"Jeder Läufer hat seinen Stil, aber die Richtung bleibt"

- Die Gründe für den überraschenden Abtritt des Chefs der Münchner Brau Holding, Wolfgang Salewski, sind nach wie vor unklar. Die Brau Holding (unter anderem mit den Marken Paulaner, Hacker-Pschorr, Kulmbacher und Fürstenberg), die zu 51,1 Prozent der Münchner Schörghuber-Gruppe und zu 49,9 Prozent der niederländischen Heineken gehört, gilt als schwieriges Terrain. Im Interview erklärt der neue Chef, Georg Friedrich Hoepfner, seine Pläne.

Die Öffentlichkeit war überrascht von dem Wechsel an der Spitze der Brau Holding. Wie überrascht wn Sie, als Sie das Angebot erhielten?

Georg Friedrich Hoepfner: Es war ein bisschen vorgeplant, kam allerdings etwas früher als gedacht. Ich habe mich aber innerhalb von ein paar Minuten entschieden. Das ist einer der interessantesten Jobs, den die Brauindustrie weltweit zu bieten hat. Und das macht mir Spaß.

Was haben Sie sich vorgenommen?

Hoepfner: Die nächsten drei Tage zu überstehen.

Welche furchtbaren Ereignisse erwarten Sie denn?

Hoepfner: Ich war jetzt natürlich nicht so vorbereitet. Normalerweise arbeite ich relativ systematisch und jetzt kommt viel auf einmal auf mich zu.

Was möchten Sie bei der Brau Holding verändern?

Hoepfner: Ich sehe das eher als Stabübergabe bei einer Stafette, bei der man in die gleiche Richtung weiterläuft. Natürlich hat jeder Läufer seinen Stil, aber die Richtung bleibt. Mit Wolfgang Salewski verstehe ich mich sehr gut, wir sind Freunde und haben heute verschiedene Projekte durchgesprochen. Es geht darum, weiterzuführen, was aufgebaut worden ist.

Hat er Ihnen abgeraten oder zugeredet, die Funktion zu übernehmen?

Hoepfner: Er hat mich dafür ausgesucht. Ich habe den Eindruck, dass sowohl Herr Schörghuber als auch Herr Salewski unabhängig voneinander auf dieselbe Idee gekommen sind. Und das ehrt mich natürlich.

Ihr Vorgänger hat gesagt, es gebe in Süddeutschland noch einige Hektoliter einzusammeln. Werden Sie die Strategie, kleinere Brauereien zu übernehmen, weiterführen?

Hoepfner: Wir werden unsere Regionalstrategie fortsetzen. Wir suchen Brauereien, die eine besondere Marke haben und einen treuen Kundenstamm. Und da gibt es noch mehr - in Süddeutschland, aber nicht nur dort.

Die einzelnen Brauereien können relativ unabhängig arbeiten. Wie viel Freiheit lassen Sie Ihnen?

Hoepfner: Wir werden weiterhin dezentral führen, wenn wir natürlich auch unsere gemeinsame Stärke ausnutzen, um in bestimmten Funktionen Gemeinsamkeiten zu finden und Kosten zu senken.

Sie übernehmen die Führung der Brau Holding, für die Paulaner-Brauerei ist das noch nicht klar. Würden Sie auch dieses Amt übernehmen?

Hoepfner: Ich werde das Amt bei Paulaner nicht übernehmen. Wenn es die Anteilseigner bestimmen, gehe ich in den Beirat. Aber ich möchte auch zur Diskussion stellen: Muss es immer einen Vorsitzenden geben? Bei Paulaner sind in der Geschäftsführung vier Spitzenleute. Ich bin nicht sicher, dass man unbedingt sagen muss, einer ist der Chef.

Wie gut ist Ihr Kontakt zu Heineken?

Hoepfner: Ich habe regelmäßigen Kontakt, weil eines der Vorstandsmitglieder der BHI von Heineken kommt. Es gibt auch keinen Streit zwischen Heineken und Schörghuber. Es gibt - was selbstverständlich ist - nicht in jedem Punkt genau gleich lautende Auffassungen. Aber da reden wir drüber. Ich bin sehr optimistisch, dass ich mit Heineken sehr gut auskommen werde.

Das Gespräch führte Dominik Müller.

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