Justiz-Monopoly um das Erbe der Wertheims im Herzen Berlins

- Berlin - Der jahrelange Streit um das millionenschwere Erbe der jüdischen Wertheim-Familie in Berlin setzt jetzt dem ohnehin schon angeschlagenen Karstadt-Quelle-Konzern zu. Im Polit- und Justiz-Monopoly um Grundstücke, Häuser und Luxushotels auf sieben Filet-Flächen im Herzen der Hauptstadt sind die Würfel günstig gefallen für die Jewish Claims Conference. Das Bundesverwaltungsgericht und das Bundesamt zur Regelung offener Vermögensfragen entschieden vergangene Woche, dass die Forderungen auf Rückübertragung zu Recht bestehen.

<P>Die JCC bündelt die Ansprüche der in der Nazizeit enteigneten Kaufmannsfamilie Wertheim und fordert jetzt 145 Millionen Euro von Karstadt-Quelle.<BR><BR>Verfahren kann sich über Jahre hinziehen<BR><BR>Es geht um eine Fläche von 20 000 Quadratmetern im so genannten Lenné´-Dreieck am Potsdamer Platz in Berlin. Das Grundstück gehörte nach den Worten des JCC-Anwalts Stefan Minden bis 1988 zur sowjetischen Besatzungszone, war aber nur vom Westen aus zugänglich. 1988 ging es im Rahmen eines Gebietsaustausches an Westberlin. Später wurde das Land Berlin Eigentümer des Grundstückes, das es 1991 unentgeltlich an den Karstadt-Konzern übertrug. Das Unternehmen wiederum verkaufte die Fläche in der zweiten Hälfte der 90er Jahre für 145 Millionen Euro an Metro-Gründer Otto Beisheim.<BR><BR>Die Jewish Claims Conference hatte bereits früher Ansprüche auf das Grundstück erhoben. Die Anträge waren nach Angaben Mindens aber abgelehnt worden mit der Begründung, dass für das Lenné´-Dreieck das so genannte Vermögensgesetz (Gesetz zur Regelung offener Vermögensfragen) nicht gilt, weil das Areal schon vor dem Mauerfall an Westberlin gegangen war. Nun entschied vergangene Woche das Bundesverwaltungsgericht, allerdings in einem anderen Fall, dass die JCC sehr wohl Ansprüche hat. Minden sprach von einem "Musterurteil. "Ich denke, Karstadt-Quelle wäre gut beraten, sich der Evidenz nicht zu verschließen." <BR><BR>Karstadt-Sprecher Jörg Howe betonte hingegen: "Die finanzielle Stabilität von Karstadt-Quelle ist durch diese Forderung nicht zu erschüttern." Der Unternehmenssprecher sagte, die Rechtmäßigkeit der Forderung lasse sich durchaus juristisch bestreiten. "Dies werden wir mit Sicherheit auch tun." Das Verfahren werde sich wohl über mehrere Jahre hinziehen. Und es sei offen, ob Karstadt überhaupt etwas zahlen müsse, und wenn, wie viel.<BR><BR>Karstadt-Quelle hatte bereits anlässlich der jüngsten Kapitalerhöhung um 500 Millionen Euro in einem Risikobericht darauf hingewiesen, dass Entschädigungsansprüche von Nachkommen des Warenhausbarons Franz Wertheim sich negativ auf den Konzern auswirken könnten. Allein die Ansprüche im Zusammenhang mit dem Lenné´-Dreieck könnten eine Größenordnung von 145 Millionen Euro erreichen. Dabei gehe es um den Vorwurf angeblich betrügerischer Handlungen im Zusammenhang mit der Rückübertragung der Liegenschaft an die Warenhaus Wertheim GmbH nach der Wiedervereinigung, hieß es.</P>

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