Jetzt fordert auch Ifo-Präsident Sinn eine Zinssenkung

- München - Die Sorgen um einen Aufschwung in Deutschland nehmen weiter zu. Denn die Stimmung in der Wirtschaft trübt wieder verstärkt ein. Experten empfehlen eine Zinssenkung und erwägen eine Senkung der Wachstumsprognosen.

<P>Der erhoffte Wirtschaftsaufschwung droht abermals zu versiegen. Das lässt der Ifo-Geschäftsklimaindex befürchten, der im März den zweiten Monat in Folge gesunken ist, wie das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut mitteilte. Vor allem bedenklich sei die erstmals seit einem halben Jahr wieder zu beobachtende Verschlechterung der aktuellen Geschäftslage, betonte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Aber auch die geschäftlichen Erwartungen für die kommenden Monate haben sich deutlich eingetrübt. </P><P>Insgesamt ist der Ifo-Geschäftsklimaindex, der als wichtigstes Barometer der wirtschaftlichen Entwicklung in der Bundesrepublik gilt, binnen Monatsfrist von 96,4 auf 95,4 Prozent gefallen. Dieser Rückgang fiel nicht nur massiver aus als von Experten im Vorfeld erwartet. Er könne auch nicht als vorübergehende Sonderbewegung in Folge der jüngsten Terroranschläge in Spanien abgetan werden. Eine gesonderte Auswertung der Angaben von 7000 befragten Unternehmen, die vor und nach den Madrider Anschlägen eingegangen seien, habe keine wesentlichen Unterschiede erbracht. Die Sorgen über den weiteren Konjunkturverlauf hätten sich verstärkt. Deshalb werde Ifo wahrscheinlich die derzeit geltende Wachstumsprognose, wonach die Wirtschaft dieses Jahr um 1,8 Prozent zulegt, nach unten revidieren. Dagegen will die Bundesregierung bei ihrer Prognose von 1,5 bis 2,0 Prozent Wachstum bleiben, sagte eine Sprecherin des Berliner Bundeswirtschaftsministeriums. </P><P>In dieser Situation sei eine Zinssenkung nötig, sagte Sinn an die Adresse der Europäischen Zentralbank (EZB). Er habe das bisher abgelehnt, weil er die wirtschaftliche Erholung auf gutem Weg gesehen habe. Nun sei der Aufschwung aber gefährdet. Wenn es sich als notwendig erweisen sollte, werde man reagieren, entgegnete EZB-Direktoriumsmitglied Gertrude Tumpel-Gugernell. Diese Erwartung hegt auch die HypoVereinsbank. Sie geht davon aus, dass die EZB die Leitzinsen noch einmal um 50 Basispunkte senkt, möglicherweise schon nächste Woche.</P><P>Andere Banker sind alarmiert. Der Ifo-Index sei ein "ernsthaftes Signal, dass irgendetwas nicht stimmt", meinte Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen. "Eine ganz schlechte Nachricht", kommentierte ein anderer Börsianer. Es drohe ein weiteres konjunkturelles Strohfeuer.</P>

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