Jetzt schlägt bei VW Stunde der Wahrheit

- Wolfsburg - Nach der Tarifschlacht bei Daimler-Chrysler schlägt nun bei Volkswagen die Stunde der Wahrheit. Europas größter Autobauer steckt in einer Krise: VW schraubte seine Gewinnerwartungen deutlich zurück. Jetzt wird nur noch mit einem operativen Ergebnis von 1,9 Milliarden Euro gerechnet, statt der bisher prognostizierten 2,5 Milliarden. Nun will die Führungsspitze um VW-Chef Bernd Pischetsrieder und Personalchef Peter Hartz vor allem eins _ Kosten senken. Vor diesem Hintergrund ist auch bei VW eine heftige Tarifrunde zu erwarten.

<P>Ab 15. September wird bei VW der Haustarifvertrag neu verhandelt. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) mahnte indirekt bereits zur Vernunft. "Ich bin sicher, dass nach Daimler-Chrysler auch die Verhandlungen bei Volkswagen über Kosteneinsparungen und Beschäftigungssicherung in Deutschland zu einem erfolgreichen Abschluss führen werden", sagte er.</P><P>Doch einfach wird das in Wolfsburg nicht, erwarten Beobachter. Für die in den letzten Jahren oft gelobte Kooperation der VW-Tarifpartner könnte eine Bewährungsprobe bevorstehen. Hartz hat der Belegschaft angesichts der Flaute auf dem Automarkt und wachsenden Kostendrucks schon zusätzliche Belastungen in Aussicht gestellt. "Wir sind nicht schuld", setzen die Beschäftigten dagegen. Die Halbjahreszahlen geben keinen Grund zur Entwarnung in der Auseinandersetzung.</P><P>In den ersten sechs Monaten des Jahres brach der operative Gewinn vor Sondereinflüssen um fast 20 Prozent auf 979 Millionen Euro ein. Nach Steuern lag das Minus mit 383 Millionen Euro sogar bei fast 36 Prozent. Der große Gewinnbringer war die bayerische Tochter Audi, die 550 Millionen Euro zum operativen Gewinn beisteuerte.</P><P>"Die jüngsten Zahlen sind zwar nicht berauschend. Aber das Unternehmen macht ja durchaus noch beachtliche Gewinne", sagte IG-Metall-Bezirkssprecher Jörg Köther. Und solange Dividende gezahlt werde, gebe es keinen Grund für die Arbeitnehmer, zurückzustecken. "VW ist ja kein Sanierungsfall", sagt Köther.<BR>Die Arbeitszeit wird übrigens nach den Erwartungen Köthers bei den Tarifverhandlungen keine Rolle spielen. "VW ist ja in einer Situation, wo alle heilfroh sind, dass man ein Modell kurzer Arbeitszeiten hat." Denn VW hat nicht nur die Gewinnprognose gesenkt, sondern auch die Zahl der in diesem Jahr auszuliefernden Fahrzeuge. Das Werk ist nur zu 70 Prozent ausgelastet.</P><P>Und so ist auch das Unternehmen der Meinung, dass die Arbeitszeit zu ideologischen Diskussionen nicht tauge. Bisher bekannt gewordene Pläne stoßen bei den Arbeitnehmern auf heftige Kritik. Das gilt etwa für Überlegungen, bis zu 30 Prozent des Jahreseinkommens nach persönlicher Leistung und Konzerngewinn schwanken zu lassen.</P>

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