Jetzt ermittelt der Staatsanwalt auch gegen Peter Hartz

- Braunschweig - In der VW-Affäre um Schmiergeldzahlungen und "Lustreisen" für Betriebsräte ist jetzt auch der langjährige Personalvorstand Peter Hartz ins Visier der Justiz geraten. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig leitete ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue gegen den Anfang Juli abgetretenen Hartz ein und durchsuchte auch seine Arbeitsräume bei Volkswagen. Beweismaterial sei sichergestellt worden, teilte die Behörde mit.

Die Überprüfung der Zeugenaussagen von Hartz habe Anhaltspunkte dafür erbracht, dass er unter anderem Kenntnis von einem möglichen Spesenbetrug gehabt und diesen gebilligt oder unterstützt haben könnte, berichtete die Staatsanwaltschaft weiter. Dieser wird dem ehemaligen Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer vorgeworfen.

In der vergangenen Woche hatte die Staatsanwaltschaft nach einer sechsstündigen Vernehmung von Hartz noch mitgeteilt, dass kein Anfangsverdacht gegen den früheren Arbeitsdirektor besteht. Möglicherweise ist er jedoch tiefer in die Affäre verstrickt als bisher bekannt. Die Ermittler haben nach eigenen Angaben Anzeichen dafür gefunden, dass er bei seinen Vernehmung nicht die Wahrheit gesagt haben könnte.

Hartz hatte laut Staatsanwaltschaft gesagt, von den Unregelmäßigkeiten und Missständen "keine Kenntnis" gehabt zu haben. Er hatte zwar eingeräumt, "Kontrollen der Verwendung von Geldmitteln" hätten zeitweise offenbar nicht in dem erforderlichen Umfang stattgefunden. Er selbst habe aber nichts gewusst. Nachdem sich die Missstände herausgestellt hätten, habe er als Personalvorstand dafür die Verantwortung übernommen und sei zurückgetreten.

Ein VW-Sprecher bekräftigte den festen Willen zur Aufklärung aller Vorwürfe in der Affäre. Vorstandschef Bernd Pischetsrieder habe "mehrfach betont, dass alle Hintergründe der Affäre ohne Rücksicht auf Personen aufgeklärt werden."

Die Staatsanwaltschaft bestätigte ferner, dass auch Gebauer zu den Vorwürfen gegen ihn gehört wurde. Er habe in einer fünfstündigen Vernehmung ausführlich Stellung genommen. Dabei ging es auch um angebliche Luxus- und "Lustreisen" von VW-Managern und Betriebsräten. Mit solchen Vergünstigungen sollen Arbeitnehmervertreter in den 90er-Jahren auf Linie der Unternehmensführung gebracht worden sein. Angeblich gab es einen Spesentopf, aus dem ohne nähere Prüfung Auslagen erstattet wurden. Auch über Blanko-Schecks wurde berichtet, über die fünfstellige Summen abgerechnet worden sein sollen.

Gebauers Anwalt, der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki, griff in diesem Zusammenhang auch VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Pië¨ch scharf an. "Herr Pië¨ch wird in der Zukunft eine Reihe von Fragen beantworten müssen", sagte Kubicki der "Netzeitung". Gebauer gehe davon aus, "dass auch Vorstand und Aufsichtsrat über die Lustreisen informiert gewesen sein müssen".

Anzeichen, dass er nicht die Wahrheit gesagt hat

Die Staatsanwaltschaft ermittelte in der Affäre bereits gegen drei Beschuldigte wegen des Verdachts des Betrugs und der Untreue oder der Beihilfe dazu. Es wird von der Behörde nicht ausgeschlossen, dass noch mehr Verdächtige dazukommen.

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