Pharma

Apotheker fürchten Engpässe auf dem Land

München – Bayerns Hausärzte warnen seit Jahren, jetzt schlagen auch die Apotheken Alarm: „Auf dem Land wird es immer schwieriger, einen Nachfolger zu finden“, klagte Hans-Peter Hubmann, Vorsitzender des Bayerischen Apothekerverbands.

Durch den Spardruck im Gesundheitswesen sei der Beruf des Apothekers zunehmend unattraktiv. Die neue Notdienstpauschale, die vor allem Apotheken außerhalb der Großstädte zugutekommt, sieht Hubmann als ersten Fortschritt. Zugleich forderte er ein Ende der Sparmaßnahmen.

Insgesamt 3332 Apotheken gab es Ende März in Bayern. Seit Anfang des Jahres haben damit 15 Apotheken geschlossen. Zwar sei die Versorgung nicht gefährdet, betonte Hubmann. Dennoch mache ihm der stete Rückgang Sorgen. 2009 gab es noch 3439 Apotheken im Freistaat. Die Krankenkassen halten die Warnungen dagegen für übertrieben. Der Rückgang sei bisher eher moderat, heißt es.

Hubmann ist vor allem der hohe Zwangsrabatt an die Kassen ein Dorn im Auge. Grundsätzlich setzt sich die Vergütung der Apotheken aus mehreren Bausteinen zusammen. Für verschreibungspflichtige Medikamente darf ein Apotheker auf den Einkaufspreis drei Prozent aufschlagen. Damit sollen etwa Lagerkosten ausgeglichen werden. Dazu kommt ein Festzuschlag von 8,35 Euro pro Packung. Davon müssen die Apotheken bisher allerdings einen Abschlag von 2,05 Euro an die Kassen zahlen. Für 2013 sollten Apotheker und Kassen einen neuen Rabatt verhandeln. Im Dezember platzten die Gespräche. Jetzt muss die Schiedsstelle entscheiden. Bei rund 600 Millionen verschreibungspflichtigen Medikamenten bundesweit im Jahr macht sich für die Apotheken natürlich jeder Cent beim Abschlag bemerkbar.

Rund 1,3 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete eine typische Apotheke 2012 in Bayern. Nach Abzug der Kosten bleibe dem Inhaber ein Bruttoverdienst von etwa 67 000 Euro im Jahr, so Hubmann. Das Nettoeinkommen liege bei 34 000 Euro im Jahr. „Damit verdient der Inhaber teils weniger als ein angestellter Apotheker.“

Einen Erfolg verbuchten die Apotheken dagegen bei den Notdiensten. Künftig sollen dafür zusätzlich 120 Millionen Euro im Jahr zur Verfügung stehen. Bisher bekommen Apotheken für Notdienste einen Aufschlag von 2,50 Euro pro Rezept. Apotheken mit vielen Kunden – wie etwa in der Münchner Innenstadt – sind damit im Vorteil. „Auf dem Land kommen dagegen vielleicht nur zehn Kunden pro Nacht“, sagte Hubmann.

Hinzu kommt: Während eine Apotheke in München im Schnitt einmal im Monat Notdienst leisten muss, ist eine Apotheke in Oberfranken einmal pro Woche an der Reihe. Um diese Ungerechtigkeiten abzumildern, gibt es künftig für jeden Notdienst zusätzlich eine Pauschale von rund 200 Euro.

VON STEFFEN HABIT

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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