Jeder 12. Haushalt in Deutschland steckt in der Schuldenfalle

- Berlin - Erst war es das Auto, der Urlaub, dann der Fernseher, Kleinigkeiten, die die Bank finanzierte. Das Schuldenkarussell gewinnt an Fahrt, ist irgendwann nicht mehr zu stoppen. Ein Leben auf Pump, für jeden zwölften Haushalt in Deutschland ist das bittere Realität. 3,13 Millionen Haushalte stecken nach Angaben des Schuldenreports 2006 in den roten Zahlen; mehr als eine halbe Million ist davon akut bedroht.

Seit 1993, damals legten der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), der Deutsche Caritasverbund und das Diakonische Werk der EKD zum ersten Mal den Schuldenreport vor, spitzt sich die Lage in Ost und West gleichermaßen zu. In Westdeutschland (insgesamt sind 7,2 Prozent der Haushalte verschuldet) stehen die Betroffenen meist mit 10 000 bis 50 000 Euro in der Kreide, im Osten (11,3 Prozent Gesamtverschuldung) liegen die Werte bei 2500 bis 10 000 Euro. Gerade Betroffene, die im Westen lebten, seien aufgrund ihrer "stabilen Erwerbsbiografie" umfassendere finanzielle Verpflichtungen eingegangen, sagte VZBV-Vorstand Edda Müller. In den neuen Ländern gehören meist arbeitslose Alleinlebende oder -erziehende zwischen 30 und 39 Jahren zu den Überschuldeten; im Westen bilden die 40- bis 49-jährigen, oft verheirateten Menschen die Risikogruppe. Ebenso in der Schuldenfalle stecken rund elf Prozent der 13- bis 24-Jährigen.

Die Hauptauslöser sind - West wie Ost - dieselben: Arbeitslosigkeit, Trennung vom Ehepartner, ein dauerhaftes Niedrigeinkommen und die gescheiterte Selbstständigkeit. Viele suchen einen Weg aus dieser Spirale, betonte Jürgen Gohde, Präsident des Diakonischen Werkes; in Deutschland aber existierten bisher nur rund 1100 Schuldnerberatungsstellen, die bereits an chronischer Überlastung leiden - ein Angebot, das nur für zwölf Prozent der 3,13 Millionen ausreicht. Wartezeiten von drei Monaten sind keine Seltenheit. So gelinge es nur einem Bruchteil der Menschen, sich von ihrer Schuldenlast zu befreien.

Damit in Zukunft mehr Betroffene von einer seriösen Beratung, die sich neben den finanziellen auch um die psychischen Probleme der Menschen kümmert, profitieren können, müsse das Angebot ausgebaut werden, forderte Edda Müller. Das Verbraucher-Insolvenzverfahren gehöre dringend einer Entschlackungskur unterzogen.

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