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Junge Maurer bewahren altes Wissen

Mittelstand im Blickpunkt: - Aus alten, handgeschlagenen Ziegeln und Tuffsteinen bauen sie Weinkeller und kunstvolle Decken. Zwei junge Gewölbebauer aus dem Landkreis Traunstein verschönern mit jahrhundertealtem Wissen nicht nur verstaubte Keller.

Waging am See - "Eine gerade Decke ist gerade, mehr nicht. Die lebt nicht", philosophiert Gewölbebauer Anton Gröll. Seine Werke jedoch strahlen etwas aus: Ruhe, Beständigkeit und etwas Mystisches, Geheimnisvolles spiegeln die unverputzten Backsteinwände wider. "Das ist pure Faszination", meint der 32-Jährige, der vollkommen eingestaubt mitten im Rohbau seines neuen Firmensitzes in Waging am See (Landkreis Traunstein) steht und über seine Leidenschaft zu alten Gemäuern erzählt.

Die Techniken, ein Kreuz-Rippen-Gewölbe, ein Tonnengewölbe oder Stutzkuppeln zu konstruieren, sind jahrhundertealt - viel Wissen darüber sei im Lauf der Zeit verloren gegangen, sagt Gröll. Beim Sanieren alter Gemäuer könne man die verschiedensten Bauweisen studieren, die sich auch von Region zu Region unterscheiden, erklärt Alois Huber (36).

Die beiden Maurermeister gehören zu einer Handvoll Handwerkern in Deutschland, die sich auf den Gewölbebau spezialisiert haben und arbeiten seit drei Jahren eng zusammen. "So sparen wir Kosten und können größere Projekte angehen", sagt Gröll.

Gewölbe könnte man prinzipiell überall bauen, wenn es die Statik zulässt. Vom Weinkeller, über Bibliotheken und Wellness-Bereiche bis hin zu Küchen, Hausfluren oder kleinen Duschkabinen. "Viele Menschen glauben, dass es so etwas wie uns heutzutage gar nicht mehr gibt, oder sie denken, unsere Arbeit sei unbezahlbar", meint Huber. Um einen Keller in "Einfamilienhausgröße" in einen urigen Weinkeller zu verwandeln veranschlagen die Unternehmer rund 10 000 Euro. Preisgünstiger als naturbelassenes Sichtmauerwerk sind verputzte Gewölbe aus weniger teuren Steinen.

Doch am liebsten sind Gröll historische Baustoffe: "Für Weinkeller verwenden wir handgeschlagene Ziegel, die an die hundert Jahre alt sind", erklärt er, die dann mit Sumpfkalkmörtel vermauert werden - Fertigzement oder Fertigteile kommen ihm nicht in den Keller. Nur mit den alterhergebrachten Materialien sei es möglich, Temperatur und Luftfeuchtigkeit konstant zu halten - ohne Klimaanlage.

Rund 40 000 Ziegelsteine verbauen die Maurermeister im Schnitt pro Jahr - und die gibt es nicht einfach im Baumarkt zu kaufen. "Die klauben wir uns oft einzeln aus dem Bauschutt, wenn wieder irgendwo ein altes Haus abgerissen wird", erklärt Gröll. Allerdings hätten die jeweiligen Bauherren oft kein Interesse daran, sodass viel zu viel einfach weggeschmissen werde.

Da es mit dem Ziegel-Nachschub manchmal verzwickt ist, sind im Lager immer "ein paar Tonnen" auf Vorrat. "Die Projekte laufen schnell, da müssen wir sofort reagieren können", sagt Gröll.

Die Kunden der beiden Gewölbebauer kommen aus allen Ecken Deutschlands, aus Österreich und Italien - "vor der Haustür liegen die Aufträge nie", sagt Huber. Und so sind die Maurermeister oft mehrere Monate im Jahr unterwegs. Nur in der letzten Zeit werkelten sie mehr zu Hause am Vierkanthof von Anton Gröll in Waging. Ein paar Kilometer westlich des "wärmsten Sees Oberbayerns" bauen sie unter anderem an Ausstellungsräumen, in denen sich Kunden vor Ort ein Bild über die verschiedenen Techniken und deren Wirkung machen können.

Für die Zukunft sehen sich Gröll und Huber gut gewappnet: "Wir hoffen ja, dass die Brauereien ihre Bierkeller endlich wiederentdecken", sagt Gröll, "und in ihnen mehr sehen als reine Lagerräume." Richtig hergerichtet könnte man sie wie die Winzer ihre Weinkeller für Verkostungen oder andere Veranstaltungen nutzen. Wer die Sanierungen übernehmen könnte, wüssten die beiden schon.

Die Erfahrung und der Name zählen

Nischen besetzen, einen Markt bedienen, der bislang unterbesetzt war - das sind grundlegende Faktoren, damit eine Unternehmensgründung überhaupt gelingen kann. Im Bereich Gewölbebau gebe es zwar etliche, die dieses Handwerk nebenher anbieten - rein darauf spezialisierte Firmen wie die von Anton Gröll und Alois Huber seien jedoch selten, weiß Hans Bruckner von der Bauinnung München.

Dabei komme es gerade hier sehr darauf an, wie viel Erfahrung derjenige habe, der ein Gewölbe baut, sagt der Maurer- und Stuckateurmeister, der regelmäßig Gewölbebaukurse in der Innung anbietet. Geradeaus mauern, das könnten viele, aber Kurven maueren, ohne Schalungen und von verschiedenen Seiten aus, das sei schon etwas anderes. "Da muss man mit darstellender Geometrie umgehen können", so Bruckner.

Von Firmen, die Fertigteile verwenden hält der Ausbilder nichts. "Das sind Pseudo-Gewölbe. Wie wenn man einen Ring aus dem Kaugummi-Automaten zieht. Der glänzt zwar auch, aber mehr nicht."

Sich als Gewölbebauer auf dem Markt zu etablieren, hält Bruckner für schwer. Es sei wirtschaftlich nicht sehr einträglich, da die Nachfrage nicht groß sei. Der Grund: Das Handwerk ist zu unbekannt - auch viele Architekten wüssten nicht um die Spezialisten, und deren verhältnismäßig günstige Preise. "Aber wenn sich einer mal einen Namen gemacht hat", sagt Bruckner, "dann kann er richtig gut ins Geschäft kommen."

Weitere Informationen:

www.bauinnung-muenchen.de

www.alois-huber.de

www.anton-groell.de

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