Abwrackprämie

Die jungen Gebrauchten werden knapp

München - Die Abwrackprämie entwickelt sich zum unerwarteten Erfolg - auch für Hersteller, die gar nicht damit gerechnet hatten. Nach BMW meldet Audi eine gestiegene Nachfrage. Am Markt für junge Gebrauchte gibt es erste Engpässe.

Lesen Sie auch:

Kleinwagen werden knapp

2500 Euro für Verschrottung

Billig war nicht ihr Spezialgebiet: Jahrelang pflegten Autobauer wie Audi und BMW ihr Premium-Image. Automobile Wunschträume durften dieser Philosophie nach schon ein bisschen teurer sein. Ein Großteil der Produktion wurde ohnehin als Dienst- oder Geschäftswagen verkauft. Mit dem krisenbedingten Einbruch in diesem Bereich gewinnen die Privatkäufer wieder an Bedeutung. Und nun zählen auch die Premium-Hersteller zu den Nutznießern der Abwrackprämie.

Die 2500 Euro fürs verschrottete Altfahrzeug können zwar kaum Käufer von Luxuslimousinen oder schweren Geländewagen locken. Da fallen solche Beträge nicht so sehr ins Gewicht. Aber fasst ein Käufer einen Audi A3, einen Mini oder einen 1er von BMW ins Auge, sieht die Sache anders aus. Nimmt er dann noch eine einfache Motorisierung und verzichtet auf üppige Ausstattungspakete, bleibt der Neuwagen in Preisregionen, in denen sich der Abschied vom betagten Altfahrzeug rechnet.

In einigen Segmenten wird nun bereits das Angebot knapp. Bei Neufahrzeugen können die Premiumhersteller reagieren. Sie produzieren auf Bestellung. Das Auto mit sämtlichen Kundenwünschen wird erst gebaut, wenn die Tinte unter dem Vertrag trocken ist.
Ganz anders aber ist die Lage bei jungen Gebrauchten. Das sind Fahrzeuge, die - etwa als Werksdienstwagen bei den Herstellern oder als Jahreswagen bei deren Mitarbeitern - schon bis zu einem Jahr im Einsatz sind.

Diese werden zwar gepflegt und vor dem Verkauf an den Zweitbesitzer in einen beinahe neuwertigen Zustand gebracht. Doch an den teuren Ledersitzen, der Metallic-Lackierung, der teuren Audioanlage samt Navi oder dem Motor jenseits der 200-PS-Grenze lässt sich bei diesen Fahrzeugen nichts mehr ändern. Doch dies sind die teuren Extras, die einem Kauf durch einen preisbewussten Prämiennutzer im Weg stehen. Diese Gruppe träumt mehrheitlich von einem jungen und preisgünstigen Gebrauchten. 53 Prozent der Abwrack-Interessenten haben sich nach einer Forsa-Umfrage darauf festgelegt, nur 29 Prozent auf einen Neuwagen.

Bei bestimmten Motorisierungen wird es knapp, bestätigt Audi-Sprecherin Esther Bahne. Dagegen sieht Alexander Bilgeri von BMW für vergleichbare Produkte bei den Händlern noch kein Versorgungsproblem.

Unterdessen spüren vor allem die lange Jahre gebeutelten Massenhersteller einen Schub durch die Prämie. VW musste die Lieferfristen bei Klein- und Kompaktwagen, also den Modellen Fox, Polo und Golf, um bis zu vier Wochen verlängern, wie eine Sprecherin bestätigte.

Opel meldete für Januar bereits einen Zuwachs von 50 Prozent bei den Privatverkäufen und forderte, die Prämie zu verlängern. Ford berichtet über einen gegenüber Januar 2008 vervierfachten Auftragseingang für die Kleinwagenmodelle Fiesta, Ka und Fusion. Allerdings könne die gestiegene Nachfrage aus Deutschland die Ausfälle aus wichtigen europäischen Exportmärkten nicht ausgleichen. Deshalb bleibt Ford für die Werke Köln und Saarlouis bei der geplanten Kurzarbeit.

