Job-Verlagerung: Warum trotzdem noch neue Leute gesucht werden

- München - 1954 kamen 85 Aussteller zur ersten Bauma, die sich mit 12 000 m2 begnügten. 2004 brauchen 2800 Aussteller auf der nun größten Messe der Welt 500 000 m2. Es wären wohl mehr, doch auch das riesige Areal der neuen Messe ist voll. Gleichwohl kämpft in Deutschland die Branche um ihre Zukunft.

<P>Die Ausgangsposition für die Bau- und Bergbaumaschinenindustrie ist nicht schlecht: 44 000 Beschäftigte erwirtschafteten 2003 rund 7,67 Mrd. Euro. Das ist zwar ein Minus von 2,7 %, doch ein Wachstum von 3,5 % soll das heuer mehr als wettmachen. Auch wenn im Bau und im Bergbau die Inlands-Nachfrage lahmt, bieten sich in Mittel- und Osteuropa und in den Aufschwungregionen in Asien gewaltige Chancen. Allein im Bergbau schätzt der Weltenergierat den Investitionsbedarf auf unvorstellbare 3,4 Billionen Euro bis 2020.<BR><BR>Doch wer als Exporteur eine Schaufel in den Boden bringen will, kommt an ausländischer Produktion nicht mehr vorbei. Aus Kostengründen und weil die Auftraggeber es fordern. In Polen etwa geht nichts, wenn man nicht zu 60 % dort produziert, wie Peter Jochums vom Fachverband Bergbaumaschinen im Verband VDMA sagt. Ähnlich ist das in China, wobei die Gefahr billiger Nachbauten den deutschen Maschinenbauern Sorgen macht.<BR><BR>Man muss versuchen, technologisch die Nase vorn zu haben, sagt Joachim Schmid, Geschäftsführer des Fachverbands Bau-, Baustoff- und Bergbaumaschinen. Nicht nur aus diesem Grund wirbt er für die Ausbildung von mehr Ingenieuren. "Die Produktion findet zunehmend im Ausland statt, die Zentren und die Entwicklung bleiben in Deutschland", sagt Jochums. Deshalb wird der Anteil der Ingenieure unter den Inlands-Beschäftigten steigen. </P><P>Derzeit liegt er je nach Unternehmen zwischen 10 und 20 Prozent. So verschwinden auf der einen Seite Jobs durch Verlagerung, auf der anderen entstehen neue. Der VDMA hat Gymnasiasten aus der Region zur Bauma eingeladen, um sie über Studium und Beruf zu informieren. Von der immensen Leistungs- und Innovationsfähigkeit der Branche, schwärmt Schmid auch in Blick auf die Nachwuchsrekrutierung. Die "Bauma + Mining", wie die Messe, die einen Teil des Geländes dem Bergbau widmet, heißt, soll Spiegelbild dessen sein.<BR><BR>Superlative ziehen an: "Von einem noch nie dagewesenen Interesse" spricht Messechef Manfred Wutzlhofer. Die Ausstellungsstücke sind zum Teil gigantisch: Der größte Muldenkipper der Welt von Liebherr schleppt mit 3600 PS eine Nutzlast bis zu 370 Tonnen bis zu 68 km/h schnell. Liebherr zeigt auch einen 80 Meter hohen Kran, der bis zu 40 Tonnen tragen kann. Putzmeister zeigt eine Pumpe, die flüssigen Beton 60 Meter hochpumpen kann. 41 Meter lang ist ein Gerät aus Frankreich, das auf Straßen den alten Belag abfräst, ihn recycelt und den neuen Belag aufbringt.<BR><BR>Gezielt wurden Besucher aus den neuen EU-Ländern geworben, vor allem von dort, wo große Investitionen anstehen. Doch planen die Bauma-Veranstalter bereits über die künftigen EU-Grenzen hinaus. So hat man Osteuropa und Zentralasien (Länder der ehemaligen Sowjetunion) als Partner-Region der Bauma 2004 ausgesucht.<BR>Auch das Interesse aus dem fernen Osten nimmt deutlich zu. Aus China, wo die Münchner Messe die Bauma China veranstaltet, kommen 36 Aussteller, viermal so viele wie bei der letzten Bauma 2001. Diese belegen achtmal soviel Fläche.<BR><BR>Während die internationale Konkurrenz sich positioniert, kämpft die Branche in Deutschland auch mit Unverständnis. Vor allem Banken erweisen sich als Standort-Problem: "Wenn die Bau hören, ist es aus", sagt Schmid. "Wir sind international wettbewerbsfähig und gut aufgestellt. Leider scheint das vielen Finanzierungsinstituten unbekannt zu sein."</P>

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