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Nahaufname: Stefan Baron hat eine Biografie über seinen ehemaligen Chef Josef Ackermann geschrieben.

Heute erscheint die Biografie

Ackermann mit dem gefrierenden Lächeln

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München - Wer ist Josef Ackermann? Kaum jemand ist dem ehemaligen Deutsche-Bank-Chef so nah gekommen wie sein Sprecher. In der Biografie über seinen Ex-Chef beschreibt Stefan Baron Ackermann in der Finanzkrise, beim Machtkampf in der Bank, als Chef und Privatmann.

Gleich beim ersten Vorstellungsgespräch von Stefan Baron bei Josef Ackermann geht es ums Geld. Als Ackermann aus dem Düsseldorfer Café eilt, fragt er, ob Baron zahlen könne. Er selbst habe nie Bargeld dabei. Baron zahlt und hat den Job. Er wird Sprecher des damals mächtigsten Bankers Deutschlands. Josef Ackermann, von 2002 bis 2012 Vorstandschef der Deutschen Bank, kann jemanden brauchen, der sein Image aufpoliert. Seit seinem Victory-Zeichen-Auftritt gilt er als die Personifizierung des skurpellosen Kapitalismus.

Kaum jemand hat den heute 65-jährigen Ackermann seit 2007 so nah erlebt wie Baron. Jetzt hat er eine Biografie seines ehemaligen Chefs geschrieben. Sie heißt „Späte Reue“, und Baron zeichnet ein Bild von Josef Ackermann, der sich gewandelt habe und dem Geld nicht besonders wichtig sei – schon gar nicht Bargeld.

„Natürlich lässt ihn Geld auch nicht völlig kalt“, schreibt Baron. Aber er habe eben keine Yacht in St. Tropez, sondern fahre privat Fiat Cinquecento – und einen BMW X6 und einen 911er Porsche. „Die Gier des Bankers Josef Ackermann heißt Neugier“, schreibt Baron. Wird diese Gier nicht befriedigt, kann er unangenehm werden. Ackermann lasse andere seine Überlegenheit spüren, wenn er sich langweilt. „Man könnte es auch intellektuelle Arroganz nennen.“

Das können auch die erleben, die für ihn arbeiten. „Für Ackermann gibt es weder bei sich noch bei anderen feste Essens- oder Ruhezeiten, er kann zu jeder Tages- oder Nachtzeit anrufen. (...) Auf ein Dankeschön nach durchgearbeiteter Nacht braucht niemand zu zählen.“ Fehler könne der ehemalige Deutsche-Bank-Chef durchaus verzeihen. „Aber nur, wenn man sich dazu bekennt und nicht herumdruckst“, schreibt Baron. Andernfalls könne sein Markenzeichen, das „ewig jungenhafte“ Lächeln, „schlagartig gefrieren, Blick und Stimme können eiskalt werden“.

Der Chef selbst sei extrem diszipliniert – mit einigen Schwächen, schreibt Baron: Die Sekretärinnen müssen im Büro für Notfälle genügend Toblerone-Schokolade in der Schublade haben, und der Rauchmelder in Ackermanns Büro ist extra nicht so empfindlich eingestellt wie im Rest der Glastürme, in denen Rauchen eigentlich verboten ist.

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Dass Ackermann sich nicht frühzeitig um einen Kronprinzen gekümmert habe, der nach ihm in diesem Büro sitzen soll, bezeichnet Baron als einen seiner „größten Fehler“. Nur so konnte die Schlammschlacht ausbrechen, an deren Ende die Doppelspitze aus Jürgen Fitschen und Anshu Jain stand. Bei Baron kommen sie nur in Randnotizen vor, er scheint sie, wie sein Ex-Chef, nicht besonders zu mögen. Die Machtkämpfe nach Ackermanns Rückzug, zuletzt seine Rücktritte als Aufsichtsrat bei der Zürich-Versicherung und bei Siemens können noch kein Thema des Buches sein.

Baron beschreibt, wie Ackermann in der Finanzkrise zwischen Politik und Wirtschaft vermittelte, obwohl er selbst alles andere als unschuldig an der Krise gewesen sei. „Die Schlüsselbranche der Wirtschaft hat sich von ihrer dienenden Funktion für die Realwirtschaft und ihren Kunden entfernt, sie ist weithin gesellschaftlich nutzlos, teilweise sogar schädlich geworden. (...) Josef Ackermann hat seinen Teil zu dieser Entwicklung beigetragen.“ Er habe sich dann aber auf den „Werte-Kompass“ seines Elternhauses besonnen und Konsequenzen gezogen. „Gewiss, Josef Ackermanns Reue kam erst, als der Schaden größtenteils bereits angerichtet war. Aber werden wir nicht alle meist erst aus Schaden klug?“, fragt Baron. An diesen Stellen wird deutlich, dass er manchmal zu nah dran ist. Er mag seinen Ex-Chef und ist sich dessen bewusst. Gleich zu Anfang schreibt Baron deshalb, dass er keinen Anspruch auf Objektivität erhebe: „Dieses Buch ist meine Wirklichkeit von Josef Ackermann.“ Es ist zumindest eine lesenswerte Wirklichkeit.

Philipp Vetter

„Späte Reue“

von Stefan Baron erscheint heute im Econ-Verlag, 304 Seiten, 24,99 Euro.

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