Dagegen macht sich bei ausländischen Herstellern die verstärkte Nachfrage aus Deutschland bereits beim Arbeitsanfall bemerkbar. Die spanische VW-Tochter Seat erhöhte als Folge der Verschrottungsprämie und der entsprechenden Nachfrage ihre Produktion des Kleinwagens Ibiza im Werk Martorell bei Barcelona. Die für März geplante Kurzarbeit wird um zwei Tage reduziert. Deutschland ist für Seat mit elf Prozent der wichtigste Exportmarkt.

Martin Prem

Niederbayern: Autokaufprämie vom Chef

Nach dem Vorbild der Abwrackprämie will ein niederbayerischer Autozulieferer seinen Mitarbeitern 3000 Euro Prämie beim Kauf eines Neuwagens zahlen. Die Sturm-Gruppe aus Salching bei Straubing stellt dafür 150 000 Euro zur Verfügung.

"Ich will ein kleines Signal setzen", sagte Eigentümer Wilhelm Sturm. Er hofft, dass andere Unternehmen nachziehen und ebenfalls Kaufanreize für die eigenen Mitarbeiter schaffen. Bei seinen 480 Beschäftigten gebe es ein reges Interesse an dem Zuschuss, 15 Anträge lägen bereits vor. Ein Mitarbeiter habe sich schon ein neues Auto bestellt. Sturm produziert unter anderem Fördertechnik und macht etwa die Hälfte des Umsatzes in der Autobranche. Die Beschäftigten müssten sich einen BMW, Mercedes oder VW kaufen, weil dies die Hauptkunden von Sturm sind. Der Chef glaubt, dass die Prämie letztlich auch dem eigenen Betrieb zugutekommt. "Wenn unsere Kunden Produkte verkaufen können, dann werden sie weiter investieren, und dann werden wir weiter Aufträge haben", meinte Sturm. Die derzeitige Wirtschaftskrise ist auch für den Maschinenbauer deutlich spürbar. Es werde bei den Auftraggebern gespart, erklärte Sturm. Bestellungen würden auf später verschoben.

Die langjährigen Mitarbeiter sollen zunächst von dem Zuschuss profitieren. Wenn das Budget dann noch nicht ausgeschöpft ist, können auch 400-Euro-Kräfte, Azubis oder sogar Eheleute und Verwandte zum Zug kommen. Nach Abzug der Sozialabgaben wird der Etat nach Berechnungen des Unternehmens für etwas mehr als 40 Neuwagen reichen. Damit die Angestellten kein Geschäft aus der Prämienzahlung machen, muss das bestellte Auto für mindestens ein halbes Jahr auf den Mitarbeiter zugelassen bleiben.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Experten: Nachrüstungen alter Diesel "grundsätzlich möglich"
Die Regierung lässt Millionen Autobesitzer seit Monaten im Unklaren: Kommt doch noch mehr als neue Software, um Motoren zu schmutziger Diesel sauberer zu bekommen? Nun …
Experten: Nachrüstungen alter Diesel "grundsätzlich möglich"
Wegen des Deutschland-Spiels gegen Schweden: Edeka- und Rewe-Filialen schließen früher
Für die DFB-Elf geht es am Samstag schon um alles. Gut ist das immerhin für die TV-Einschaltquoten - und die Spannung. Auch mehrere Supermarkt-Filialen reagieren.
Wegen des Deutschland-Spiels gegen Schweden: Edeka- und Rewe-Filialen schließen früher
Opec+ weitet Ölproduktion um eine Million Barrel am Tag aus
Die Opec hat am Freitag vorgelegt, einen Tag später ziehen die Nicht-Opec-Länder nach. Mehr Öl soll in den Markt gepumpt werden, um eine Balance zwischen Angebot und …
Opec+ weitet Ölproduktion um eine Million Barrel am Tag aus
Daimler stoppt Auslieferung von Diesel-Modellen - diese Fahrzeuge sind betroffen 
Daimler hat die Auslieferung mehrerer Diesel-Modelle gestoppt. Grund  ist der angekündigte Rückruf für Fahrzeuge, die einen Diesel-Motor nach der Norm 6b enthalten.
Daimler stoppt Auslieferung von Diesel-Modellen - diese Fahrzeuge sind betroffen 

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.