Mit dem Junior in neue Einkaufswelt

Schuhgeschäft Reindl: - Rosenheim - Es mag Zufall sein, aber zumindest heute sieht man den Unterschied in der Unternehmensführung am Schuhwerk. Georg Reindl, bis 2001 Geschäftsführer des traditionsreichen Geschäfts Schuh Reindl in Rosenheim, trägt braune Budapester, ein klassisches Modell. Die Füße von Sohn Karl-Georg zieren sogenannte Segelschuhe, eine der Wiederentdeckungen des Jahres überhaupt. Bald sechs Jahre ist der 30-Jährige jetzt Chef des 1812 gegründeten Familienunternehmens, das er in sechster Generation führt.

Er weiß genau, was er will: "Ich habe neuen Wind in das Geschäft gebracht. Insgesamt sind wir jünger aufgestellt." Sein Credo lautet: Klassisch, jedoch nicht altbacken, aber auch nicht übermodisch. Einen Bruch vermeidet er: 50 Prozent des Umsatzes macht man bei Reindl schließlich mit Stammkunden.

Georg Reindl schaut noch jeden Tag im Geschäft vorbei. "Ich bin 70 Jahre alt, 54 davon habe ich im Schuhgeschäft verbracht." Das prägt. Demnächst will er mit seiner Frau Inge, die aus einer Schuhhändlerfamilie aus dem Schwarzwald stammt, mehr Freizeit verbringen. Noch geht das aber nicht, denn Inge Reindl arbeitet Vollzeit mit. "Sie ist die gute Seele der Verkaufsräume", sagt Karl-Georg Reindl über seine Mutter. Die Stammkunden seines Vaters kommen jetzt zu ihr.

Unlängst haben die Geschäftsräume am Ludwigsplatz ein neues Gesicht bekommen. Die Verkaufsfläche von 690 Quadratmetern bietet ein helles Ambiente, Stimmungsbilder zieren die Wände und sollen zu Spontaneinkäufen animieren. In der Outdoor-Abteilung läuft auf einem Breitband-Fernseher Eurosport, in der Damenabteilung sind teure italienische Designer-Schuhe liebevoll mit passendem Täschchen dekoriert. Kinder können Riesen-Memory spielen oder auf einer Holz-Eisenbahn herumtollen, und ein Tässchen Kaffee aus der noblen Espressomaschine wartet ebenfalls auf den Kunden. "Das alles ist nicht meine Idee, sondern die des Marktes" sagt der junge Unternehmenschef. "Die Kunden erwarten heute regelmäßig neue Einkaufswelten. Für mich heißt das, dass wir alle fünf bis sechs Jahre kosmetisch nacharbeiten."

Reindl weiß trotz seines jungen Alters, wovon er spricht. Er ist in das Unternehmen hineingewachsen, hat sich bereits als kleiner Junge sein Taschengeld im elterlichen Geschäft aufgebessert. Nach der Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann folgte ein zweisemestriges Studium zum praktischen Betriebswirt, danach war er in Speyer als Assistent der Geschäftsleitung eines mittelständischen Filial-Schuh-Einzelhandels tätig. Mit 25 Jahren ernannte ihn der Vater zu seinem Nachfolger. "Eigenhändig Entscheidungen getroffen habe ich aber erst zwei Jahre später", sagt Reindl bescheiden. Die Zusammenarbeit mit dem Senior lief bestens. "Wir haben uns daran orientiert, was wirtschaftlich am besten für das Unternehmen ist, deshalb gab es nie Unstimmigkeiten."

Das "größte Schuhfachgeschäft zwischen München und Salzburg", so die Werbung, hat noch eine Besonderheit: Auf 60 Quadratmetern werden ausschließlich Hausschuhe und Tieffußbett-Pantoletten angeboten. "Das ist deutschlandweit einzigartig", sagt der Chef von 23 Vollzeit-Angestellten. Eine Verkäuferin ist nur für diesen Bereich zuständig. Und auch wer einen etwas größeren Fuß hat, kommt mit Aussicht auf Einkaufserfolg in das Traditionsgeschäft: Für Damen gibt es beispielsweise viele Modelle bis Größe 43.

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