Jetzt hält auch auf dem Gasmarkt der Wettbewerb Einzug

Energieexperte: - München/Düsseldorf - Wettbewerb war bislang auf dem deutschen Gasmarkt ein Fremdwort. Holger Krawinkel, Energieexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, schätzt, dass der Anteil der Verbraucher, die bislang ihren Gasversorger gewechselt haben, im Promille-Bereich liegt.

Doch jetzt steht der Gasmarkt an einem Wendepunkt. "Ich gehe davon aus, dass spätestens bis Oktober verstärkt neue Anbieter auf den Markt treten", meint der Experte.

Das ist auch bitter nötig: Bis vor wenigen Wochen war es für Normalverbraucher in den meisten Regionen Deutschlands gar nicht möglich, den Anbieter zu wechseln. Nur in einer Handvoll Städte gab es überhaupt Anbieter, die den etablierten Regionalversorgern Konkurrenz machten.

Ausgerechnet Deutschlands größter Energieversorger Eon war es dann, der mit seiner Billigmarke "e wie einfach" erstmals für einen Hauch von Wettbewerb auf dem Gasmarkt sorgte. Als erster Anbieter beliefert er seit dem 1. April bundesweit "Otto Normalverbraucher" mit Gas - zu Preisen, die nach Konzernangaben durchschnittlich um 5 bis 6 Prozent unter denen der etablierten Versorger liegen.

Doch Eon dürfte mit seiner Offerte nicht lange allein bleiben. Konkurrent EnBW hat bereits angekündigt, mit seiner Billigmarke Yello ab Oktober zumindest in ausgewählten Regionen ebenfalls Gas anbieten zu wollen. Und auch der Essener RWE-Konzern denkt laut über ein stärkeres Engagement auf dem Gasmarkt nach. Daneben dürfte eine Vielzahl anderer Anbieter bereits in den Startlöchern stehen: Vom niederländischen Nuon-Konzern, der schon in Berlin und Hamburg Gas offeriert, bis hin zu ehrgeizigen Stadtwerken. Der deutsche Verbraucher kann also wohl schon bald von einer ungewohnten Vielfalt der Angebote profitieren.

Den Weg dahin hat nicht zuletzt die Bundesnetzagentur gebahnt. Im Kampf um mehr Wettbewerb auf dem deutschen Energiemarkt spielt die Bonner Behörde eine Schlüsselrolle. Stück für Stück hat die Behörde in den vergangenen Jahren gegen den hinhaltenden Widerstand der großen Gasversorger die Hindernisse für den Wettbewerb aus dem Weg geräumt und die Gasnetze für alternative Anbieter geöffnet. Oft genug mussten dabei die Gerichte den Wettbewerbshütern den Rücken stärken - wie zuletzt am Dienstag wieder der Bundesgerichtshof in der Frage der Auskunftspflichten der Gasversorger (siehe Kasten rechts).

Doch jetzt sehen selbst Verbraucherschützer wie Holger Krawinkel oder Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher einen Wendepunkt erreicht. Schon bald werde man wohl tatsächlich von Wettbewerb reden können, meint Peters. Wenn nicht in diesem, dann zumindest im nächsten Jahr.

Dann liegt es am Verbraucher, ob er die Chance zum Anbieterwechsel auch nutzt - und damit für Preisdruck auf dem Markt sorgt. Sicher ist das nach den Erfahrungen auf dem Strommarkt nicht. Es ist wohl vor allem die Angst, plötzlich bei der Umstellung oder bei einer Pleite des neuen Anbieters ohne Strom oder Gas dazustehen, die viele Verbraucher zögern lässt. Dabei ist die Angst unnötig: "Der Verbraucher ist auf der sicheren Seite. Die Gefahr, dass kein Gas mehr fließt, besteht nicht", heißt es bei der Bundesnetzagentur.

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