Dow Jones: Absturz zum Handelsstart

New York - Die amerikanischen Börsen haben trotz des Paukenschlags einer kräftigen US-Leitzinssenkung am Dienstag mit deutlichen Verlusten eröffnet. Der Einbruch fiel allerdings etwas weniger heftig aus als in Europa.

Der Leitindex Dow Jones gab in der ersten halben Handelsstunde um 2,93 Prozent oder 354,66 Zähler auf 11 744,64 Punkte nach. Der marktbreite S&P-500-Index verlor 3,12 Prozent auf 1283,87 Zähler. Der technologielastige NASDAQ Composite büßte 2,99 Prozent auf 2269,94 Punkte ein.

Direkt zum Handelsstart waren die Verluste noch etwas größer gewesen. "Das ist nun auch hier eine Art Panikreaktion", sagte ein Händler. Mit Entsetzen hatten US-Investoren tags zuvor den Absturz an den übrigen Weltmärkten verfolgt, als die US-Börsen wegen eines Feiertags geschlossen blieben.

"Nun haben wir einen Bärenmarkt", zeigte sich ein Börsianer überzeugt von einer anhaltenden Talfahrt. Sofort wurden leidvolle Erinnerungen an frühere Börsencrashs 1929 und 1987 wach - und natürlich an denEinbruch nach den Terrorattacken des 11. September 2001. 

Die überraschende Zinssenkung der Fed um einen dreiviertel Punkt auf 3,50 Prozent wurde auf dem Parkett zwar begrüßt - aber sogleich folgte der Ruf nach mehr. US-Börsenguru Jim Cramer forderte stellvertretend für viele: "Die Fed hat so lange mit deutlichen Schritten gewartet, nun müssen die Zinssenkungen noch drastischer ausfallen."

Auch von der Europäischen Zentralbank verlangen viele an derWallStreet niedrigere Zinsen. Die Frage einer tatsächlichen Rezession in den USA nannten Broker eine nur noch rein akademische Diskussion. "Ob das offiziell Rezession heißt oder nicht, ist mir ziemlich egal - hier werden gerade viele Milliarden Dollar vernichtet", klagte ein Händler auf dem Parkett der weltgrößten Börse NYSE an der Wall Street.

Wie zuvor in Europa und Asien konnten die Börsianer den aktuellen Auslöser für die plötzliche Panikstimmung nicht wirklich ausmachen. Die seit Monaten laufende Kreditkrise hatte bereits mehrfach zuvor wie Blei die Kurse nach unten gezogen. Viele US-Investoren wollten daher zuletzt der Malaise zu Hause entkommen und schaufelten Milliarden in die Märkte in Asien und Europa - nur um jetzt dort ihr Debakel zu erleben. Nun ziehen sie ihr Geld scharenweise in Panikverkäufen wieder ab und beschleunigen damit die Abwärtsspirale weltweit weiter.

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