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80 Prozent der Fernzüge kommen pünktlich.

Jeder fünfte Fernzug kommt zu spät

Berlin - 2011 hat sich bislang jeder fünfte Fernzug der Deutschen Bahn AG verspätet. Das geht aus den ersten öffentlichen Pünktlichkeitsdaten hervor, die das Unternehmen im Internet zugänglich macht.

Dabei würden erstmals Nah- und Fernverkehr voneinander getrennt ausgewiesen, erläuterte Personenverkehrs-Vorstand Ulrich Homburg. Die Bahn erntete umgehend Lob für ihre Initiative auch von Kritikern des Unternehmens. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) begrüßte sie ebenfalls.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer.

Bisher war im Internet zwar abrufbar, welcher Zug wie viel Verspätung hat, aber keine monatliche Statistik. Lediglich die Jahres-Statistik wurde im Geschäftsbericht gemessen, allerdings nicht nach Fern- und Nahverkehr getrennt. Homburg kündigte an, dass in Kürze auf Smartphones nicht nur - wie jetzt schon - die Verspätung der einzelnen Züge angegeben werde, sondern bei großen Verzögerungen auch Ausweichmöglichkeiten vorgeschlagen werden sollen.

Die genaue durchschnittliche Pünktlichkeitsquote im Fernverkehr liegt bei 80,9 Prozent. Im Regionalverkehr, der mit rund 780.000 von 800.000 Fahrten pro Monat den Löwenanteil des Bahnbetriebs ausmacht, betrug sie 93,5 Prozent, was die Gesamtquote pünktlicher Personenzüge auf 93,2 Prozent bringt. Als pünktlich gilt ein Zug, wenn er nicht mehr als fünf Minuten und 59 Sekunden Verspätung hat. Legt man die Maßstäbe des Flugverkehrs an, wo die Grenze bei 15 Minuten liegt, ergibt sich für den Zugverkehr eine Quote von 98,6 Prozent.

Homburg erklärte, bei den Fernzügen werde die Pünktlichkeit an jedem Bahnhof ermittelt, bei den Regionalzügen vorerst nur an einigen hundert Haltestellen. Ab kommendem Jahr sollten alle erfasst werden.

“Stabil über 80 Prozent im Fernverkehr“

Als mittelfristige Zielvorgabe nannte Homburg: “Stabil über 80 Prozent im Fernverkehr und über 93 Prozent im Nahverkehr“. Im vergangenen Winter wurden diese Quoten nicht erreicht. Im Januar lagen sie bei 77,6 und 91,3 Prozent. Im vergangenen Dezember waren sie vermutlich noch schlechter, aber das weisen die nun verfügbaren Zahlen nicht aus.

Die Ursachen für die Verspätungen lassen sich laut Homburg in drei Gruppen zusammenfassen: externe Einflüsse wie Sturmschäden, Bahnübergangsunfälle oder Suizide, Infrastruktur-Faktoren wie das große und komplexe Netz oder unerwartet hohes Verkehrsaufkommen sowie Fahrzeugengpässe aufgrund hohen Wartungsaufwands oder mangelnder Lieferfähigkeit der Industrie.

Bahnvorstand Ulrich Homburg.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG nannte die “Pünktlichkeitsoffensive“ einen richtigen, aber nicht ausreichenden Schritt. Informationen müssten nicht nur über das Internet, sondernauch auf den Bahnsteigen an die Kunden gebracht werden. Dafür seien mehr Personal und eine verbesserte Kommunikation nötig. Die EVG kritisierte, dass bei der Personalplanung Beschäftigte und Bedürfnisse der Kunden zu wenig beachtet würden.

Die Allianz pro Schiene machte darauf aufmerksam, dass die Schweizer Bundesbahnen einen Pünktlichkeitswert von 91,6 Prozent erreichten, wobei als pünktlich nur Züge gelten, wenn sie innerhalb von drei Minuten nach der planmäßigen Ankunftszeit eintreffen.

Positiv äußerte sich der Verkehrsclub Deutschland (VCD). Bahnsexpertin Heidi Tischmann erklärte: “Wenn Fahrgäste erleben, dass sie auf Augenhöhe behandelt werden und sie sich auf die Bahn verlassen können, dann werden sie diese auch vermehrt nutzen.“

Ramsauer sagte, die neue Informationsmöglichkeit zeige, dass die Bahn selbst ein Interesse habe, “die eigene Pünktlichkeit zu verbessern und sich daran messen zu lassen“.

dapd

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