Jetzt kommen die Billighotels

- Billigflieger gibt es schon länger, jetzt kommen Billighotels. Wer bei ihnen bucht, muss auf ein wenig Komfort verzichten. Dafür kann er vor allem in deutschen Großstädten deutlich billiger unterkommen. Zielgruppe sind vor allem junge Menschen, Geschäftsreisende und Städte-Touristen.

Ein typischer Vertreter des neuen Hotel-Trends ist die aus Frankreich stammende Kette B&B Hotels, die ihre Strategie selbst mit Ryanair oder Aldi vergleicht. Die Zimmer ab 35 Euro die Nacht sind in Deutschland keine 16 Quadratmeter groß, verfügen aber über Dusche, WC, Fernseher und ein Regal. Die Rezeption wird nachts durch Check-in-Automaten ersetzt. Statt eines Restaurants gibt es Getränke- und Snackautomaten.

"Wir versuchen Personalkosten zu sparen", sagt Marketing-Koordinatorin Miriam Hassan. "Ansonsten muss der Gast aber auf nichts verzichten, was lebensnotwendig wäre." Das Unternehmen unterhält derzeit rund 190 Hotels in Deutschland. Darunter sind Häuser in Großstädten wie München, Berlin, Bordeaux oder Paris, die allerdings nicht immer zentral gelegen sind. Vor der Buchung empfiehlt sich also ein Blick auf den Stadtplan.

Berlin und Prag

Teilweise noch preiswerter geht es bei der Gruppe A&O zu ­ eine Mischung von Jugendherberge und Budget-Hotel. Die Nacht im Achtbett-Zimmer ist bereits ab 10 Euro zu haben, Einzelzimmer mit Dusche, WC und Fernseher werden mit Preisen ab 29 Euro beworben.

Allerdings schwanken die Preise wie bei den Billigfluggesellschaften je nach Nachfrage. So werden für eine Übernachtung am Wochenende auch mal über 100 Euro fällig. Frühstück und Bettzeug wird extra berechnet.

Neben Jugendlichen kämen inzwischen auch viele 40- bis 50-Jährige, sagt A&O-Manager Thorsten Lemke. "Die wollen die Qualität eines Hotels, aber das Flair eines Hostels." Die Gruppe unterhält Standorte in München, Berlin, Hamburg, Dresden und Prag die vergleichsweise zentral liegen.

Auf eine Mischung von Mehrbett-Zimmern und Einzelzimmern setzt auch die Meininger Gruppe: Sie ist aus einer 1999 gegründeten Berliner Studenten-Unterkunft entstanden und bietet heute in neun Häusern (München, Berlin, Köln, Hamburg, Wien, London) mehr als 2300 Betten. Ein Bett im Schlafsaal kostet ab 14 Euro, Einzelzimmer ab 29 Euro, wobei sich Gäste gerade der Londoner Niederlassung auf deutlich höhere Tarife ­ umgerechnet ab 85 Euro für ein Einzelzimmer ­ gefasst machen müssen. Immerhin sind aber auch dort Frühstücksbuffet, Bettwäsche und Handtücher inklusive.

Selber kochen

Ums Essen müssen sich die Meininger-Gäste selbst kümmern. Dazu gibt es Gemeinschaftsküchen und sogar ein hoteleigenes Kochbuch. "Die meisten Gerichte kosten weniger als fünf Euro an Zutaten, brauchen nicht mehr als 15 Minuten Zeit und machen mindestens zwei Menschen satt", wirbt das Unternehmen für die passende Verpflegung zur Low-Cost-Unterkunft. Gemeinsam sind den Hotel-Billig-Ketten die massive Expansion in den vergangenen Jahren und große Zukunftspläne. "Wir können jedes zweite Jahr unseren Umsatz verdoppeln", sagt Projektmanagerin Anna-Lena Saager von Meininger. Im vergangenen Jahr betrug der Umsatz der Gruppe bereits mehr als zehn Millionen Euro.

A&O will sein Angebot von neun Häusern in den nächsten zehn Jahren auf 30 Häuser erweitern. "Ursprünglich planten wir ein neues Haus pro Jahr, aber es geht momentan sehr schnell", sagt Lemke. Finanzierungsprobleme hat das Unternehmen nicht ­ die Gebäude werden langfristig gepachtet.

Luxus oder günstig

Auch B&B Hotels, im Eigentum einer Beteiligungsgesellschaft, will von 14 auf etwa 60 Standorte in Deutschland aufrüsten. In Frankreich hat das Unternehmen schon 175 Hotels mit mehr als 12 000 Zimmern. "Der deutsche Budget-Hotelmarkt befindet sich in einer schnellen Wachstumsphase", sagt der deutsche B&B Hotels-Geschäftsführer Mark Thompson. "Hier besteht ein enormes Potenzial." Der Trend gehe in Richtung preisgünstig und in Richtung luxuriös, die Bedeutung des mittleren Segments sinke.

"Im Hotelgewerbe herrscht ein Verdrängungswettbewerb, der zu Lasten der mittelständischen Hoteliers geht", heißt es auch in einer Studie der Dresdner Bank. Vor allem für Kleinbetriebe werde der Spielraum enger. "Ein weiterer Konzentrationsprozess in der deutschen Hotellerie scheint unausweichlich." Dabei ist das Wachstumspotenzial der bekannten Ketten der Studie zufolge groß: In Deutschland entfallen zurzeit 24 Prozent der Hotelbetten auf Marken, in 15 Jahren sollen es 50 Prozent sein. Leidtragende seien vor allem Gasthöfe, Pensionen und mittelständische Stadthotels.

Mehr Infos & Reservierung

B&B Hotels:

www.hotel-bb.com

0033 / 1 72 36 51 06

(Ein Anruf kostet 0,34 Euro/Minute. An der Telefon-Hotline kann allerdings nur Englisch oder Französisch gesprochen werden)

A&O:

www.aohostels.com

0800 / 2 22 67 14

(Wer aus Deutschland anruft, zahlt keine Gebühren)

Meininger Hostels:

www.meininger-hostels.com

030 / 66 63 61 00

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