Jeder Zehnte plant Bankwechsel

Deutschlands Bankkunden werden ihren Banken zunehmend untreu. Das zeigt eine aktuelle repräsentative Umfrage der Puls Marktforschung unter 1.000 deutschen Bankkunden:

Geldanlage-Vergleich: Diese Zinsen gibt es derzeit bei Tagesgeld, Festgeld und Sparbriefen.

Demnach haben in den vergangenen zwölf Monaten acht Prozent ihre Bankverbindung gekündigt. Weitere zehn Prozent planen einen solchen Schritt in den kommenden zwölf Monaten. Insgesamt zeigt sich damit fast jeder fünfte deutsche Bankkunde im Zeitraum von nur zwei Jahren kündigungswillig.

009 hatte dieser Wert erst bei 16 Prozent gelegen. „Der aufgeklärte Bankkunde sucht immer mehr nach attraktiven Angeboten und ist dabei immer wechselbereiter und somit illoyaler“, so Puls-Geschäftsführer Konrad Weßner. Sparkassen verlieren Kunden Noch deutlicher fällt die Lust auf Konto-Neueröffnungen aus: Während 2009 insgesamt 22 Prozent der Befragten angaben, in den letzten zwölf Monaten eine Bankverbindung eröffnet zu haben oder in den nächsten zwölf Monaten eröffnen zu wollen, so erhöhte sich dieser Wert 2010 schon auf 26 Prozent. Bei so viel Wechselbereitschaft gibt es natürlich Gewinner und Verlierer.

Online-Banken weiter auf Wachstum

Langfristig gesehen zeigt sich laut dieser Studie ein deutlicher Trend: Kleinere flexiblere Banken speziell im Online-Bereich verzeichnen Kundenzuwächse, während die klassischen Anbieter – allen voran die Sparkassen und Volks- und Raiffeisen-Banken – Kunden verlieren. Die Finanzkrise habe diesen Trend nur kurzfristig unterbrechen können. So verzeichnen Direktbanken wie ING-Diba, Comdirect oder DKB seit der ersten Erhebung 2008 jährlich stetige Kundenzuwächse, während die Sparkassen kontinuierlich verlieren, schreibt Puls Marktforschung.

Ethische und ökologische Ausrichtung wird immer wichtiger Neben der Wechselbereitschaft gibt es aber noch einen weiteren Trend: Bankkunden wünschen sich zunehmend, dass ihre Bank auch Produkte anbietet, die nach ethischen oder sozial-ökologischen Kriterien ausgerichtet sind. Drei von vier Bankkunden erwarten zudem, dass die Banken eine stärkere soziale Verantwortung übernehmen und ihre Geschäftspolitik transparenter gestalten. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage des Beratungsinstituts Yougov-Psychonomics. Allerdings kann die Mehrheit der befragten Deutschen mit dem Begriff „Social Banking“ noch nicht viel anfangen: 85 Prozent ist er unbekannt.

Auch spezialisierte Nachhaltigkeitsinstitute wie die Ethikbank, die Fidor Bank, die GLS, Bank, die Triodos Bank oder der Umweltbank liegt erst zwischen fünf und maximal 17 Prozent. „Von einem ausgeprägten Trend zum Social Banking zu sprechen, erscheint verfrüht“, sagt Sven Hiesinger, Studienleiter bei Yougov-Psychonomics. „Erkennbar ist aber, dass die ethischen Ansprüche der Kunden an die Banken steigen und die Aufgeschlossenheit für soziale Geschäftsmodelle und nachhaltige Finanzprodukte wächst.“ Von den namhaften konventionellen Banken werden die Genossenschaftsbanken - allen voran die Sparda-Banken - sowie die ING-Diba von ihren Privatkunden am stärksten als "sozial" bzw. "moralisch gut" wahrgenommen. Zum Vergleich: Lediglich 19 Prozent der Kunden von Großbanken äußern sich ähnlich positiv über ihre Bank.

Kein komplettes Umdenken

Doch wer erwartet hätte, dass die Finanzkrise zu einem kompletten Umdenken der Bundesbürger geführt hat und glaubt, dass Renditeaspekte vielleicht weniger wichtig werden, sieht sich getäuscht: 78 Prozent der Kunden erwarten weiterhin in starkem Maße, dass ihre Bank bei Zinsen und Renditen das Beste für sie herausholt - erfüllt wird auch diese Erwartung allerdings bisher nur sehr eingeschränkt. Daher ist auch die Frage offen, ob das gestiegene Interesse an Social-Banking-Angeboten das weitere Wachstum der „Nachhaltigkeitsbanken“ beflügeln wird oder ob konventionelle Banken durch stärkere Integration sozial-ökologischer und kultureller Perspektiven in ihre Geschäftsmodelle davon profitieren werden. Bisher kommen die Nachhaltigkeitsbanken in Deutschland insgesamt erst auf rund 200.000 Kunden. Zum Vergleich: Die ING-Diba hat rund sieben Millionen Kunden.

Rubriklistenbild: © dpa

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