Wie Jürgen Weber bei den Amerikanern wirbt

- Berlin - Die Verbände, die Medien, ja sogar manche Politiker hören nicht auf, den Standort Deutschland schlecht zu reden. So empfindet es Jürgen Weber. Der ehemalige Vorstands- und jetzige Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Lufthansa ist seit gut einem halben Jahr einer der drei Beauftragten der Bundesregierung für Auslandsinvestitionen, und sein Spezialgebiet ist Amerika. Vor allem natürlich die Vereinigten Staaten.

<P>"Ich bin ein One-Euro-Man", sagt er über sein Salär. Er kann die Klagen der Deutschen über ihr eigenes Land nicht mehr hören, jedenfalls dann nicht, wenn das Ausland mithört. "In Gesprächen in Deutschland müssen die Dinge auf den Tisch, aber doch nicht im Ausland", sagt Weber bei einer ersten Zwischenbilanz seiner Arbeit in Berlin. Er findet, dass in den letzten zwei, drei Jahren einiges getan worden ist, um Reformen in Deutschland voran zu bringen. Aber zusammen mit dem hiesigen Chef der deutsch-amerikanischen Handelskammer, Fred Irwin, findet er: "Es geht zu langsam." Die erste Überraschung, die Weber bei einer Bestandsaufnahme des Deutschland-Bildes bei amerikanischen Investoren erlebt hat, war, dass es weit positiver war als erwartet.<BR><BR>"Zuerst habe ich hier die 30 größten eingeladen - und 28 kamen. Ihre Bilanz war ungefähr 80 zu 20 Prozent positiv zu negativ." Und seine Reklame für Deutschland ist seither ganz einfach: "Ich trage zehn Gebote vor."<BR><BR>Erstens: Deutschland ist die führende Wirtschaft in Europa. Zweitens: Es liegt im Herzen Europas. "Dafür können wir zwar nichts, aber man kann es auch nicht wegdiskutieren", sagt er schmunzelnd. Drittens: Deutschland ist einer der großen Nutznießer der EU-Osterweiterung. Und so weiter, über die beste Infrastruktur, die größte Zahl der angemeldeten Patente bis hin zur liberalsten Wirtschaft in Europa lobt er das Land über den grünen Klee.<BR><BR>Und auf die Frage, warum Siemens-Chef Heinrich von Pierer dann gerade Tausende von Arbeitsplätzen nach Osteuropa verlagern will, antwortet Weber so trocken, wie er die Lufthansa saniert hat: "Der weiß genau, was er tut. Er verlagert die einfacheren Arbeitsplätze ins Ausland, damit er Gewinne macht, mit denen hier die höherwertigen gehalten werden können." Pierer ist als Kollege Webers für Asien zuständig.<BR><BR>Weber vergleicht es mit der Wartungskapazität für Flugzeuge. "Wir haben jetzt 14 000 Arbeitsplätze im Ausland und 9000 im Inland. Hätten wir die im Ausland nicht geschaffen, hätten wir jetzt im Inland auch keine mehr."<BR><BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Korruptionsverdacht: Lettlands Zentralbankchef festgenommen
Erst Durchsuchung, dann Festnahme: Lettlands Anti-Korruptionsbehörde geht gegen den Zentralbankchef des Landes vor. Zu den genauen Gründen für die Ermittlungen gegen das …
Korruptionsverdacht: Lettlands Zentralbankchef festgenommen
Korruptionsverdacht: Lettlands Zentralbankchef festgenommen
Erst Durchsuchung, dann Festnahme: Lettlands Anti-Korruptionsbehörde geht gegen den Zentralbankchef des Landes vor. Zu den genauen Gründen für die Ermittlungen gegen das …
Korruptionsverdacht: Lettlands Zentralbankchef festgenommen
Bundesverband der Deutschen Industrie besorgt wegen möglicher US-Strafzölle auf Stahlimporte
BDI-Präsident Dieter Kempf befürchtet angesichts angedrohter US-Zölle auf Stahlimporte negative Folgen für die Exportnation Deutschland.
Bundesverband der Deutschen Industrie besorgt wegen möglicher US-Strafzölle auf Stahlimporte
USA erwägen hohe Strafzölle für Stahlimporte
Die USA wollen nicht länger Dumpingpreise akzeptieren, mit denen vor allem China seinen Stahl in den Markt drückt. Strafzölle könnten die Folge sein. Die würden auch …
USA erwägen hohe Strafzölle für Stahlimporte

Kommentare