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Hopfen im Überfluss: In Deutschland schrumpfte daher die Anbaufläche 2012 um sechs Prozent. Hopfenbauern setzen auf neue Bierkreationen, die deutlich mehr von dem Rohstoff benötigen.

Hopfen

Junge Wilde mischen Biermarkt auf

München - Der deutsche Biermarkt schrumpft seit Jahren. Kleine Brauereien setzen daher verstärkt auf neue Biersorten mit einem besonders hohen Hopfenanteil. Der Trend hat inzwischen auch die Großbrauereien erfasst.

Man stelle sich vor, Bundespräsident Joachim Gauck braut im Schloss Bellevue ein eigenes Bier. Die Rezepte stellt er ins Internet, damit Liebhaber das Bier nachbrauen können. Bei uns ein Unding, in den USA Realität. Präsident Barack Obama wirbt mit seinem Bier für die Vielfalt des Traditionsgetränkes. Einen solch prominenten Fürsprecher für die Branche wünscht sich auch Stephan Barth, geschäftsführender Gesellschafter beim weltgrößten Hopfenhändler Joh. Barth & Sohn. „Viele behaupten, dass die USA mittlerweile das Bierland Nummer eins sind.“

Insgesamt 94,6 Millionen Hektoliter produzierten deutsche Brauereien 2012 – ein Minus von einem Prozent. Weltweit legte die Bierproduktion trotz der Zuwächse in Asien und Afrika nur um 1,2 Prozent zu. Dies zeigt der Barth-Bericht, der in München vorgestellt wurde. Die Reihenfolge der fünf größten Bier-Länder bleibt damit unverändert: Mit 490 Millionen Hektolitern liegt China unangefochten an der Spitze, gefolgt von den USA (229 Millionen Hektoliter), Brasilien (133) und Russland (97). Immerhin: Unter den 40 weltgrößten Brauereigruppen sind inzwischen auch fünf deutsche: Die Radeberger Gruppe (Platz 20), Oettinger (27), die Bitburger Braugruppe (35), Krombacher (36) und die Brau Holding International (Marken Paulaner, Hacker-Pschorr) auf Platz 39. Dass zwei deutsche Brauereien vorrücken konnten, liegt allerdings nur daran, dass durch Zusammenschlüsse quasi Plätze frei wurden.

Als Wachstumschance für den schwachen deutschen Biermarkt sieht Stephan Barth sogenannte Craft-Biere. Sie haben einen deutlich höheren Hopfenanteil – und verwenden meist Aromahopfen. In den USA haben Craft-Biere bereits einen Siegeszug angetreten. In Deutschland führen die neuen Kreationen dagegen noch ein Nischendasein. „Der Anteil am Gesamtausstoß liegt im Promillebereich“, so Barth. Dennoch hätten die „jungen Wilden“ – wie Barth die neuen Mikrobrauer nennt – den deutschen Markt aufgemischt. Bereits 30 bis 50 Brauer würden mit neuen Hopfensorten und anderen Geschmacksrichtungen experimentieren, schätzt der Experte. Auch immer mehr Großbrauereien entdecken das neue Geschäftsfeld. Als Beispiele nennt Barth die Radeberger-Tochter Braufactum und Paulaner, die seit kurzem eine Mikrobrauerei im Eiswerk betreiben. Die neuen Biere sind optisch anspruchsvoll verpackt, aber auch meist deutlich teurer. Sie sollen sich damit bewusst vom Massengeschäft abheben.

Barth hofft auf eine neue Bierkultur in Deutschland. Davon würden auch die Hopfenbauern profitieren. Denn für die neuen Kreationen ist wesentlich mehr Hopfen nötig. So werden für einen Hektoliter teils mehr als 400 Gramm verbraucht. Zum Vergleich: Ein deutsches Pils kommt mit einem Viertel davon aus. Kein Wunder also, dass die USA 2012 als einziges Land die Hopfenanbaufläche ausgeweitet haben. In Deutschland schrumpfte die Anbaufläche dagegen um sechs Prozent. Die USA und Deutschland dominieren mit einem Anteil von knapp 70 Prozent den weltweiten Hopfenmarkt.

Die schwache Entwicklung auf dem Hopfenmarkt trifft auch die Barth-Haas-Gruppe. Der Umsatz für das laufende Geschäftsjahr, das am 31. Juli endet, wird voraussichtlich wie im Vorjahr bei 220 Millionen Euro liegen. Um vom neuen Biertrend zu profitieren, will Barth mit eigenen Forschungsbrauereien verstärkt die jungen Wilden unterstützen.

Von Steffen Habit

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