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Neue Hiobsbotschaft: Bei der HRE müssen hunderte Mitarbeiter und einige Topmanager gehen.

Hypo Real Estate

Jeder zweite Mitarbeiter muss gehen

München - Bei der Hypo Real Estate jagt eine Hiobsbotschaft die nächste. Nun muss der schwer angeschlagene Immobilienfinanzierer seine Belegschaft halbieren. Auch vier Topmanager, die offenbar unter Manipulationsverdacht stehen, gehen.

Nach der Notrettung der Hypo Real Estate (HRE) durch Bund und Banken, Milliardenverlusten im dritten Quartal und einer Razzia der Staatsanwaltschaft folgte am Wochenende der nächste Paukenschlag: Fünf Tage vor Weihnachten gab das Unternehmen den Abbau von 1000 der derzeit 1800 Arbeitsplätzen bekannt. Damit verlieren mehr als die Hälfte aller Mitarbeiter ihren Job. „Sie können mir glauben, dass das keine leichte Entscheidung war“, sagte Konzernchef Axel Wieandt in München.

Der Vorstandsvorsitzende war im Oktober als Sanierer an die Spitze des taumelnden Münchner Geldhauses geholt worden. Nach seinen Worten gibt es keine Alternative zum Kahlschlag. Auf diese Weise will Wieandt den Konzern verkleinern und langfristig sanieren. Zwei Drittel des Stellenabbaus entfallen auf das Ausland, betriebsbedingte Kündigungen sollen so weit möglich vermieden werden. Mit der Schrumpfkur will das Unternehmen die jährlichen Kosten bis 2011 um etwa 200 Millionen Euro und bis 2013 um 250 Millionen Euro senken.

Nach einer Razzia der Staatsanwaltschaft München trennt sich die Bank außerdem von mehreren Vorstandsmitgliedern. Betroffen sind von den zuletzt noch amtierenden Spitzenmanagern Finanzvorstand Markus Fell und sein Vorstandskollege Frank Lamby. Außerdem werden die Dienstverhältnisse des früheren Konzernchefs Georg Funke und von Ex-Vorstandsmitglied Bo Heide-Ottosen mit sofortiger Wirkung beendet. Beide hatten angesichts der Krise der Bank bereits ihre Vorstandsposten geräumt. Zu den Hintergründen der Personalien äußerte sich das Unternehmen nicht.

Die Staatsanwaltschaft hatte vor einigen Tagen wegen des Verdachts auf Marktmanipulationen und falsche Darstellungen nach dem Aktiengesetz die Bank sowie Privaträume von Vorstandsmitgliedern durchsuchen lassen. Durch den Kurssturz der Aktie von 37 auf 3 Euro in diesem Jahr haben Aktionäre der HRE viel Geld verloren. Seinen Platz im Deutschen Aktienindex Dax muss der Konzern am heutigen Montag wegen des Kursrutsches räumen.

Medienberichten zufolge sind in Ermittlungsunterlagen schwere Vorwürfe gegen Fell laut geworden. So habe er als Finanzvorstand noch am 25. September bei einer Konferenz die Lage bei der irischen Tochter Depfa als stabil bezeichnet, obwohl er zuvor zusammen mit Funke wegen der Refinanzierungsprobleme der Bank bereits bei der Deutschen Bank in Frankfurt vorgesprochen habe. Die Staatsanwaltschaft äußerte sich dazu am Wochenende nicht.
Ende September stand die Hypo Real Estate wegen der Probleme der Depfa kurz vor dem Kollaps und musste von Banken und Bund mit 50 Milliarden Euro gerettet werden. Diese Summe reicht allerdings langfristig nicht aus. Derzeit verhandelt der Konzern nach eigenen Angaben mit dem Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) über weitere Stützungsmaßnahmen. Eine Größenordnung nannte der Konzern aber nicht.

Im Gegenzug für die Staatshilfe musste die HRE ein neues Geschäftsmodell ausarbeiten, um ihre Zukunft zu sichern. Wieandt kündigte an, dass sich der Konzern künftig vor allem auf Deutschland und Europa konzentrieren und von anderen Teilen des Geschäfts trennen wird. Unter anderem will er die Kapitalmarkt- und Handelsgeschäfte einstellen. Die Gruppe soll ein spezialisierter Immobilien- und Staatsfinanzierer werden.

Die Kosten für den Konzernumbau in Höhe von 400 Millionen Euro werden das Jahresergebnis der HRE in diesem Jahr noch weiter belasten, da sie voraussichtlich zu einem Großteil ins Ergebnis des vierten Quartals eingestellt werden. Auch im operativen Geschäft ist keine Besserung eingetreten. „Die Bedingungen an den internationalen Kredit- und Immobilienmärkten haben sich im laufenden Quartal weiter eingetrübt“, erklärte die Bank. Im dritten Quartal hatte der Konzern einen Verlust von 3,1 Milliarden Euro gemacht.

mm/ap/dpa

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