Jewish Claims Conference will 145 Millionen Euro

- Essen - Im Streit um ein Grundstück aus dem ehemaligen Besitz der jüdischen Kaufhaus-Dynastie Wertheim will die Jewish Claims Conference (JCC) Ansprüche in Höhe von 145 Millionen Euro gegen den angeschlagenen KarstadtQuelle-Konzern gelten machen. Das kündigte der JCC-Anwalt Stefan Minden am Montag in Frankfurt an.Hintergrund sei ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aus der vergangenen Woche, nach dem Liegenschaften im so genannten "LenneDreieck" am Potsdamer Platz in Berlin unter das Gesetz zur Regelung offener Vermögensfragen fallen. Ein KarstadtQuelle-Sprecher wollte die Meldung zunächst nicht kommentieren.

<P>In seinem Börsenprospekt für die am Montag in die letzte Runde gegangene Kapitalerhöhung um 535 Millionen Euro hatte KarstadtQuelle bereits mögliche Ansprüche der Jewish Claims Conference mit einer "Größenordnung von ca. 145 Millionen Euro" beziffert. "Wir werden uns in Kürze mit KarstadtQuelle in Verbindung setzen", kündigte der Anwalt an. Der Jewish Claims Conference gehe es darum, die Ansprüche auch im Namen der Wertheim-Erben durchzusetzen.<BR><BR>Der Berliner Anwalt der Wertheim-Erben, Matthias Druba, warf dem Essener Konzern vor, "das Problem auszusitzen". "Man muss sich jetzt fragen, und die Banken müssen das in besonderem Maße tun, ob die Karstadt-Sanierung überhaupt praktikabel ist vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung um das Wertheim-Erbe", sagte Druba.<BR><BR>Mit dem Stopp der Bezugsfrist für die neuen Aktien aus der Kapitalerhöhung hatte der angeschlagene Warenhausriese am gleichen Tag einen Schlussstrich unter einen weiteren wichtigen Baustein des Sanierungspakets gesetzt. Durch die Kapitalerhöhung sollen 535 Millionen Euro in die Kassen des Konzerns fließen.<BR><BR>Nach dem Ende der Bezugsfrist sollen die neuen Aktien am Dienstag erstmals an der Börse gehandelt werden. Ein KarstadtQuelle-Sprecher zeigte sich am Montag zufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Kapitalerhöhung. Eine abschließende Bewertung werde das Unternehmen am Dienstag vornehmen, hieß es. Erst am Freitag war ein Kreditvertrag mit den Banken über 1,75 Milliarden Euro unterschrieben worden.<BR><BR> Bei dem am vergangenen Donnerstag zu Gunsten der jüdischen Organisation entschiedenen Rechtsstreit hatte das Bundesverwaltungsgericht zunächst nur in einem Musterverfahren eine bis dahin bestehende Lücke im so genannten Vermögensgesetz geschlossen. In dem Gesetz seien so genannte Tauschgrundstücke übersehen worden, begründete das Gericht seine Entscheidung. Das Vermögensgesetz sei dafür jedoch analog anwendbar.<BR><BR>Das umstrittene Grundstück im Zentrum Berlin zählte ursprünglich zum Staatsgebiet der DDR, war jedoch später im Wege eines Tauschverfahrens Westberlin zugeschlagen worden. Als Rechtsnachfolgerin von Hertie, beziehungsweise Wertheim hatte KarstadtQuelle Ansprüche auf das Grundstück erhoben und das Gelände später für 280 Millionen DM als Baugrund für das Beisheim-Center weiterverkauft. Auf der Grundlage der neuen Entscheidung könnte nun jedoch möglicherweise der jüdischen Organisation der Verkaufswert für das Grundstück zustehen.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Keine Machtübernahme von Hastor bei Grammer
Seit fünf Monaten machten Vorstand und Belegschaft des Autozulieferers Grammer Front gegen den unbeliebten Großaktionär Hastor. Jetzt fällte die Hauptversammlung eine …
Keine Machtübernahme von Hastor bei Grammer
Dax fehlt vorm Feiertag weiter der Schwung
Frankfurt/Main (dpa) - Trotz guter Konjunkturdaten aus Deutschland hat der Dax am Mittwoch etwas schwächer geschlossen. Mit einem kleinen Abschlag von 0,13 Prozent auf …
Dax fehlt vorm Feiertag weiter der Schwung
Komitee empfiehlt Opec-Förderlimit bis Frühjahr 2018
Es war ein historischer Schulterschluss: Die Opec hatte mit anderen wichtigen Förderländern eine Öl-Drosselung beschlossen. Die Vereinbarung soll nun wohl um neun Monate …
Komitee empfiehlt Opec-Förderlimit bis Frühjahr 2018
Linde und Praxair wollen "Zusammenschluss unter Gleichen"
Zu einem Weltkonzern will Linde-Aufsichtsratschef Reitzle sein Unternehmen machen und dafür mit dem Konkurrenten Praxair zusammengehen. Das ruft Gewerkschafter und …
Linde und Praxair wollen "Zusammenschluss unter Gleichen"

Kommentare