Job-Start: Wie Daimler-Chrysler die Mitarbeiter mobil machen will

- Stuttgart - Auf die Arbeitnehmer in Deutschland kommen erhebliche Neuerungen zu. Vor allem Flexibilität ist gefragt. Ein Beispiel, wie die Zukunft aussehen könnte, gibt die von Daimler-Chrysler geplante Agentur Job-Start. Wer ausgebildet oder neu eingestellt wird, kommt in die Agentur, um flexibler zwischen den Werken des Autobauers hin- und herwechseln zu können.

<P>Eine Woche bei Smart im Elsass, dann einen Monat bei der A-Klasse in Rastatt, später ein halbes Jahr Motorenproduktion, und dann für vier Wochen über den Teich, weil Chrysler einem plötzlichen Nachfragesprung hinterherproduziert - so meinen es zwar die Verantwortlichen nicht, doch genau so stellen es sich die Gewerkschaften vor, die gegen die Pläne des Konzerns Sturm laufen.<BR>"Wir lehnen das ab, weil wir es nicht brauchen", sagt IG-Metall-Vorstandsmitglied Helmut Lense. Schon bisher gebe es Regelungen, wie Personalengpässe innerhalb der einzelnen Werke und im Konzern ausgeglichen werden könnten.<BR>Als Beispiel nennt Lense Abordnungen von einer Produktionsstätte in eine andere: "Bisher gab es keine Situation, wo der notwendige Ausgleich nicht zu Stande gekommen ist."</P><P>Lense, der auch Betriebsrat im Werk Untertürkheim ist, sagt, Daimler-Chrysler wolle den bisher mit dem örtlichen Betriebsrat ausgehandelten Interessenausgleich bei Abordnungen nicht mehr mitmachen. Bislang werde beispielsweise bei einer längeren Anfahrt dem Mitarbeiter die Zeit auf die Arbeitszeit angerechnet. "Man muss nicht nur mit Menschen flexibel sein, sondern auch am Standort gestalten", sagte der Arbeitnehmervertreter im Daimler-Chrysler-Aufsichtsrat.</P><P>Eine Konzernsprecherin bestätigt nur, dass mit dem Betriebsrat Gespräche über die neue Gesellschaft aufgenommen worden seien. Das Projekt stehe am Anfang. Die bisherigen Maßnahmen reichten nicht mehr aus, um die unterschiedliche Auslastung der Werke auszugleichen. Die neue Gesellschaft Job-Start soll nach früheren Unternehmensangaben spätestens 2005 an den Start gehen. Die Belegschaft soll keinem Standort fest zugeordnet werden, sondern arbeite jeweils dort, wo gerade Personalbedarf bestehe.</P><P>Vor allem junge Leute nach Abschluss der Lehre sollten von der Agentur übernommen werden. Auch Neueinstellungen könnten künftig verstärkt über Job-Start abgewickelt werden. "Wir haben keine Anzeichen dafür, dass die Triebfeder der Idee die Senkung der Lohnkosten ist", räumt auch Gewerkschafter Lense ein.</P><P>Die Auszubildenden sind von dem Vorhaben angeblich wenig begeistert. Der Betriebsrat des Werks Untertürkheim betonte aber, über die Mechanismen der Flexibilisierung müsse geredet werden.</P><P>Jedes neue Fahrzeug bringe zwar einen deutlichen Produktivitätsfortschritt. Bei Mercedes-Benz gebe es aber nicht mehr so deutliche Zuwächse wie früher, dass gleich neue Mitarbeiter eingestellt werden müssten. Nur in den Werken Stuttgart-Untertürkheim und im badischen Rastatt erwartet Lense eine Personalaufstockung.</P>

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