Jugendliche und Schulden: Was das Gesetz erlaubt ­ und was nicht

- Viele junge Menschen tappen schon in die Schuldenfalle. Risikofaktor Nummer eins ist das Handy beziehungsweise die Rechnung für dessen unachtsamen Gebrauch. Obwohl rein rechtlich Minderjährige keine Schulden aufnehmen dürfen, geraten auch sie oft in finanzielle Nöte.

"Prinzipiell kann ein Jugendlicher erst mit Eintritt der vollen Geschäftsfähigkeit, also mit 18 Jahren, Schulden machen", sagt Klaus Hofmeister, Leiter der städtischen Schuldnerberatung München. Nicht einmal mit Zustimmung der Eltern können Minderjährige eine Darlehensverbindlichkeit eingehen. Denn dafür muss das Vormundschaftsgericht zustimmen. In der Praxis sind Jugendliche weitgehend geschützt. Alle Käufe, die nicht vom Taschengeldparagrafen gedeckt sind, können rückgängig gemacht werden. Das heißt, Minderjährige können nicht wirksam Geschäfte abschließen, für die sie mehr als das ihnen üblicherweise zur Verfügung stehende Geld ausgeben.

Tatsächlich kommt es bei Jugendlichen hauptsächlich beim Gebrauch von Mobiltelefonen, deren Nutzung für sie eine enorme Bedeutung hat, zu Problemen. Rechtlich bedarf es für einen Handy-Vertrag der Unterschrift oder zumindest der Einwilligung der Eltern, die dann auch für Verbindlichkeiten haften. Hofmeister rät grundsätzlich zu einem Prepaid-Handy: Der finanzielle Verlust beschränkt sich damit nur auf das Guthaben.

Neben der größten Schuldenfalle Handy stehen Jugendliche häufig bei Freunden und Verwandten in der Kreide. Eine weitere Quelle ist die nicht ausgeschlagene Erbschaft, mit der man schon als Kind zu Schulden kommen kann. Der Jugendliche kann diese Schulden aber laut Hofmeister bei Volljährigkeit auf die Höhe seines dann vorhandenen Vermögens oder Verdienstes beschränken.

Ganz wichtig ist das Vorbild der Eltern: "Die Art, wie habe ich gelernt, mit dem Geld umzugehen?" Eltern sollen laut Schuldnerberatung dem Kind nicht jeden Wunsch sofort erfüllen. Der Nachwuchs muss lernen, dass Konsum auch etwas kostet. Bei übertriebenem Konsumverhalten ­ etwa einem sich einschleichenden Markenzwang in der Schule ­ sollten sich die Erziehungsberechtigten nicht scheuen, mit anderen Eltern darüber zu sprechen. Die Zöglinge könnten zum Beispiel auch dazu angehalten werden, ihr Wochenbudget und ihre Wünsche aufzuschreiben.

Schon ein Kind kann Schulden erben

Kommt es zu einer Verschuldung, rät Hofmeister, als Erstes alle Verbindlichkeiten aufzulisten. Dann soll erwogen werden, wie sie eventuell mit Hilfe der Familie abgestottert werden können.

Zur Münchner Schuldnerberatung kommen junge Menschen selten gleich mit Erreichen der Volljährigkeit. "18- bis 21-Jährige haben relativ wenig Schulden, das ist eher die Zeit, in der diese sich langsam heranbilden", sagt Hofmeister. Die Schuldnerberatung (Sozialreferat, Mathildenstr. 3 a, 80336 München, Telefon 089 \  233 24 35 3, schuldnerberatung.soz@muenchen.de) hilft auch praktisch bei der Entschuldung, indem sie sich zum Beispiel mit den Gläubigern in Verbindung setzt. Speziell für Jugendliche haben Stadt, Arbeiterwohlfahrt und DGB das Internetportal www.cashless-muenchen.de eingerichtet. Hier finden Jugendliche, aber auch Eltern und Lehrer Tipps und Anregungen für den vernünftigen Umgang mit Geld.

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