Jürgen Stark soll Ottmar Issing beerben

- Berlin - Bundesbank-Vizepräsident Jürgen Stark soll in die Topetage der Europäische Zentralbank aufsteigen. Der als unionsnah geltende Wirtschaftswissenschaftler soll nach dem Willen der Bundesregierung Nachfolger des Direktoriumsmitglieds der Europäischen Zentralbank (EZB), Ottmar Issing, werden. Einen entsprechenden Vorschlag an den Vorsitzenden des Ecofin-Rates der EU beschloss das Kabinett, wie das Bundesfinanzministerium bestätigte.

Das Direktorium, dem neben EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und seinem Vize Lucas Papademos weitere vier Mitglieder angehören, führt die laufenden Geschäfte und bereitet die Ratssitzungen der Währungshüter vor. Die Bundesbank begrüßte die Entscheidung des Kabinetts. Stark sei ein fachlich und persönlich hervorragend geeigneter Kandidat für das Direktorium der EZB, erklärte Bundesbank-Präsident Axel Weber. Ob Stark auch Chefvolkswirt wie Issing bei der EZB wird oder einen anderen Posten innerhalb des Direktoriums übernimmt, entscheidet die EZB selbst. Issings Vertrag läuft 2006 aus.

Stark hatte in der Vergangenheit mehrfach als Kandidat für Top-Posten gegolten, dann aber immer wieder das Nachsehen gehabt. Im Frühjahr 1998 wurde der heute 57-Jährige als deutscher Vertreter in der künftigen Europäischen Zentralbank gehandelt. Die Bundesregierung bestimmte jedoch den Chefvolkswirt der Deutschen Bundesbank, Ottmar Issing, zum deutschen Mitglied im Direktorium der EZB. Nach dem Rücktritt von Bundesbank-Präsident Ernst Welteke wegen der Hotelaffäre im vergangenen Jahr waren Stark Chancen für dessen Nachfolge nachgesagt worden. Die Bundesregierung entschied sich dann aber doch für Weber.

Unvergessen ist die Auseinandersetzung zwischen der rot-grünen Bundesregierung und Stark kurz nach dem Regierungswechsel 1998 über die Geldpolitik der Bundesbank. Der damalige Finanzminister Oskar Lafontaine kritisierte die Zinspolitik, und Bundeskanzler Gerhard Schröder forderte, dass die Bundesbank sich nicht einseitig an der Geldwertstabilität orientieren solle. Stark verurteilte damals den politischen Druck und betonte, dass die Unabhängigkeit der Bank und das Ziel der Preisstabilität in der Verfassung verankert seien.

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