Jeder dritte Ort in Oberbayern ist mit DSL noch unterversorgt

- München -­ Über 92 Prozent Netzabdeckung mit DSL meldet die Telekom. Nur acht Prozent der Haushalte ohne schnelles Internet? Die enorme Resonanz auf unsere Berichte zu DSL-Lücken in Oberbayern zeigt, dass die offizielle Zahl der Wirklichkeit nicht gerecht wird. Ein völlig anderes Bild vermittelt jetzt auch eine Umfrage des Bundes der Selbständigen für unsere Zeitung: In jedem dritten Ort gibt es Probleme.

Während die Zahlen der Telekom nur den Anteil der versorgten Haushalte ausdrücken, ist diese Umfrage flächenbezogen. Sie spiegelt damit die dramatische Unterversorgung weiter Flächen in ländlichen Regionen viel besser wider. Dort lebt und arbeitet rund die Hälfte der Menschen in Oberbayern.

Gleichzeitig zeigt die starke Resonanz auf die Umfrage, wie sehr der Wirtschaft gerade im ländlichen Raum das Problem auf den Nägeln brennt: 103 Gliederungen des in Oberbayern sehr aktiven Verbands meldeten sich zurück. In 34 Gemeinden war von DSL-Problemen die Rede. Dabei gibt es einige Fälle, in denen eine Versorgung mit DSL 1000 schon als schwierig dargestellt wird, in anderen Fällen aber das vergleichsweise schwache und teure Notpaket DSL-"light" zur Verfügung steht, das zum Standardtarif nur ein Drittel der Daten "transportiert".

Doch es bestätigt sich nun auch, dass es große weiße Flecken auf der DSL-Landkarte gibt. Vor allem in Ostbayern ist schnelles Internet Mangelware. Aber mit dem Landkreis Dachau auch ein großer Bereich, der direkt an die Großstadt München grenzt. Unterversorgt sind keineswegs nur Bereiche, in denen DSL mangels Nachfrage unwirtschaftlich ist. Offenbar versucht die Telekom gar nicht erst, die Nachfrage zu ermitteln.

Das zeigt eine Erfahrung des BDS-Ortsverbands Wörth-Walpertskirchen (die Gemeinde hat rund 2000 Einwohner): Auf einer Veranstaltung zum Aufbau einer DSL-Funklösung kamen 200 Interessenten ­ genug, um DSL aufzubauen ­ und Kunden, die der Telekom auf absehbare Zeit wohl auch noch verloren gehen. Erstaunlich ist, dass auch Gemeinden von beachtlicher Größe nicht das Interesse der Telekom an einer ausreichenden DSL-Versorgung wecken können. So ist Alling (Kreis Fürstenfeldbruck) trotz großer ausgewiesener Gewerbeflächen und zahlreicher Betriebe ein DSL-Notstandsgebiet. Von "dringendem Handlungsbedarf" spricht der dortige BDS-Ortsverband. Alling hat zwar nur 3500 Einwohner, grenzt aber an Germering (37 000 Einwohner) und Gilching (18 000 Einwohner).

Zwar ist die Telekom ein privates Unternehmen und nicht verpflichtet, jeden mit DSL zu versorgen. Doch umgekehrt gehen staatliche Behörden von einer Vollversorgung mit schnellem Internet aus. Die Finanzämter haben ­ nur um den eigenen Aufwand zu verringern ­ Unternehmen und Selbstständige dazu verdonnert, ihre Umsatzsteuervoranmeldungen auf elektronischem Weg zu übermitteln.

Auch am politischen Durchsetzungswillen hapert es. Erst als der Bund der Selbständigen auf den bestehenden "gravierenden Wettbewerbsnachteil" zu Lasten des Freistaats hinwies, fand die Forderung nach der Einrichtung von flächendeckender technischer Infrastruktur für die Telekommunikation Aufnahme in das Landesentwicklungsprogramm.

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