Ab dem 1. Juli steigt der Satz für die Alimente der Kinder

- Alle zwei Jahre wird die Richtschnur für den Kindesunterhalt neu festgezurrt - für Westdeutschland mit Hilfe der Düsseldorfer Tabelle, für Ostdeutschland mit der Berliner Tabelle. Am 1. Juli ist es so weit: Dann haben Millionen Kinder Anspruch auf mehr Geld vom unterhaltspflichtigen Elternteil. Meist sind es die Väter, die künftig im Monat zwischen fünf und acht Prozent mehr zahlen müssen. Anwälte und Familienrichter raten, die Anhebung so rasch wie möglich vom Alimentezahler einzufordern. Sonst könnte Geld verloren gehen.

<P>Im Schnitt werden Alimentezahler mit 20 Euro zusätzlich im Monat belastet, und zwar pro Kind, rechnet Josef Linsler, Sprecher des Nürnberger Interessenverbands Unterhalt und Familienrecht (ISUV), vor. Im europäischen Vergleich lägen die deutschen Bar-Unterhaltssätze an der Spitze. Der Selbstbehalt, der zum Leben bleiben muss, sei in dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit zum Stichtag Juli dagegen nicht angehoben worden.<BR><BR>Doch wie bekommt eine Mutter die erhöhten Sätze? Der Mönchengladbacher Rechtsanwalt Karl-Herrmann Steinhauer warnt davor, still auf ein Vorpreschen des unterhaltspflichtigen Ex-Partners zu warten. Jeder Betroffene kann zunächst einmal selbst aktiv werden: Ein formloser Brief an den anderen Elternteil genügt, um auf die neuen Tabellen hinzuweisen und die Anhebung ab Juli anzumahnen. Der Brief sollte in freundlichem Ton gehalten sein und per Einschreiben mit Rückschein versandt werden. Nur wer fordert, wahrt seine Rechte. Beratung und Formulierungshilfen bietet auch das Jugendamt.<BR><BR>Reagiert der Alimentezahler nicht, gibt es - abhängig vom Einzelfall - unterschiedliche Wege, um einen veränderten Kindesunterhalt durchzusetzen. Speziell für Frauen und Männer, die keinen so genannten Titel haben, aus dem sofort in das Vermögen des Ex-Partners hinein vollstreckt werden kann, ist es wichtig, dass sie so schnell wie möglich ihre Forderung stellen. Bis man sich über neue Beträge geeinigt hat, können Monate vergehen. </P><P>Wenn die Mutter nicht gleich mahnt, sondern vielleicht bis August, September oder länger wartet, wird der Unterhalt nicht rückwirkend zum Juli erhöht, warnt Steinhauer. Gezahlt werden muss dann erst ab Mahnung. Die Zeit davor ist verloren. Vorteilhafter ist die Lage für Betroffene mit Titel, also einem Gerichtsurteil, einem Vergleich oder vollstreckbaren Notar- oder Jugendamtsurkunden. Je komplizierter der Fall, desto wichtiger kann es allerdings werden, einen Anwalt zu Rate zu ziehen. Denn längst nicht in jedem Fall können Unterhaltszahlungen rückwirkend eingefordert werden. Deshalb ist eine selbst verfasste flotte Mahnung ratsam, betont Anwalt Steinhauer.<BR><BR>Angeschriebenen Alimentezahlern rät ISUV-Sprecher Linsler, neue Unterhaltsbeträge vom Anwalt überprüfen zu lassen - beispielsweise wenn ihr Einkommen kleiner ausfällt als bisher. Die finanzielle Schmerzgrenze sei für viele bereits erreicht. Probleme wird es in jedem Fall bei Wenigverdienern mit mehreren Kindern geben, meint der Verbandssprecher. <BR>Vor allem in den ostdeutschen Bundesländern könnten viele nicht mehr zahlen. Die Tabellen sollen den Gerichten Orientierungshilfe bieten. Die Berliner Tabelle wurde entwickelt, um dem niedrigeren Einkommensniveau in Ostdeutschland gerecht zu werden.<BR></P>

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