Jugendliche als Gewinner des Aufschwungs

München - Mit einem Rückgang der Arbeitslosenzahlen war zu rechnen. Aber diese positive Entwicklung erstaunte selbst Experten. So sank die Zahl der Jobsuchenden in Bayern im Jahresschnitt um 95 000 auf 350 000 ­ der niedrigste Stand seit 2001.

Für den neuen Chef der bayerischen Arbeitsagenturen, Rainer Bomba, war es ein Traumstart: Weniger Arbeitslose, weniger Ausgaben und ein kräftiges Stellenplus ­ eine solche Jahresbilanz verkündet jeder gern. Bomba ist jedoch ehrgeizig. Bis Ende des Jahres will der 43-Jährige die Jugendarbeitslosigkeit in Bayern halbieren. Und auch Baden-Württemberg ­ das Bundesland mit der niedrigsten Arbeitslosenquote ­ will Bomba allzu gern vom Thron stoßen. Der Vorsprung ist minimal: Mit einer Quote von 4,9 % liegt Baden-Württemberg nur 0,4 Punkte vor Bayern (Bund: 9,0 Prozent).

Jugendliche ohne Job

Vom Aufschwung haben vor allem Jugendliche profitiert. Die Zahl der Arbeitslosen unter 25 Jahren sank um knapp 28 Prozent auf 33 200. Positiv entwickelte sich auch der Lehrstellenmarkt. So standen Ende September den 3000 bis dahin nicht vermittelten Bewerbern noch rund 5700 offene Stellen gegenüber. Vor einem Jahr war das Verhältnis noch umgekehrt.

Langzeitarbeitslose

Zu den Verlierern des Aufschwungs gehören die Langzeitarbeitslosen. Zwar sank die Zahl der Hartz-IV-Empfänger in Bayern um 16,4 Prozent. Der Rückgang bei den Arbeitslosen, die weniger als zwölf Monate auf Jobsuche sind, lag allerdings bei über 26 Prozent. Besonders schlecht sind die Jobchancen für Menschen, die seit mindestens zwei Jahren ohne Beschäftigung sind. Hier lag der Rückgang bei mageren 2,6 Prozent.

Fachkräfte-Mangel

Im Jahresschnitt waren 2007 knapp 60 000 offene Stellen in Bayern registriert. Das entspricht einem Zuwachs von 13,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Experten erwarten 2008 in einzelnen Branchen eine Ausweitung des Fachkräftemangels.

Nord-Süd-Gefälle

Während in Freising mit einer Arbeitslosenquote von 3,2 Prozent quasi Vollbeschäftigung herrscht, ist in Hof immer noch jeder Zwölfte ohne Arbeit (siehe Grafik). Immerhin hat sich die Kluft zwischen Nord- und Südbayern leicht verringert. So sank die Arbeitslosenquote in Hof um zwei Prozentpunkte, Freising verzeichnete dagegen nur ein Minus von 0,6 Punkte.

Niedrigere Ausgaben

Die guten Arbeitsmarktzahlen entlasten auch den Haushalt der Regionaldirektion. Die Ausgaben für das Arbeitslosengeld I lagen mit 2,5 Milliarden Euro um fast 900 Millionen Euro unter dem Vorjahreswert. Beim Arbeitslosengeld II gingen die Kosten um rund 550 Millionen auf 1,25 Milliarden Euro zurück. Für Qualifizierung und Eingliederung gaben die Arbeitsagenturen in Bayern mehr als 1,5 Milliarden Euro aus.

Ausblick 2008

Wirtschaftsinstitute und Bundesregierung reduzieren ihre Wachstumsprognose ­ und auch die Bundesagentur für Arbeit äußert sich vorsichtig: "Der Beschäftigungsanstieg wird sich sicherlich 2008 in Bayern fortsetzen, wenn auch nicht in gleichem Maße wie 2007", sagte Bomba. Er rechnet mit einem Rückgang der Arbeitslosenzahl um bis zu 40 000. "Im Sommer und Herbst müsste vorübergehend auch eine Quote von 3,9 Prozent machbar sein." Das kommt Vollbeschäftigung schon sehr nahe.

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