"Kämpfen und hoffen": Mitarbeiter halten Bochumer Opel-Werk besetzt

- Bochum - Der Konflikt zwischen Management und Arbeitern des Autoherstellers Opel spitzt sich zu. "Das wird der längste Arbeitskampf, den Opel je erlebt hat", sagte das Betriebsratsmitglied und Mitglied des europäischen Betriebsrats bei Opel, Klaus Hemmerling, vor hunderten Mitarbeitern. Betriebsrat und Vorstand von Opel wollen heute Verhandlungen aufnehmen. "Oberste Priorität hat es jetzt, die Thematik auf den Verhandlungsweg zu bringen", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz.

<P>Betriebsratsmitglied Franco Biagiotti glaubt, dass die Bänder in Bochum heute weiter stillstehen. "Ohne wenigstens einen Teildurchbruch zu erzielen, werden wir es wohl nicht schaffen, die Kollegen wieder an die Arbeit zu bekommen." Seit Donnerstag halten die Arbeiter die Werkstore besetzt, nachdem der US-Mutterkonzern General Motors verkündet hatte, in Bochum tausende der derzeit 10 000 Stellen zu streichen. Auch eine Schließung des gesamten Werkes ist derzeit nicht ausgeschlossen.</P><P>Einen Streik nennt die Proteste der Mitarbeiter niemand, offiziell nutzen die Beschäftigten ihr Recht auf Information. "Dazu hat jeder Mitarbeiter das Recht, und solange der Werksdirektor keine Meldung macht, geben wir hier die Informationen", sagt Biagiotti. Stündlich steigen Betriebsratsmitglieder auf ein Rednerpult und sprechen zu der Belegschaft, deren Kampfeswille ungebrochen scheint. Seit Tagen stehen sie hier, sind übermüdet, durchnächtigt und frieren.</P><P>Selbst die Äußerung des Europachefs von General Motors, Fritz Henderson, die Schließung eines Opelwerkes sei langfristig nicht auszuschließen, schüchtert sie nicht ein - im Gegenteil. "Wir haben doch nichts zu verlieren", sagt Carsten Schmidt, der seit 4 Uhr in der Früh nach ein paar Stunden Schlaf mit dicker Jacke vor Werkstor 1 steht. Und: "Wir müssen einfach kämpfen und hoffen."</P><P>Von einer möglichen Auffanggesellschaft für entlassene Mitarbeiter, die der stellvertretende Europachef, Carl-Peter Forster, in die Diskussion brachte, hält er ebenso wenig wie sein Kollege Reiner Schäfers. Der ist fest davon überzeugt, dass auch heute niemand die Arbeit aufnehmen wird. "Hier machen alle mit. Wenn, dann gehen wir mit wehenden Fahnen unter."</P><P>Der Druck auf die Belegschaft allerdings ist groß. Schließlich, sagt etwa Opel-Mitarbeiter Thorsten Wiebe, bekomme man auch kein Geld, wenn nicht gearbeitet wird. "Trotzdem hoffe ich aber, dass alle weiterhin zusammenhalten, denn machtlos sind auch wir nicht."</P><P>Ab heute dürften auch die Opelwerke in Belgien, Polen und Großbritannien stillstehen, die von dem Bochumer Werk mit Teilen beliefert werden. "Und das geht richtig ins Geld", meint Wiebe, dem seine schwangere Frau und seine kleine Tochter zur Seite stehen. Dass sie mitkommt, stand für die Ehefrau Kati Wiebe außer Frage: "Nur zu Hause rumsitzen bringt nichts, da ist einem nur noch mehr zum Heulen zumute."</P><P>Begeistert sind die Opelaner von einer Welle der Solidarität. Ob der Malteser Hilfsdienst, der Bäcker oder Metzger aus der Nachbarschaft oder ganze Schulklassen - sie alle spenden Brötchen, Kaffee, Wurst, Kuchen und sogar Geld. "Die Menschen hier sind wütend, traurig, betroffen und haben Angst. Aber das schweißt sie zusammen und ist ein tolles Gefühl", sagt Betriebsratsmitglied Hemmerling. Für den morgigen europaweiten Aktionstag rechnet er mit 100 000 Teilnehmern.<BR></P>

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