Jeder zweite Unternehmer über 60 hat noch keinen Nachfolger gesucht

- München - Was passiert mit dem Betrieb, wenn der Senior aufhört? Das Problem, einen geeigneten Nachfolger zu finden, betrifft etwa 12 000 Unternehmen mit zusammen 150 000 Mitarbeitern in Bayern jedes Jahr. Und doch hat jeder zweite Unternehmer über 60 Jahre seine Nachfolge noch nicht geklärt, so das Ergebnis einer Umfrage der Fachhochschule Aalen mit Unterstützung der Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern. Angeschrieben wurden alle 4210 oberbayerischen Unternehmen, deren Inhaber, Komplementäre oder Geschäftsführende Gesellschafter zwischen 55 und 65 Jahre alt waren.

<P class=MsoNormal>"Die junge Generation ist zunehmend nicht mehr daran interessiert, den elterlichen Betrieb zu übernehmen", sagte Anna Nagl, Professorin an der Fachhochschule Aalen zu ihrer Studie "Was ist, wenn ich aufhöre?". Entweder seien die jungen Leute nicht bereit, so viel Zeit, Energie und Nervenstress aufzuwenden, wie das ihre Eltern getan haben oder sie schätzten die Zukunft des Unternehmens nicht positiv ein.</P><P class=MsoNormal>Oft habe der 35-jährige Sohn bereits eine Karriere außerhalb des väterlichen Unternehmens hingelegt und entscheide sich für eine gute Festanstellung statt der risikoreichen Selbstständigkeit mit enormer zeitlicher Belastung, fügte Reinhard Dörfler, Hauptgeschäftsführer der IHK in München, hinzu. Neben dem Desinteresse wurde auch mangelnde Fähigkeit der Kinder, das Unternehmen weiterzuführen, genannt.</P><P class=MsoNormal>Bei den über 60-jährigen Unternehmern ist in 52 Prozent der Fälle die Nachfolgefrage noch offen. In der Gruppe der 55 bis 60-jährigen sind es sogar 71 Prozent. Nach den Erfahrungswerten der Unternehmer, die ihre Nachfolge bereits geregelt haben (40 Prozent), dauerte es in den meisten Fällen mindestens fünf Jahre bis der Nachfolger das Unternehmen tatsächlich übernahm. "Daher wächst insbesondere für die über 60-Jährigen der Zeitdruck, eine Nachfolgeregelung zu finden", stellte Nagl fest. So lautet auch der Rat der Unternehmer an ihre Kollegen: Möglichst frühzeitig mit der Suche zu beginnen und den Nachfolger entsprechend in das Unternehmen einführen. Denn die Folgen einer fehlenden Unternehmensübergabe sind gravierend. 31 Prozent der Unternehmen mit nicht geklärter Nachfolge gehen von einer Schließung aus, 27 Prozent wollen verkaufen und 20 Prozent gaben an, noch nicht zu wissen, wie es weitergeht.</P><P class=MsoNormal>Bei den Betrieben, die ihre Nachfolge geklärt haben, kommt der neue Chef überwiegend aus der eigenen Familie: Meistens ist es der Sohn (54 %), die Tochter (16 %) oder ein anderer Verwandter (3 %). In fast gleicher Anzahl kommt der Nachfolger aus dem Unternehmen (14 %) oder von außen (13 %).</P><P class=MsoNormal>Die häufigste Form der Übergabe ist laut der Studie die Schenkung (40 %). Jeweils 31 Prozent der Unternehmer wollen ihren Betrieb vererben oder verkaufen. In 17 Prozent der Fälle besteht eine Regelung in Form einer Leibrente. </P><P class=MsoNormal>Ganz aufgeben wollen die alten Unternehmer ihr Geschäft meist nicht. "Der Unternehmer muss erstmal lernen, loszulassen. Das ist wie so ein eigenes Kind", erklärt Dörfler die emotionale Bindung an der oft selbst gegründeten und über Jahrzehnte aufgebauten Firma. Viele halten sich daher noch ein Hintertürchen auf: Enttäuscht der Nachfolger die Erwartungen, könne die Entscheidung rückgängig gemacht werden. Das sei bei drei Viertel der Unternehmen, bei denen ein Sohn oder eine Tochter die Nachfolge antritt, der Fall.</P>

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