250 Jobs verloren: Sony Ericsson löst Entwicklungsabteilung auf

- München - Schwerer Schlag für den Technologiestandort München: Sony Ericsson will seine Entwicklungsabteilung im Landkreis schließen. 250 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. Der schwedisch-japanische Handy-Konzern entlässt auch in den USA 250 Entwickler. Man wolle die Entwicklung der Handys der 3. Generation für den US-Markt stoppen, hieß es.

<P>Für die Mitarbeiter in Aschheim/Dornach eine Katastrophe. Nur einen Tag zuvor wurde der Betriebsrat informiert. Noch ist völlig unklar, ob den Betroffenen andere Arbeitsplätze angeboten werden. Für Entwicklungsingenieure dürfte eine Arbeit im Marketing (hier bleiben 66 Jobs erhalten) kaum eine Lösung sein. Als Alternative bleibt - falls dies überhaupt angeboten wird - ein Umzug nach Schweden oder Japan.</P><P>"Das ist nicht so verlockend für alle, die Familie haben", sagt die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Sabine Jansen. Kaum ein Trost, dass die betroffenen Kollegen in Amerika wohl bereits auf der Straße sitzen. Denn trotz Abfederung über einen Sozialplan bleibt auch den Münchner Mitarbeitern das Schicksal nicht erspart: Gekündigt, arbeitslos, Stellensuche in einem schwierigen Umfeld . . .</P><P>Experten: Konzern kann<BR>Marktanteile zurückerobern</P><P>Was die Betroffenen die Existenz kosten kann, soll dem Unternehmen den Weg aus den roten Zahlen ebnen. Nur für die Größten der Branche lohnt es sich, die beiden großen Mobilfunkstandards zu bedienen: Das europäischen GSM mit einem Weltmarktanteil von derzeit über 80 % und den vor allem in den USA verbreiteten Standard CDMA. Von diesem will sich Sony Ericsson zurückziehen.<BR>Für Branchenkenner wie Roland Pitz, im Research der HypoVereinsbank auf Telekomausrüster spezialisiert, hat die Maßnahme Sinn. Bei CDMA habe Sony Ericsson in den USA nur 2 % Marktanteil erreicht, die Konzentration auf GSM könne dazu führen, dass Sony Ericsson in diesem Bereich zulege. Derzeit hat das Unternehmen einen Weltmarktanteil von 4,8 %, vor zwei Jahren waren es, so Pitz, noch knapp 8 % gewesen.</P><P>Auch die Weiterentwicklung der derzeit marktgängigen Geräte zu solchen der dritten Generation (in Europa: UMTS), ist ein Kraftakt, der bewältigt sein will - bei Marktaussichten, die immer noch nicht sicher sind. Mobiltelefone, die Musik abspielen, Fotos aufnehmen und übertragen, gibt es schon bei den gängigen neuen Vor-UMTS-Handys. Es fehlt ein wirklich überzeugender Anreiz, warum sich Kunden die teuren neuen Geräte kaufen sollen. Sinnvolle Verwendungen, etwa zur Ferndiagnose bei chronisch kranken oder zum Fuhrpark-Management mit Ordnungsfunktion sind zwar möglich, aber nichts für den Massenmarkt. "Die inhaltliche Seite muss ausgefüllt werden", sagt Pitz.</P><P>Unterdessen bauen die Netzbetreiber die neue Technologie eher zögerlich aus. Sie erfüllen zwar die Vorgaben der Regulierungsbehörde, fahren aber UMTS auf Sparflamme.</P><P>Es gibt bisher zu wenig Endgeräte. UMTS-Optimisten wie Ex-Mobilcom-Chef Gerhard Schmid sind kaltgestellt, alle anderen sind vorsichtig. Von der einst angepeilten echten Markteinführung 2003 spricht derzeit niemand mehr. Von Mitte 2004 ist nun die Rede _ ohne Gewähr.</P><P>Unterdessen sind Jobs nicht nur in Deutschland in Gefahr. Die spanische Telefónica hat angekündigt, rund 15 000 Arbeitsplätze abzubauen. Mehr als jeder Dritte muss gehen.<BR></P>

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