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Arbeitslose Jugendliche vor der Agentur für Arbeit.

Jeder Sechste ohne Berufsabschluss

Berlin - Erschreckend: Jeder sechste junge Mensch in Deutschland zwischen 20 und 30 Jahren hat keinen Berufsabschluss und befindet sich auch nicht mehr in Bildungsmaßnahmen. Welche Gruppen besonders betroffen sind:

Ohne Berufsabschluss und außerhalb von Bildungsmaßnahmen sind laut dem neuen Bildungsbericht von Bund und Ländern 17 Prozent dieser Altersgruppe. Der Bericht mit dem Titel “Bildung in Deutschland 2010“ liegt der Deutschen Presse-Agentur vor.

Besonders dramatisch ist die Situation für 20- bis 30-Jährige mit Migrationshintergrund, von denen über 30 Prozent ohne Berufsabschluss sind und sich auch nicht mehr weiterqualifizieren. Bei jungen Frauen türkischer Herkunft in dieser Altersgruppe sind es sogar 47,5 Prozent.

Der Bericht soll an diesem Donnerstag gemeinsam von Bundesbildungsministerium und Kultusministerkonferenz (KMK) vorgestellt werden. Er wurde von einer Wissenschaftlergruppe unter Federführung des Bildungsforschers Horst Weishaupt (Frankfurt/M.) erstellt. An diesem Mittwoch will das Bundeskabinett Eingliederungshilfen für lernschwächere Jugendliche in die Berufsausbildung beschließen.

Mit 17 Prozent unter den 20- bis 30-Jährigen hat die Zahl der Ungelernten in Deutschland offensichtlich einen neuen Höchststand erreicht. In dem neuen Bund-Länder-Bericht wird diese Quote für das Jahr 2008 ausgewiesen. 2007 waren dies laut einem früheren Regierungsbericht erst 15,2 Prozent. Dies waren 1,5 Millionen junge Menschen.

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Angesichts der steigenden Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt warnen die Wissenschaftler vor einer verhängnisvollen Entwicklung. Für Personen ohne abgeschlossene Ausbildung “dürfte es in Zukunft noch schwerer werden, einen Arbeitsplatz zu finden“. Nach einer Prognose wird das Arbeitskräfte-Angebot von Ungelernten den tatsächlichen Bedarf in den kommenden 15 Jahren dauerhaft um 1,3 Millionen übersteigen.

Vor allem Hauptschüler haben Probleme, einen Ausbildungsplatz zu finden. Trotz der von Bundesregierung und Wirtschaft signalisierten Entspannung auf dem Lehrstellenmarkt landet nach wie vor jeder zweite Hauptschüler mit Abschluss nach Schulabgang zunächst in einer sogenannten Warteschleife des Übergangssystems. Von den Hauptschülern ohne Abschluss sind dies laut Bericht mehr als drei Viertel.

Das seit Jahren von Bund und Ländern proklamierte Ziel, die Zahl der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss zu halbieren, wird vor allem im Osten nur schleppend angegangen. Bundesweit sank die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss von 8,5 Prozent (2004) auf 7,4 (2008). Dies waren immerhin noch rund 65 000 Schüler. Im Westen liegt die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss jetzt bei 6,7, im Osten dagegen bei 11,6 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern wird der Spitzen- Negativwert von 17,9 Prozent erreicht. Ins Auge springen auch die hohen Negativ-Quoten aus Sachsen-Anhalt (12,1) und Sachsen (11,8).

Bei knapp elf Prozent geht kein Elternteil einer Beschäftigung nach (“soziales Risiko“). 13 Prozent der Kinder wuchsen 2008 bei Eltern auf, die keine abgeschlossene Berufsausbildung oder nur geringe Schulbildung haben (“Risiko der Bildungsferne“).

Der Anteil der Kinder unter 15 Jahren, deren Mütter oder Väter auf Hartz-IV angewiesen waren, schwankte 2008 laut Bildungsbericht regional erheblich: Zwischen 38 Prozent in Schwerin (Mecklenburg- Vorpommern) und 2 Prozent im Landkreis Eichstätt (Bayern).

Von Karl-Heinz Reith

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