sie vier Minuten oder mehr über Plan waren. Die Bahn selbst setzt die Schwelle bei fünf Minuten an, während Flugzeuge erst von 15 Minuten aufwärts als zu spät gelten. Autofahrer stünden ebenfalls oft im Stau, sagt Heidi Tischmann, Bahnexpertin des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). "Das nimmt dann jeder auf seine Kappe."

Dass Zugfahrer besser als früher über Störungen informiert werden, beobachtete indes auch die Stiftung Warentest. Bei Testeinsätzen auf Bahnsteigen hätten sich Servicekräfte um die Kunden bemüht, dazu habe es meist Lautsprecherdurchsagen und Informationen auf Anzeigetafeln gegeben. Für mehr Pünktlichkeit könne die Zugabfertigung aber noch beschleunigt werden, sagt der Vorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann. Teils mache sich negativ bemerkbar, dass Schaffner dies miterledigen müssten, weil kein Stationspersonal zur Stelle sei.

Die Bahn selbst verweist auf zahlreiche Dauerbaustellen und merkt an, dass die Zahl der Abschnitte, an denen Züge wegen Schäden am Gleis nur langsam vorankommen, bis Ende vergangenen Jahres schon "deutlich reduziert" worden sei, sagt der Chef der Bahn-Netztochter, Volker Kefer. Das groß angelegte Sanierungsprogramm werde auch in diesem Jahr fortgesetzt.

Als vertrauensbildende Maßnahme empfehlen Fahrgastvertreter dem Konzern angesichts der Studie, der Geheimniskrämerei in puncto Verspätungen ein Ende zu setzen. Die Bahn solle offener mit ihren eigenen Zahlen umgehen, meint VCD-Expertin Tischmann. "Dann wären solche Tests gar nicht notwendig."

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