70 000 Jugendliche starten in den Beruf - 23 500 Lehrstellen fehlen

Nürnberg/ München - Fast 70 000 Jugendliche haben am Montag in Bayern ihre Berufsausbildung begonnen. Obwohl die Unternehmen im Freistaat im Vergleich zum Vorjahr deutlich mehr Lehrverträge abgeschlossen haben, bleibt die Lage auf dem Ausbildungsmarkt angespannt.

Um die bei den Arbeitsagenturen seit Oktober 2006 gemeldeten 76 100 Ausbildungsplätze haben sich im Freistaat 105 100 Schulabgänger beworben, berichtete die Nürnberger Behörde.

Im Bereich Industrie, Handel und Dienstleistungen ist die Zahl der Ausbildungsverträge um 10,2 Prozent auf knapp 46 300 gestiegen. "Das ist der höchste Stand seit mehr als zehn Jahren", erklärte der Präsident des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages, Erich Greipl, am Montag. Die Handwerkskammern meldeten am Montag einen Anstieg um 9,7 Prozent auf 21 340. Das bayerische Arbeitsministerium war bisher lediglich von einer Gesamtzahl von rund 50 000 Stellen ausgegangen.

Dennoch haben nach den Zahlen der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit 23 500 junge Menschen noch keine Lehrstelle gefunden. Mit 72 Stellen für 100 Bewerber ist die Lage auf dem Ausbildungsmarkt statistisch nur unwesentlich besser als vor einem Jahr. Damals lag das Verhältnis bei 70 zu 100. Besonders brisant ist die Lage in Oberfranken. Dort müssen sich rein rechnerisch zwei junge Menschen einen Ausbildungsplatz teilen.

Wirtschaftsminister Erwin Huber und Arbeitsministerin Christa Stewens (beide CSU) appellierten zu Beginn des Ausbildungsjahres an die Wirtschaft, noch mehr Lehrstellen zur Verfügung zu stellen. Angesichts der demographischen Entwicklung drohe in manchen Branchen ein Fachkräftemangel, warnte Huber. Von den Jugendlichen forderte der Wirtschaftsminister mehr Mobilität und mehr Flexibilität. Vor allem der Anteil junger Frauen in gewerblich-technischen Berufen müsse erhöht werden.

Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der SPD, Christa Steiger, verwies auf den nach wie vor hohen Anteil von Altbewerbern, die schon ein Jahr oder länger auf eine Lehrstelle warteten. Nach wie vor seien Tausende junger Menschen in Spezialklassen für berufsschulpflichtige Jugendliche ohne Ausbildungsplatz oder in anderen Maßnahmen geparkt. "Das ist keine Zukunftsperspektive und eine Schande für ein reiches und wirtschaftsstarkes Land wie Bayern", betonte Steiger.

Der Freistaat stellt im Rahmen des Programms "Fit for Work" in diesem Jahr 23 Millionen Euro für die Schaffung zusätzlicher Ausbildungsplätze zur Verfügung. Betriebe, die zusätzliche Lehrstellen mit Altbewerbern oder Hauptschülern ohne qualifizierten Abschluss besetzen, erhalten nach Angaben von Ministerin Stewens einmalig 2000 Euro. Jugendliche aus Regionen mit einem ungenügenden Lehrstellenangebot bekommen bei auswärtiger Unterbringung eine Mobilitätshilfe von 150 Euro im Monat.

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