Jubeltag bei Siemens: Pierer hat Lust auf mehr

- München - Siemens-Chef Heinrich von Pierer offenbarte Firmeninterna. Als der Elektronik-Konzern kürzlich seine 550 Top-Manager zur Generalversammlung zusammenzog, da habe Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger die obersten Siemensianer "mehrfach strahlend angesehen". Der Hüter über die Firmenkasse, der sonst nach dem Prinzip "nicht getadelt ist genug gelobt" handele, habe schließlich sogar über das abgelaufene Geschäftsjahr gesagt, er sei damit "sehr zufrieden". "Das habe ich mir zu eigen gemacht", erklärte Pierer bei der Jahrespressekonferenz in München und sah die Journalisten mehrfach strahlend an. Er hatte allen Grund dazu.

<P>Das Geschäftsjahr 2002/03 fiel blendend aus. Der Konzern erreichte mit einem Ergebnis nach Steuern von 2,45 Milliarden Euro fast den Vorjahresgewinn von 2,6 Milliarden. Damals waren aber über 900 Millionen Euro aus dem Verkauf von Infineon-Aktien im Ergebnis enthalten. </P><P>Rechnet man diesen Betrag heraus, vergrößerte Siemens sein Plus um fast 50 Prozent. Zwar sank der Umsatz vor allem wegen des starken Euro und der schwachen Konjunktur um zwölf Prozent auf 74 Milliarden Euro. Doch im letzten Quartal wuchs der Konzern schon wieder. Der Vorstand will sich gegenüber seinen Aktionären großzügig zeigen. Die Dividende soll um zehn Prozent auf 1,10 Euro erhöht werden.<BR><BR>Bei der Einzelkritik erging sich Pierer in Lobeshymnen auf die Geschäftsbereiche. Vor drei Jahren hatte er die "Operation 2003" ausgerufen und das Siemens-Geschäft in zwei Lager geteilt. Zur ersten Liga zählen neun Sektionen, die für heuer Renditen zwischen fünf und 22 Prozent erzielen sollten. </P><P>Acht lagen im Soll oder darüber, dazu zählen unter anderem die Kraftwerkssparte ("Ergebnis auf sehr hohem Niveau"), Medizintechnik ("Weltklasse"), Automatisierung ("herausragende Performance") und Automobiltechnik ("exzellentes Ergebnis"). Lediglich die Gebäudetechnik verfehlte ihr Ziel. In der zweiten Liga spielen fünf schwächere Bereiche, die wohl auch 2004 ihre Rendite-Vorgaben nicht erreichen - unter anderem die Netzwerksparte ICN und die Mobilfunksparte ICM.<BR><BR>"Wenn Sie spekulieren, dass meine Tätigkeit für Siemens im September noch nicht beendet sein wird, könnten Sie mit dieser  Spekulation ins Schwarze treffen."<BR>Siemens-Chef Heinrich von Pierer</P><P>ICN habe aber eine "starke Leistung" erbracht und im vierten Quartal die Gewinnzone erreicht. ICM habe mit dem Verkauf von 12 Millionen Mobiltelefonen im vierten Quartal einen neuen Rekord erzielt.<BR><BR>Zum Lob teilte Pierer Vorschusslorbeeren aus. Er stellte in Aussicht, dass "wir 2004 sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis zulegen werden". Für das Gewinnwachstum kündigte er sogar einen zweistelligen Prozentsatz an. Die Börse feierte Siemens als Tagesgewinner im Dax. Die Aktie legte zeitweise über drei Prozent auf 62,60 Euro zu. </P><P>Die Anleger freuten sich wohl auch über die Andeutung Pierers, nach 34 Dienstjahren bei Siemens noch einige weitere dranzuhängen. Der Vertrag des Vorstandschefs läuft im September nächsten Jahres aus. "Wenn Sie spekulieren, dass meine Tätigkeit für Siemens im September noch nicht beendet sein wird, könnten Sie mit dieser Spekulation ins Schwarze treffen", formulierte er.<BR></P>

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