Biologische Umprogrammierung

Jeff Bezos und Yuri Milner: Milliardäre lassen an der Unsterblichkeit forschen

  • Markus Hofstetter
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Der Traum vom ewigen Leben oder einem Jungbrunnen treibt viele Menschen um. Auch Milliardäre wie Jeff Bezos und Yuri Milner sind nicht dagegen gefeit.

München - Es ist ein Traum, der so alt ist wie die Menschheit: Unsterblichkeit. Auch auf reiche Menschen wie Jeff Bezos* und Yuri Milner scheint diese Vorstellung eine überaus große Anziehungskraft auszuüben. Die beiden Milliardäre haben sich dazu entschlossen ein Biotechnologie-Startup zu finanzieren, dessen Ziel es ist, den Alterungsprozess umzudrehen. Das berichtet die Internetausgabe der britischen Daily Mail.

Das Startup namens Altos Labs hat bereits mindestens 270 Millionen Dollar eingesammelt, obwohl es erst Anfang dieses Jahres gegründet wurde. Das Unternehmen sucht nach Möglichkeiten, die Lebensuhr in Tieren, aber auch Menschen, zurückzudrehen. Wie das funktionieren soll, darüber gibt Altos Labs selbst keine Auskunft. Wertvolle Hinweise darauf, in welche Richtung die Forschungen gehen sollen, geben jedoch laut Daily Mail jedoch die Qualifikationen der Mitarbeiter und Beiräte.

Jeff Bezos (links) und Yuri Milner lassen an der Unsterblichkeit forschen

Jeff Bezos und Yuri Milner investieren in die Unsterblichkeit: potenzielles „Lebenselixier“ entdeckt

So konnte Altos Lab Dr. Shinya Yamanaka als unbezahlten Berater des wissenschaftlichen Beirats gewinnen. 2012 erhielt der japanische Stammzellenforscher als ein Pionier der Zell-Reprogrammierung den Nobelpreis für Medizin. Er entdeckte, dass man Zellen durch das Hinzufügen von vier spezifischen Proteinen in einen früheren Zustand, in der sie Eigenschaften embryonaler Stammzellen aufweisen, zurückversetzen kann.

Mit dabei ist auch Dr. Juan Carlos Izpisua Belmonte. Der Spanier ist ein Biologe, der Yamanakas embryonale Stammzellentechnik 2016 an Mäusen angewendet hat. Die Nager sollen dabei Anzeichen einer Umkehr des Alterungsprozesses gezeigt haben. Nach dem Experiment nannte Belmonte die Technologie ein potenzielles „Lebenselixier“.

Jeff Bezos und Yuri Milner investieren in die Unsterblichkeit: Nobelpreisträgerin für Chemie im Beirat

Im Beirat des Start-ups sitzt auch Dr. Jennifer Doudna. Sie erhielt 2020 den Nobelpreis für Chemie für die Entwicklung einer Methode zur Genom-Editierung, dem sogenannten CRISPR-Verfahren. Belmonte hat dieses Verfahren bereits 2019 zur Erprobung alternativer Anti-Aging-Methoden angewendet.

Teil des Teams ist Dr. Steve Horvath, der Marker entwickelt hat, die das Altern von Mensch und Tier genau messen können. Das ist wichtig, um die Effektivität der eingesetzten Technologien bewerten zu können.

Jeff Bezos und Yuri Milner investieren in die Unsterblichkeit: bei Erfolg winken Milliarden-Umsätze

Altos Labs wurde, so berichtet Daily Mail, nicht gegründet, um die Forschungen so schnell wie möglich in marktreife Anti-Aging-Produkte umzusetzen. Zunächst will man die Verjüngung von Lebewesen verstehen. Ein erstes konkretes Ziel scheint es jedoch zu geben, nämlich Zell-Reprogramierungs-Methoden an Tieren anzuwenden, ohne sie umzubringen.

Würde das Start-up jedoch eine erfolgreiche Anti-Aging-Technologie entwickeln, würden Milliarden-Umsätze winken. Doch dabei muss sich Altos Labs gegen eine starke Konkurrenz durchsetzen, dazu zählen Life Biosciences, Turn Biotechnologies, AgeX Therapeutics und Shift Bioscience. Derweil macht der Amazon-Mogul mit einer weiteren verrückten Idee auf sich aufmerksam: eine Star-Trek-Legende ins Weltall schicken.

Jeff Bezos und Yuri Milner investieren in die Unsterblichkeit: Zell-Reprogrammierung für Menschen viel zu gefährlich?

Es gibt auch Kritik an dem Verfahren, mit dem Altos Labs Lebewesen verjüngen will. Die Reprogrammierung verwandelt die Zellen nicht nur in embryonale Stammzellen zurück, sondern verändert auch deren Aufgaben. Damit ist das Verfahren, für eine Anwendung an Menschen viel zu gefährlich, so Dr. Alejandro Ocampo, ein ehemaliger Kollege von Belmonte.

Altos Labs ist nicht die erste Erfahrung von Bezos und Milner in diesem Bereich. So hat der Amazon-Gründer bereits in die Anti-Aging-Firma Unity Biotechnology investiert. Milner hat mit Investitionen in Facebook und als Mitgründer der Internetfirma Mail.Ru ein geschätztes Vermögen von rund 4,8 Milliarden Dollar angehäuft. Der Russe hat über die Milky Way Foundation die Forschung an einer langen Lebensdauer unterstützt. *Merkur.de und tz.de gehören zum Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Sven Simon/Future Image/imago, Fotomontage: Merkur.de

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